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Wieder großer Zahltag für Business.com

26.07.2007
Die einst teuerste Domain des Web ist erneut verkauft worden - und wieder für einen saftigen Preis.

Die Telefonbuchfirma R.H. Donnelley (nicht zu verwechseln mit R.R. Donnelley!) will nach Angaben von Insidern das Web-basierende Marketing-Verzeichnis Business.com für 340 bis 360 Millionen Dollar übernehmen, wie das "Wall Street Journal" kolportiert. Die beiden Entrepreneure Jake Winebaum und Sky Dayton hatten Business.com in den Hochzeiten der "Internet-Blase" im Jahr 1999 gegründet. Beide wurden für reichlich verrückt erklärt, als sie 7,5 Millionen Dollar für eine einzige Web-Adresse (schön, wenn man ein Archiv hat) hinblätterten - damals der höchste je für eine Domain bezahlte Preis.

Die aktuelle Transaktion spiegelt die wachsende Bedeutung des Internets für das White- und Yellow-Pages-Geschäft von Donnelley wider. Der Verlag gibt auf Papier und im Netz Verzeichnisse für 28 US-Bundesstaaten heraus, die unter anderem unter den Marken AT&T, Dex und Embarq vertrieben werden.

Business.com mit Sitz in Santa Monica, Kalifornien, ist eine Art elektronisches Branchenbuch. Die Firma hat zwar einen Cash Flow von um die 15 Millionen Dollar, die allerdings nur einen Bruchteil von Donnelley operativem Gewinn von 442 Millionen Dollar (FY 2006) ausmachen. Nichtsdestotrotz nehmen traditionelle Verlage teilweise eine Menge Geld für Internet-basierende Geschäfte in die Hand, weil diese schnell wachsen und sich die Verbrauchergewohnheiten zunehmend in Richtung Netz verlagern.

Unter anderem deswegen hatten sich auch Dow Jones & Co. und New York Times Co. für Business.com interessiert, zogen aber in einer von Credit Suisse First Boston durchgeführten Auktion die Kürzeren.

Ohnehin fragt sich schon so mancher, wie lange es noch gedruckte Telefonbücher geben wird. Der Microsoft-Gründer Bill Gates etwa sagte früher in diesem Jahr voraus, dass "die Nutzung der Gelben Seiten bei Leuten von, sagen wir unter 50, in den nächsten fünf Jahren auf nahezu Null sinken" werde.

Was Donnelley übrigens bestreitet - der Konzern aus Cary, North Carolina behauptet, gerade junge Leute nutzten häufig seine papierenen Verzeichnisse. Gleichzeitig betont Donnelley aber auch, es besitze genau die nötige Infrastruktur, um keine, lokale Firmen zu Internet-Werbung zu bekommen.

Business.com-Mitgründer Winebaum bleibt übrigens beim Unternehmen und übernimmt als President die Leitung des Firmenbereichs Interactive. (tc)