First Look Windows 11

Windows-10-Nachfolger geleakt

18.06.2021
Von 
Panagiotis Kolokythas arbeitet seit Juni 2000 für pcwelt.de. Seine Leidenschaft gilt IT-News, die er möglichst schnell und gründlich recherchiert an die Leser weitergeben möchte. Er hat den Überblick über die Entwicklungen in den wichtigsten Tech-Bereichen, entsprechend vielfältig ist das Themenspektrum seiner Artikel: Windows, Soft- und Freeware, Hardware, Smartphones, soziale Netzwerke, Web-Technologien, Smart Home, Gadgets, Drohnen… Er steht regelmäßig für PCWELT.tv vor der Kamera und hat ein eigenes wöchentliches IT-News-Videoformat: Tech-Up Weekly.
Windows 11 ist geleakt und wir werfen einen ausführlichen Blick auf diese Developer-Version. Plus: Viele Screenshots.
Blick auf die geleakte Windows-11-Version
Blick auf die geleakte Windows-11-Version


Eine Developer-Version von Windows 11 ist im Internet geleakt und liefert damit vorab einen ersten Überblick darüber, was Microsoft am 24. Juni ab 17 Uhr deutscher Zeit (11 Uhr Ortszeit) der Öffentlichkeit als den Windows-10-Nachfolger offiziell vorstellen wird.

Windows 11 angetestet
Windows 11 angetestet

Die Echtheit der geleakten Windows-11-Version lässt sich nicht abschließend bestätigen, aber es deutet vieles darauf hin, dass es tatsächlich eine echte Vorabversion von Windows 11 ist und wahrscheinlich auch exakt die Developer-Version, die Microsoft am 24. Juni zeigen wird.

Das bedeutet auch: Bei dem von Microsoft mit "was als Nächstes für Windows kommt" angekündigten Event, wird tatsächlich Windows 11 als Nachfolger von Windows 10 präsentiert werden. Alle Gerüchte der vergangenen Tage bestätigen sich also, aber Microsoft hatte ohnehin viele Hinweise auf die "11" bei der neuen Windows-Version geliefert, wie auch ein Blick in unsere Berichterstattung zeigt:

Windows 11: Installation der neuen Windows-Version

Wir installieren Windows 11 auf einen virtuellen Rechner
Wir installieren Windows 11 auf einen virtuellen Rechner

Die Build-Nummer der geleakten Windows-11-Version: Build 21996.1. Wir haben diese geleakte Version unter Virtualboxinstalliert. Die ISO-Datei ist etwa 4 Gigabyte groß und die Installation ging wie von Windows 10 gewohnt ziemlich flott. Die Setup-Bildschirme wurden vor allem optisch aufgepeppt und damit das "Installations-Erlebnis" etwas verbessert. Microsoft bezeichnet dies immer als OOBE-Erlebnis, wobei OOBE für "Out-of-the-Box-Experience" steht.

Welche Leistung Windows 11 bietet, können wir aufgrund der Virtualbox-Installation natürlich nicht genau vorhersagen. Nur so viel: Selbst in der virtuellen Umgebung läuft Windows 11 sehr flott und reaktionsschnell. Benchmarks oder tiefergehende Geschwindigkeitsvergleiche zu Windows 10 können wir zu dem Zeitpunkt natürlich noch nicht machen.

Natürlich verlangt auch Windows 11 vom Nutzer, ein Microsoft-Konto anzulegen. Allerdings ist das weiterhin keine Pflicht. Im Vergleich zu Windows 10 ändert sich in der Hinsicht also nichts.

Windows 11 begrüßt Nutzer mit Windows-10X-Oberfläche

Windows 11: Der Desktop
Windows 11: Der Desktop
Foto: PC-Welt

Was sofort beim ersten Start von Windows 11 auffällt: Der neue Desktop - mit schickem Hintergrund und vielen weiteren, schönen Hintergründen - in dem die Elemente in der Taskleiste zentriert dargestellt werden und nicht mehr linksbündig. Zumindest Standardmäßig: Mit einem Rechtsklick auf die Taskleiste gelangen Sie in die Einstellungen und können die Elemente auch wieder linksbündig anzeigen lassen und/oder nicht gewünschte Icons ausblenden.

Windows 11: Das Startmenü
Windows 11: Das Startmenü

Die Reihenfolge der angezeigten Icons in der Taskleiste: Start, Suche, Task View, Widgets, Explorer, Edge und Microsoft Store.

Aufmerksamen Lesern dürfte der neue Desktop bekannt vorkommen: Richtig, ihn hatte Microsoft schon mit den Vorabversionen von Windows 10X vorgestellt und er findet damit seinen Weg in den Windows-10-Nachfolger, nachdem Windows 10X beerdigt worden ist.

Von Windows 10X stammt auch das Start-Menü: Es enthält keine (Live-)Kacheln mehr, sondern präsentiert die auf dem Rechner installierten Apps in einer übersichtlicheren Art und Weise mit kleinen Icons. In der Haupt-Ansicht des Start-Menüs werden die angepinnten Anwendungen aufgelistet. Über "All Apps" gelangt man zu der Ansicht mit allen installierten Anwendungen auf dem PC in alphabetischer Reihenfolge.

