So klappt es mit dem Internet of Things

Wie Unternehmen ihre Startschwierigkeiten überwinden können

Mark Alexander Schulte verstärkt seit 2011 das IDC-Team in Frankfurt. Der studierte Betriebswirt ist mit der Durchführung von kundenspezifischen Consulting-Projekten sowie der Erstellung von Studien betraut. Als Analyst konzentriert Schulte sich insbesondere auf die Themen Enterprise Mobility, Internet of Things, Industrie 4.0 sowie Social Enterprise Collaboration und steht dabei im engen Austausch mit allen Akteuren des Marktes. Schulte ist Autor zahlreicher Artikel und wird regelmäßig in der einschlägigen Wirtschafts- und Fachpresse zitiert.
Das Internet of Things ist keine Zukunftsmusik mehr, sondern ein entscheidender Faktor für die digitale Transformation. Damit auch hierzulande endlich der Durchbruch gelingt, muss an einigen Stellschrauben gedreht werden. Welche das sind, lesen Sie hier.

Unternehmen wie dm, Volkswagen oder die Deutschen Bahn zeigen mit Ihren IoT-Initiativen, dass es in Deutschland durchaus Leuchttürme für IoT-Umsetzungen gibt. Allerdings befinden sich diese Vorreiterunternehmen leider immer noch eindeutig in der Minderheit. Branchenübergreifend haben momentan lediglich 34 Prozent der Unternehmen ihre IoT-Initiativen in die Pilotierung oder gar Umsetzung überführt, so das Ergebnis einer aktuellen IDC-Befragung unter knapp 450 Unternehmen in Deutschland. Von einem flächendeckenden Einsatz des Internet of Things hierzulande kann daher derzeit keine Rede sein.

Häufig benötigen Unternehmen noch einen externen Impuls, um zu erkennen, welche Mehrwerte durch IoT für sie entstehen und wie Initiativen zum Erfolg geführt werden können.
Häufig benötigen Unternehmen noch einen externen Impuls, um zu erkennen, welche Mehrwerte durch IoT für sie entstehen und wie Initiativen zum Erfolg geführt werden können.
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Die Gründe hierfür sind vielfältig. Die Befragungsteilnehmer äußerten insbesondere die hohe Komplexität bei der Projektverwirklichung, einen Mangel an ganzheitlichen Lösungsangeboten und die mangelnde Gewährleistung von Sicherheit und Datenschutz als größte Hürden. Diese führen letztlich dazu, dass immer noch jedes dritte Unternehmen Startschwierigkeiten bei der Entwicklung und Umsetzung von IoT-Initiativen einräumt.

Es steht allerdings außer Frage, dass die Herausforderungen im Hinblick auf die fortschreitende Digitalisierung dringend adressiert und die Umsetzung der IoT-Pläne verstärkt vorangetrieben werden müssen. Das erkennt auch die große Mehrheit an Unternehmen in Deutschland, die durchaus ambitionierte Umsetzungspläne für das Jahr 2018 vorweisen.

Um die Vorhaben auch erfolgreich zu verwirklichen, ist die Berücksichtigung aktueller Technologietrends wichtiger denn je. Die Entwicklungen in den Bereichen IoT-Plattformen, Connectivity, Edge Computing, Security und Blockchain sind sehr dynamisch und bieten Organisationen heute ganz andere Möglichkeiten, als dies noch vor zwei Jahren der Fall war. Gleichzeitig machen sie den Unternehmen die Entscheidung für die ideale Lösungszusammenstellung nicht einfacher. Erfahrene Partner, die bei der Entwicklung und Verwirklichung von IoT-Initiativen unterstützen können, sind hier eine gute Option.

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Anhand der Studienergebnisse lässt sich ablesen, dass 2018 gute Chancen hat, als das Jahr des IoT-Durchbruchs in Deutschland in die Geschichte einzugehen. Die Firmen sind ambitioniert, die Budgets allokiert – also eine durchaus vielversprechende Ausgangslage für die Trendwende.

