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Windows XP: Der deutsche Launch

26.10.2001
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Vor rund 300 geladenen Journalisten ließ Microsoft Deutschland gestern sein neues Betriebssystem Windows XP vom Stapel. Auch wenn sich Konzernchef Steve Ballmer und sein hiesiger Statthalter Kurt Sibold redlich bemühten - als Sensation vermochten sie das Produkt nicht zu verkaufen.

Ohnehin waren Preise und Features lange vorher bekannt, nicht zuletzt aufgrund des umfangreichen Betaprogramms für "das beste Windows, das Microsoft je gemacht hat" (alles andere wäre ja auch seltsam). So blieb den beiden Microsoft-Managern eigentlich nur, sich für die lästige Produktaktivierung zu entschuldigen - "Wir wollen unser geistiges Eigentum schließlich verkaufen" - und ihre tief empfundene Hoffnung kundzutun, Windows XP werde der in der konjunkturellen Flaute dahindümpelnden PC-Branche neuen Fahrtwind bescheren.

Kurt Sibold wies unter anderem darauf hin, dass Windows XP deswegen so bedeutend für Microsoft sei, weil es den Abschied von den elementaren Anfängen des Unternehmens darstelle. "DOS ist mit dem Erscheinen von Windows XP tot", verkündete der mit passender Cap und Krawatte angetretene Geschäftsführer.

Steve Ballmer erklärte, XP biete sowohl Heim- als auch Unternehmensnutzern entscheidende Vorteile. Zu Hause profitiere man neben der ungewohnten Stabilität vor allem von der Integration digitaler Medien und der einfachen Vernetzung; am Firmenrechner biete das jüngste Windows eine Plattform für Echtzeit-Kommunikation, bessere Unterstützung portabler Rechner sowie völlig neue Support-Dimensionen. Außerdem stoße es die Tür in Richtung der unter der Bezeichnung .Net zusammengefassten Web-Services auf XML-Basis auf.

In einer Q&A-Session nach seiner Ansprache blitzte zumindest kurz der Humor des Konzernlenkers auf. Ein Journalist konfrontierte ihn mit der Aussage von Bill Gates von dessen Parallelveranstaltung in New York, Windows XP stürze nicht mehr ab. Ob er das bestätigen könne? Ballmer antwortete salomonisch und augenzwinkernd: "Wenn Ihr größter Aktionär erklärt, Windows XP stürze nicht mehr ab, was antworten Sie dann wohl auf diese Frage?"

Trotzdem - der sprichwörtliche Funke sprang nicht so recht über. Das mag am schlechten Timing liegen (hier haben Konjunkturflaute und die Terroranschläge vom 11. September den Hersteller kalt erwischt). Oder auch einfach daran, dass es angesichts der real existierenden PCs zunehmend schwieriger wird, immer neue Upgrades noch zu verargumentieren.