Windows 11: Hier zeigt das Startmenü alle installierten Anwendungen an - nüchtern, aber funktional
Windows 11: Hier zeigt das Startmenü alle installierten Anwendungen an - nüchtern, aber funktional

Interessanterweise hat Microsoft eine "Empfohlen"-Liste ("Recommended") der letzten Dokumente am unteren Rand des Startmenüs hinzugefügt. Uns ist aber ehrlich gesagt noch nicht ganz klar, ob Microsoft die letzten Dokumente "empfiehlt" oder ob sie über einen Algorithmus ausgewählt werden, weil Windows 11 sie irgendwie für den Nutzer für relevant hält.

Windows 11: Etwas versteckt ist die Möglichkeit, für das Ausschalten und den Neustart.
Windows 11: Etwas versteckt ist die Möglichkeit, für das Ausschalten und den Neustart.

Den "Aus"- und "Restart"-Button findet man im Start-Menü unten rechts als kleines Icon. Da muss man schon genauer hinschauen, um ihn zu entdecken. Windows-Profis nutzen aber eh "Windows-Taste + F4", was natürlich auch unter Windows 11 weiterhin funktioniert.

Windows 11: Search
Windows 11: Search

Bei einem Klick auf das "Lupen"-Icon klappt kein Suchbereich - wie noch unter Windows 10 - auf, sondern es öffnet sich gewissermaßen "instant" ein eigenes Suchfenster. Sie können hier nach Dateien suchen, die sich lokal auf dem Rechner befinden. Oder nach Apps oder das Internet durchsuchen.

Windows 11: Task View
Windows 11: Task View

Die Taskleiste verbirgt einige andere Überraschungen. Task View, die Möglichkeit, "Arbeitsbereiche" zu gruppieren und zwischen Windows und Tabs hin- und herzuwechseln, bleibt - auch wenn sie in Windows 10 wohl eher wenig genutzt wurde. Uns freut es, weil Task View ist eine überaus praktische Windows-Funktion.

Cortana, das "Gesicht" von Windows 10, bleibt als App erhalten, erscheint aber nicht mehr im Startmenü und ist nur durch den Start der App selbst erreichbar oder wenn Sie Windows-Taste + C drücken.

Tolle Desktop-Neuerung: FancyZones integriert

Eine tolle, wenn auch etwas versteckte Änderung gibt es bei Windows Snap: Microsoft hat die FancyZones von PowerToys direkt in das OS implementiert. FancyZones wurde 2020 eingeführt und gehört zu einer Reihe von Windows-Tools, die es dem Benutzer ermöglichen, Fenster in "Zonen" auf dem Desktop zu positionieren: nicht nur als Quadrat, sondern als einen schmalen Streifen an der Seite des Bildschirmes und so weiter.

Windows 11: Fancy Zones ist integriert
Windows 11: Fancy Zones ist integriert

In Windows 11 ist diese Funktion direkt in jede Fensteranwendung eingebaut. Fahren Sie einfach mit der Maus über das Symbol "Fenster maximieren", und klicken Sie mit der rechten Maustaste darauf, dann sehen Sie eine Option, um das Fenster in einer Vielzahl von Konfigurationen auszurichten. Windows 11 ist sogar intelligent genug, um zu wissen, dass ein 4K-Display mehr Platz zum Ausrichten von Fenstern bietet und Ihnen mehr Optionen als ein Tablet bietet.

Windows 11: Die Einstellungen
Windows 11: Die Einstellungen

Vieles in Windows 11 sieht genauso aus wie in Windows 10: Das Action Center in der rechten unteren Ecke zum Beispiel bleibt unverändert. Aber es gibt eine enorme Änderung in Windows 11, die wir bisher noch nicht gesehen haben: Widgets.

Widgets: Was hat sich Microsoft da gedacht!?!

Windows 11: Widgets
Windows 11: Widgets

In der Mitte der Taskleistensymbole befinden sich die "Widgets", eine Funktion, die wir seit den Tagen von Windows 98 und Windows XP nicht mehr gesehen haben. Dabei handelt es sich nicht wirklich um Desktop-Widgets, sondern eher um eine überdimensionierte Version der Nachrichten- und Interessenfunktion von Windows 10, die Microsoft kürzlich "ausgerollt" hat. Seitdem erscheint in der Taskleiste von Windows 10 ein Wetter-Icon, was nicht allen Nutzern gefällt, sodass sie es häufig gerne wieder entfernen möchten, wie wir auch dem Feedback unserer Leser zu diesem Thema entnehmen können.

Wir machen keine Witze: Die neue Widget-Schublade ist eine massive Übernahme Ihres PC-Desktops, die sich von der linken Seite her einschleicht. Wir sind uns daher sicher, dass dieses Element bei eingefleischten Windows-Fans nicht gut ankommen wird.