In vielen Fällen bedarf es jedoch eines externen Impulses, um zu erkennen, welche Mehrwerte durch das Internet of Things für das eigene Unternehmen entstehen und wie Initiativen zum Erfolg geführt werden können. IDC hat einige Denkanstöße und Handlungsempfehlungen parat:

Nutzen Sie die Umgebung eines IoT-Labs, um innovative IoT-Use-Cases zu entwickeln

Fördern Sie mithilfe eines IoT-Labs die Innovationskultur in Ihrem Unternehmen. Nutzen Sie hierfür IoT-Labs von Anbietern und evaluieren Sie, ob der Aufbau einer internen „IoT-Werkstatt“ für Ihr Unternehmen Sinn macht. Schaffen Sie hierdurch eine Möglichkeit, um Ansatzpunkte für IoT-Projekte zu entwickeln. Nutzen Sie diese inspirierende und abgeschlossene Umgebung, damit ihre Mitarbeiter über den Tellerrand schauen und neue Geschäftsideen entwickeln können.

Bleiben Sie nach den ersten IoT-Initiativen nicht stehen

Sammeln Sie zunächst IoT-Know-how in Projekten, die sich auf interne Effizienzverbesserungen und Prozessoptimierungen konzentrieren. Ruhen Sie sich jedoch nicht auf den realisierten Erfolgen aus, sondern übertragen Sie dieses Wissen auf die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Nutzen Sie hierfür die vielfältigen Möglichkeiten: Vernetzung bestehender Produkte, Entwicklung neuer Produkte mit IoT-Funktionen oder datenbasierter Services auf Basis von IoT-Daten. Verbessern Sie darüber hinaus auch die Kundenerlebnisse entlang der Customer Journey und kreieren Sie eine personalisierte Kundenansprache mittels IoT.

Achten Sie bei der Auswahl der IoT-Plattform auf Skalierbarkeit, Integrierbarkeit und Standards

Investieren Sie in eine IoT-Plattform, die skalierbar, in Ihre bestehenden IT-Systeme integrierbar und in der Lage ist, IoT-Daten aus mehreren Anwendungsfällen zu aggregieren und zu verarbeiten. Stellen Sie sicher, dass die IoT-Plattform Industrie- und Technologiestandards erfüllt. Antizipieren Sie zudem bereits heute künftige Bedarfe bezogen auf den Funktionsumfang. Möglicherweise ist es sinnvoll, bereits heute IoT-Plattformen der dritten Generation mit Advanced-Analytics-Funktionalitäten einzusetzen und somit einem künftig notwendigen Anbieterwechsel vorzubeugen.

Entscheiden Sie sich für Core-, Edge- oder Endpoint-Computing je nach Use Case

Nutzen Sie zu Beginn Ihrer IoT-Initiativen das Firmenrechenzentrum oder die Cloud für die Verarbeitung von Daten. Prüfen Sie jedoch im zweiten Schritt genau, welche Analysen am Entstehungsort stattfinden sollten. Ziehen Sie Faktoren wie Bandbreite, Latenzzeiten, Standortverteilung des IoT-Geräts und Datenmenge in Ihre Entscheidungen mit ein. Nicht alle Use Cases benötigen Edge-Funktionalitäten. Es gilt: Je zeitkritischer die Analyse ist, desto näher sollte sie am vernetzten Objekt stattfinden.

Ziehen Sie Blockchain-Lösungen in Betracht, um ihre IoT-Umgebung sicherer zu gestalten

Integrieren Sie IoT-Security entlang der IoT-Infrastruktur von Beginn an und nutzen Sie verstärkt auch fortschrittliche IoT-Security-Funktionalitäten. Das betrifft die Cloud bzw. das Rechenzentrum, Schnittstellen, „the edge“ und den Endpoint selbst. Bewerten Sie gemeinsam mit Ihrem Anbieter auch Blockchain-Lösungen, um IoT-Daten abzusichern und die Kontrollkette einfacher überprüfen zu können. Evaluieren Sie jedoch genau, ob zum Beispiel der erhöhte Ressourcenbedarf an Rechen- und Speicherleistung durch Blockchain wirklich gerechtfertigt ist. Der Einsatz von Blockchain ist nicht für jeden Use Case sinnvoll.