Wie vergibt man einen Fünfzig-Millionen-Auftrag?

10.01.1975

MÜNCHEN - Von der Organisationsabteilung des Rechenzentrums Bayerischer Genossenschaften (RBG) wurde das Konzept einer On-Line-Erfassung der einzelnen Mitglieder entworfen. 1000 Volks- und Raiffeisenbanken sollen im bayerischen Raum angeschlossen werden.

Bereits heute sind 21 Datenstationen an die beiden Siemens-Anlagen 4004/50 der Rechenzentren München und Nürnberg gekoppelt.

Für die tausend beteiligten Kreditinstitute sind jetzt Terminals für den On-Line-Betrieb geplant. Dabei handelt es sich um einen Auftrag in Höhe von 50 Millionen Mark. In München rief nun der Geschäftsführende Vorstand Günther Thaler die in Frage kommenden Hersteller zu einer Terminalshow im Esso-Hotel zusammen. Dabei gelang es der IBM wieder einmal, eine Nasenspitze voraus zu sein: während Kienzle, Olivetti und Nixdorf sich einen Raum teilen mußten, hatte IBM ihren eigenen, und Honeywell-Bull mußte im Foyer residieren.

Bei dem geplanten On-Line-System handelt es sich um eine sehr komplexe Organisation, da die Bilanzsummen der einzelnen Kreditinstitute zwischen 5 Millionen und 250 Millionen Mark schwanken. Deshalb legt RBG besonderen Wert auf eine flexible und modulare EDV-Gesamtorganisation.

Von RBG verlautet:

"Aufgrund der Struktur und Größenordnung des Auftragsvolumens beabsichtigen wir, zwei Hersteller zum Zuge kommen zu lassen, um aus der Konkurrenzsituation einen Leistungsanreiz ableiten zu können und als Konsequenz daraus für die an die RBG angeschlossenen Kreditinstitute den größtmöglichen Vorteil erzielen zu können."