Agile Sourcing

Wie Unternehmen an Fachkräfte kommen

12.10.2019
Von   IDG ExpertenNetzwerk


Der Autor blickt auf 30 Jahre Management- und Vertriebs Erfahrung in der IT zurück, davon 16 Jahre als geschäftsführender Partner einer Unternehmensberatung, Mitgründer des Research Lab for Digital Business und der St. Gallen Institute GmbH. Er ist Entrepreneur, Senator im Senat der Wirtschaft Deutschland und leidenschaftlicher Ratgeber in der digitalen Welt. Zuletzt war er CEO der CompuSafe AG.
Die kommende Generation der Arbeitnehmer sowie technologische Entwicklungen werden die Arbeitsweise der Zukunft stark beeinflussen. Hinzu kommen neue Kompetenzprofile für die Beschäftigen, egal welchen Alters. Unternehmen müssen deshalb im „War for Talents“ über neue und agil anpassbare Sourcing-Lösungen nachdenken.
  • Bei Agile Sourcing geht es darum, die richtige Menge in der richtigen Form zum richtigen Zeitpunkt zu liefern.
  • Im "War for Talents" gilt es, auch die Attraktivität des Arbeitsplatzes für bestehendes Personal zu steigern.
  • Bei zeitlich begrenzten Projekten steht die Rekrutierung von Spezialisten nicht immer im Verhältnis zu den Ergebnissen.

Ein wichtiger Punkt des Sourcing-Konzepts muss die Erschließung neuer Human Resources sein. Hier sind zum Beispiel die Qualifizierung von Flüchtlingen und Migranten oder Ausbildungs- und Hochschulabsolventen sowie die Suche und die gezielte Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland denkbare Optionen. Unverzichtbar sind aber auch Maßnahmen zur Qualifizierung und Requalifizierung der Belegschaft. Der Grund: Nur so können vorhandene Arbeitskräfte - insbesondere die ältere Generation - bestmöglich in den digitalen Wandel einbezogen, Kompetenzen und Wissen weiter ausgebaut und der Wissenstransfer sichergestellt werden. Der klassische Weiterbildungskatalog reicht hierfür allerdings nicht mehr aus. Denn im "War for Talents" geht es nicht nur darum, neue Fachkräfte für sich zu gewinnen, sondern auch die Attraktivität des Arbeitsplatzes für bestehendes Personal zu steigern.

Auf der Suche nach Talenten müssen Unternehmen Qualifizierung und Requalifizierung in ihr Personalmanagement integrieren.
Auf der Suche nach Talenten müssen Unternehmen Qualifizierung und Requalifizierung in ihr Personalmanagement integrieren.
Foto: designer491 - shutterstock.com

Doch wo geht die Reise hin? Das fragen sich im Moment viele Unternehmen. Häufig stehen sie durch die Digitalisierung vor komplexen Aufgaben, die den gesamten Betrieb betreffen. Um diese Projekte umsetzen zu können, bedarf es spezifischer Ressourcen und Kompetenzen. Diese sind aber oft entweder gar nicht oder nicht in der notwendigen Menge beziehungsweise zur rechten Zeit vorhanden. Die Rekrutierung der erforderlichen Spezialisten beziehungsweise Skills ist oft ein aufwendiger Prozess und steht gerade bei zeitlich begrenzten Projekten nicht immer im Verhältnis zu den Ergebnissen.

Human Resources flexibel planen

Eine Lösung für die optimale, auch zeitlich begrenzte Gewinnung von Mitarbeitern oder die Evaluierung notwendiger Technologien sowie die Erweiterung der internen Kompetenzen ist Agile Sourcing. Mit diesem Ansatz werden maßgeschneiderte, individuelle Konzepte für die jeweilige Situation oder das Projekt des Unternehmens erarbeitet und die passenden Ressourcen aus

• Fachkräften,

• Lösungspartnern,

• Technologie und

• Weiterbildung

zusammengestellt. Aber auch die arbeitsrechtlich korrekte Vertragsform (Dienstleistung, Werksvertrag, Arbeitnehmerüberlassung) spielt eine wichtige Rolle. Bei Agile Sourcing geht es darum, die richtige Menge in der richtigen Form zum richtigen Zeitpunkt zu liefern. Der Ansatz schafft außerdem Flexibilität und Agilität, Letzteres auch im Sinne von Vernetzung. Eigenschaften, die Unternehmen in Zukunft dringend benötigen, um in der Lage zu sein, auf Veränderungen zu reagieren.

Weiterbildung wird zum Erfolgsfaktor

Betrachtet man die derzeitigen Entwicklungen, wird deutlich: Fast die Hälfte der aktuellen Berufsbilder verändert sich und wird künftig durch IT geprägt sein. Dieser schnelle Wandel und der Bedarf an spezifischer Bildung kann von öffentlichen Ausbildungssystemen nicht abgedeckt werden. Es liegt an den Unternehmen selbst, die Wissenslücken zu schließen und Kompetenzen innerhalb des Betriebs auf- und auszubauen. Denn von Arbeitnehmern werden erweiterte und vor allem neue Kompetenzen insbesondere in Hinsicht auf moderne Technologien gefordert. Doch allein über das Recruiting spezialisierter Fachkräfte lässt sich diese Herausforderung kaum meistern. Unternehmen müssen, wie erwähnt, Qualifizierung und Requalifizierung fest in das Personalmanagement integrieren. Experten gehen heute davon aus, dass gerade dieser Bereich ein kritischer Erfolgsfaktor für die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens ist und sein wird. Der Fokus liegt auf dem Ausbau von Soft Skills wie Kommunikation, Konfliktmanagement, Design Thinking, aber auch auf Bereichen wie Programmierung, Data Analytics und Methoden wie Scrum.

Die Zukunft wird intelligent

Das Ergebnis der digitalen Transformation ist im Idealfall ein intelligentes Unternehmen,

• das den Schatz aus seinen gesammelten Daten hebt,

Innovationen aus eigener Kraft vorantreibt,

• neue Geschäftsmodelle entwickelt und

• effizient arbeitet.

Ein wichtiger Teil dieser Firma sind die Menschen, die dort arbeiten. Durch die Automatisierung von Prozessen und Arbeitsabläufen können sie sich auf ihre Kompetenzen, Fähigkeiten und Kreativarbeit konzentrieren wie niemals zuvor. Diese Chance muss jetzt konsequent und mit Weitsicht genutzt werden. Die Zukunft wartet nicht.