Evidenzbasierte Personalauswahl

Wie Sie erfolgreiche IT-Manager erkennen

09.01.2020
Von  und
Jörg Knaack ist wissenschaftlicher Berater und Mitglied des Aufsichtsrates der Personalberatung GET AHEAD AG in Hamburg.
Florian Crefeld ist Berater in der Branche Informationstechnologie bei der GET AHEAD AG.

Der Faktor Intelligenz wird überschätzt

Von den fünf Merkmalsdimensionen der Big Five können nur die Dimensionen Gewissenhaftigkeit und emotionale Stabilität valide mit der zukünftigen beruflichen Leistung in Verbindung gebracht werden. Auch der Faktor Intelligenz beeinflusst nach aktuellen Studien den beruflichen Erfolg weit weniger als häufig vermutet: Bereits die Kombination von Selbst- und Fremdeinschätzung kann die Vorhersagegüte von kognitiver Intelligenz übersteigen.

Intelligenz korreliert zwar signifikant mit der Motivation für die berufliche Leistung und ist somit eine wichtige Voraussetzung für den Leistungswillen und die Leistungsfähigkeit der Kandidaten. Mehrere Langzeitstudien haben jedoch nachgewiesen, dass Faktoren wie Beharrlichkeit und Ausdauer eine deutlich zuverlässigere Prognose über den zukünftigen beruflichen Erfolg ermöglichen.

Indikatoren und Instrumente

Die evidenzbasierte Personaldiagnostik nutzt relevante und valide Erkenntnisse der Persönlichkeitspsychologie, Neurowissenschaft, Epigenetik, Soziologie und anderen Forschungsrichtungen für die Personalauswahl. In zahlreichen Studien konnte valide ermittelt werden, dass die wesentlichen Indikatoren für den beruflichen Erfolg im Bereich der bisher oft vernachlässigten nichtkognitiven Fähigkeiten liegen. Anhand von Indikatoren wie der Selbstkontrolle mit den Aspekten Gewissenhaftigkeit, Ausdauer und Selbstdisziplin, Willensstärke sowie Motivation und Resilienz lässt sich ein Berufserfolg mit hoher Wahrscheinlichkeit prognostizieren.

Psychosoziale Einflüsse in der Kindheit sind prägend

Diese Eigenschaften werden weniger in der universitären Ausbildung und dem Berufsleben der Kandidaten geprägt, sondern durch positive psychosoziale Einflüsse in den ersten Lebensjahren, im späteren Kindesalter sowie in der Jugend geformt. Durch die klassischen Test- und Auswahlverfahren werden diese Faktoren bisher kaum oder gar nicht berücksichtigt. Zudem sind Lebenslaufanalysen und allgemeine Interviews auch methodisch nicht geeignet, intrinsischen Motiven auf die Spur zu kommen.

Kompetenzprüfung und narratives Interview

Die evidenzbasierte Personaldiagnostik erweitert die notwendige fachliche Kompetenzprüfung daher um die Technik des narrativen Interviews, das einen individuellen Erzählfluss zum Ziel hat und biografische Einblicke in die Kindheit und Jugend sowie in die unbewussten Handlungsantriebe der Kandidaten erlaubt. Diese Technik erfordert Zeit, Erfahrung und die Fähigkeit, eine offene Gesprächsatmosphäre herzustellen.

Eine Investition, die sich lohnt, denn die Erfolgsquote bei der Führungskräfteauswahl lässt sich nach Studien und der Erfahrung der Autoren aus der Besetzung vieler Führungspositionen auf über 85 Prozent erheblich steigern. Das macht die Beschäftigung mit diesem wissenschaftlich fundierten Ansatz und den Einsatz von evidenzbasierten Methoden zu einer sinnvollen Investition.

Drum prüfe, wer sich länger bindet

Eine falsche Personalentscheidung ist nicht nur teuer, sie lässt sich im Nachhinein auch kaum mehr korrigieren. 80 Prozent des Erfolgs einer Führungskraft werden Studien zufolge durch die Auswahl und nur 20 Prozent von späteren Förder- und Entwicklungsmaßnahmen beeinflusst. Angesichts der Bedeutung der IT für den Unternehmenserfolg lohnt es sich gerade für diesen Bereich, die ausgetretenen Pfade der Personalauswahl zu verlassen und sich den aktuellen Stand der Forschung zunutze zu machen.

Das ist der Erfolg der evidenzbasierten Personaldiagnostik: Sie setzt zur Vorhersage der Leistungen einer Führungskraft auf die Ermittlung der Persönlichkeit und der notwendigen Kompetenzen, vor allem aber auf evidente Indikatoren und wissenschaftlich geprüfte Zusammenhänge, um den passenden Kandidaten für die jeweilige Position zu ermitteln. (pg)