Auch bei uns hinterlassen die Widgets einen gemischten ersten Eindruck und wir wissen nicht so ganz, was mit diesem neuen Element bezweckt wird. Ist es ein Zuhause für Windows-"Gadgets" und andere Dienstprogramme? Eine Fundgrube für relevante Nachrichten, wie die Ereignisse des Tages?

Und da ist noch ein großer Haken: Im Moment versteckt Widgets alles hinter einer Art "Paywall", die Widgets von Windows 11 auf PCs mit lokalen Konten blockiert und verlangt, dass Sie sich mit einem Microsoft-Konto anmelden, um auf Widgets zuzugreifen. Wenn Sie der Typ Mensch sind, der ohnehin ein lokales Konto bevorzugt, ist Widgets wahrscheinlich ohnehin nichts für Sie. Positiv: Auch das Element "Widgets" kann über die Taskbar-Einstellungen ausgeblendet werden. Wenn Sie es so wollen, werden Sie die Widgets also nie sehen müssen...

Windows 11: Was uns noch so aufgefallen ist

Nicht alle Apps, die Sie für selbstverständlich halten, scheinen zu Windows 11 migriert zu sein - ob absichtlich oder wegen des Entwicklungszeitplans, können wir aktuell nicht sagen. Viele Apps, die im Startmenü angezeigt werden, sind einfach Verknüpfungen, um sie herunterzuladen: To-Do, zum Beispiel, Microsoft News, Fotos, die Xbox- oder Netflix-App.

Windows 11: Microsoft Store
Windows 11: Microsoft Store

Hin und wieder stürzten die mitgelieferten Apps auch bei der Verwendung ab. Insgesamt halten wir das aber nicht für schwerwiegende Probleme, denn schließlich handelt es sich noch um eine Vorabversion, die eigentlich nicht für einen großen Kreis an Nutzern gedacht ist.

In Windows 11 ist der neueste Microsoft Edge, Version 91, integriert und funktionierte reibungslos. Die Systemsteuerung gibt es immer noch und sie sieht fast identisch wie die in Windows 10, mit ein paar Änderungen für die neuen Windows 11-Funktionen. Microsoft aktualisiert weiterhin den Windows Defender und verschiedene Aspekte des Betriebssystems über Windows Update. Der Task-Manager sieht genauso aus wie bisher.

Windows 11: Unser erstes frühe (!) Fazit

Die geleakte Version von Windows 11 lässt uns mit etwas gemischten Gefühlen zurück. Es gibt da die Windows-Nutzer, die sich über jede neue Funktion freuen, die Microsoft Windows spendiert. Solange sie nicht aufgedrängt werden und Nutzer frei entscheiden können, ob sie sie verwenden möchten oder nicht. Hier bietet Windows 11 viel Neues zum Ausprobieren und zum Entdecken, alles verpackt in einer aufgepeppten und modernisierten Oberfläche.

Windows 11: Die mitgelieferten Hintergründe sind sehr, sehr schick
Windows 11: Die mitgelieferten Hintergründe sind sehr, sehr schick

Positiv ist, dass Windows 11 den Nutzer nicht mit allzu vielen neuem optischen, bunten Schnickschnack überfordert, sondern an vielen Stellen äußerst nüchtern daherkommt. Das Windows-11-Startmenü geht etwa in die richtige Richtung: Es ist weniger verspielt als das Windows-10-Startmenü, dafür aber deutlich funktionaler und schneller, andrerseits weniger einladend. Hier kann Microsoft aber sicherlich noch im Sinne der Nutzer nachbessern.

Stark bleibt Windows 11 was die Personalisierbarkeit angeht: Wer mit den Standard-Einstellungen nicht zufrieden ist, darf weiterhin Windows so anpassen, wie er es gerne hätte.

Wir wollen aber fair bleiben: Die geleakte Windows-11-Version war so noch nicht für die Öffentlichkeit gedacht und hat sicherlich noch hier und da Macken, an denen noch gearbeitet wird. Man merkt, dass Windows 11 Build 21996.1 nicht fertig ist und noch etwas Zeit benötigt, die es auch bekommen muss.

Wir haben nun zumindest einen ersten Eindruck davon, in welche Richtung Microsoft mit dem Windows-10-Nachfolger gehen will. Den größeren Kontext der Windows-Pläne erfahren wir dann am 24. Juni 2021 ab 17 Uhr deutscher Zeit, wenn Windows 11 offiziell vorgestellt wird.

Eine wichtige offene Frage bleibt, ob Microsoft für Windows 11 von den Nutzern, die von Windows 10 wechseln, Geld verlangen wird. Wir gehen nicht davon aus, wie wir auch in diesem Beitrag ausführlich erläutern: Windows 11 - Gratis oder nicht? So viel könnte es kosten.

Klar wird aber auch: Windows 11 ist kein radikaler Neubeginn für die Windows-Ära, sondern baut auf Windows 10 auf. Dennoch werden sich die Nutzer in einigen Dingen, die Windows 11 anders macht, umgewöhnen müssen. Aber diese Umgewöhnungsphase dürfte sanft und kurz ausfallen.

Hinweis: Dieser Artikel entstand mit Material unserer US-Schwesterpublikation PC-WORLD.
(PC-Welt)