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Winamp-Erfinder Justin Frankel verlässt AOL

27.01.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der wegen seines rebellischen Verhaltens umstrittene Winamp-Erfinder Justin Frankel hat seinen Posten bei America Online (AOL) aufgegeben. Der 25-jährige lag bereits seit längerem mit dem Mutterkonzern im Clinch, da einige der von ihm entwickelten Programme augenscheinlich nicht in das Konzept von AOL passten. Mit der im Dezember erschienenen Version 5 des Audio-Players endete nun offensichtlich der Arbeitsvertrag des Chefentwicklers.

Frankel hatte 1999 die von ihm gegründete Firma Nullsoft an AOL verkauft. Im Rahmen der Vereinbarungen musste sich der Programmierer jedoch verpflichten, weiter für das Unternehmen in dessen Nullsoft-Abteilung zu arbeiten. Frankel kam aber mit der Unternehmenskultur des Medienkonzerns nicht zurecht und überwarf sich mehrmals mit der AOL-Führung. Im März 2000 beispielsweise veröffentlichte Nullsoft die Filesharing-Software "Gnutella". Die als "Napsters Zukunft" gehandelte Software war AOL, das kurz vor der Übernahme von TimeWarner stand, augenscheinlich ein Dorn im Auge. Als Konsequenz wurde das Projekt kurzerhand gestoppt, der Quellcode bildete dennoch die Basis vieler kleinerer Tauschbörsen wie Limewire. Ähnliches passierte im Mai 2003, als Nullsoft die P2P-Applikation "Waste" herausbrachte. Die Software ermöglicht es, zwischen bis zu 50 Peers Daten zu tauschen und bietet Verschlüsselungs- und Authentifizierungsfunktionen.

Sichtlich enttäuscht von der Entscheidung seines Arbeitgebers, hatte Frankel bereits Anfang Juni 2003 auf seiner privaten Homepage die Absicht bekundet, AOL in Kürze zu verlassen. Kurz darauf besann er sich jedoch darauf, bei der Nullsoft-Sparte zu bleiben, um Winamp 5 fertig zu stellen. (mb)