Datenschutz-Grundverordnung

Wirtschaft hofft auf Schonfrist in Sachen DSGVO

Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.
Drei von vier Unternehmen werden zum Stichtag, dem 25. Mai 2018, nicht mit der Umsetzung der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) fertig sein werden. Das schließt der ITK-Branchenverband Bitkom aus einer repräsentativen Umfrage. Demnach hoffen viele Firmen auf eine Schonfrist, in der es keine Sanktionen bei Verstößen gibt.

Zwei Jahre hatten deutsche Unternehmen Zeit, die DSGVO umzusetzen, doch nur ein Viertel der vom Bitkom befragten Betriebe wird am Stichtag 25. Mai den Regeln vollständig entsprechen können. Ein weiteres Drittel wird die Regeln "größtenteils" und weitere 33 Prozent zumindest "teilweise" befolgen. Befragt wurden Datenschutzbeauftragte, IT-Leiter und Geschäftsführer aus 505 Betrieben mit mehr als 20 Mitarbeitern.

Achim Berg, Bitkom-Präsident, bittet die Behörden um Milde.
Achim Berg, Bitkom-Präsident, bittet die Behörden um Milde.
Foto: Bitkom

Die Wirtschaft hofft nun laut Bitkom auf ein "kulantes Verhalten der Behörden". Während 41 Prozent etwaige Sanktionen gerne vorübergehend ausgesetzt sähen, plädiert die Hälfte der Befragten dafür, dass die Aufsichtsbehörden bei Verstößen zunächst einmal nur zu Nachbesserungen auffordern sollten. Nur ein Prozent sagt, dass die vorgeschriebenen Sanktionen ausgeschöpft werden sollten. "Für die Behörden muss das Motto zunächst einmal lauten: helfen statt bestrafen", fordert Bitkom-Präsident Achim Berg. Die "zum Teil vagen Formulierungen der Verordnung" dürften den Unternehmen nicht zum Nachteil ausgelegt werden.

Aufwand unterschätzt

Das größte Problem, das Unternehmen offenbar haben, ist die Unterschätzung des mit der DSGVO verbundenen Aufwands. 66 Prozent halten ihn für schwer abschätzbar und 56 Prozent beklagen Rechtsunsicherheit. Mehr als die Hälfte der Befragten (58 Prozent) erwartet zudem dauerhaft mehr Aufwand für den Datenschutz. Kein einziges Unternehmen geht von weniger Aufwand aus. Berg mahnt: "Gerade für kleine und mittlere Unternehmen wird die DS-GVO auch langfristig zu deutlichen Belastungen führen."

Wie die Bitkom-Umfrage zeigt, gibt es immer noch Unternehmen, die sich noch gar nicht mit der DSGVO beschäftigt haben.
Wie die Bitkom-Umfrage zeigt, gibt es immer noch Unternehmen, die sich noch gar nicht mit der DSGVO beschäftigt haben.
Foto: Bitkom Research

In der grundsätzlichen Bewertung der DSGVO sind die Meinungen geteilt. Immerhin 70 Prozent erwarten, dass die Verordnung zu einheitlicheren Wettbewerbsbedingungen innerhalb der EU führen wird. Die Hälfet sieht zudem einen Wettbewerbsvorteil für EU-Unternehmen auf dem Weltmarkt und 43 Prozent glauben, dass die DSGVO dem eigenen Unternehmen Vorteile bringen wird.

Geschäftsprozesse werden komplizierter

Es gibt aber auch Kritik. Geschäftsprozesse würden künftig komplizierter, meint die Hälfet der Befragten, die Digitalisierung in Europa werde gebremst, befürchten 38 Prozent. Ein Drittel fürchtet sogar einen Wettbewerbsnachteil für europäische Firmen und neun Prozent glauben sogar an "eine Gefahr für die eigene Geschäftstätigkeit".

Sie interessieren sich für die DSGVO? Lesen Sie auch:

Anmeldung zum Systemhauskongress CHANCEN

In einer FAQ gibt der ITK-Verband einen Überblick über die Veränderungen zur bisherigen Rechtslage. Außerdem hat der Bitkom vier Praxisleitfäden erstellt, die helfen sollen, bestimmte Verpflichtungen aus der Verordnung umzusetzen (Datenübermittlung in Drittstaaten; Verarbeitungsverzeichnis, Risk Assessment und Datenschutzfolgenschutzabschätzung; Mustervertragsanlage zur Auftragsverarbeitung). (hv)