Drei Karrieretipps

Wie Sie eine ungewisse Zukunft zu Ihrer Chance machen

Rainer Petek ist Autor, Speaker und Extrembergsteiger. Mit einem kennt der gebürtige Österreicher sich ganz besonders aus: dem Umgang mit dem Ungewissen. Bereits mit 19 Jahren durchstieg er die schwierigste Nordwand der Alpen. Mit dieser Erfahrung begleitet der studierte Organisationsentwickler seit 1998 Management-Teams internationaler Konzerne in herausfordernden Situationen und Umbruchphasen. Rainer Petek zeigt Parallelen zwischen Berg und Business auf und belegt daran immer wieder aufs Neue: »Wir überschätzen das Ausmaß an Planbarkeit und unterschätzen unsere Möglichkeiten im Umgang mit dem Ungewissen.« www.rainerpetek.com

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Unabsehbare Entwicklungen führen zu schnellem Wandel in Unternehmen – und so schauen auch deren Mitarbeiter oft plötzlich in eine ungewisse Zukunft. Das muss keineswegs bedrohlich sein, wenn man einige Regeln beachtet.

Es drückt aufs Gemüt, es lässt Prozesse erstarren, Sie scheinen plötzlich wie gelähmt: Wenn das Ungewisse in Ihrem Job Einzug hält - angesichts unabsehbarer Folgen einer Fusion Ihres Unternehmens, weil Ihre Geschäftsleitung einen Organisationsumbau angekündigt hat, aufgrund eines anstehenden Chefwechsels - dann kommen nicht nur ganze Bereiche gefühlt in den Stillstand, sondern auch Sie als Mitarbeiter.

Unvorhergesehene Situationen lassen sich mit ein paar Tipps einfacher meistern.
Unvorhergesehene Situationen lassen sich mit ein paar Tipps einfacher meistern.
Foto: Alphaspirit - shutterstock.com

Die Angst vor dem Absturz

Ich nenne diese Reaktion auf ungewisse Situationen die "Problem-Hypnose". Schon so mancher Mensch ist ihr verfallen. Die betroffene Person beleuchtet dabei ein Problem und dessen mögliche negative Konsequenzen immer wieder aus sämtlichen Blickwinkeln. Durch die ständige Versorgung mit Aufmerksamkeit bläht sie das Problem in ihrem Kopf so auf, dass sie irgendwann ausschließlich mit ihm und dem hypothetischen Negativszenario beschäftigt ist. Ihre ganze Energie wird davon absorbiert.

Das gleiche Gefühl überfiel mich einmal am Berg, als ich mich unglücklich verklettert hatte. Ich glaubte, abstürzen zu müssen, und ertappte mich schließlich dabei, wie ich nur noch in den gähnenden und angsteinflößenden Abgrund unter mir starrte. So gewann er immer mehr Macht über mich. Das Phänomen im Arbeitsleben ist das gleiche: Wenn Sie in die Problem-Hypnose rutschen, verstellen Sie sich vollkommen den Blick auf Ihr eigentliches Ziel, den sinnbildlichen Berggipfel. Denn jegliche Denkkraft konzentriert sich auf das Problem, an dem Sie nicht mehr vorbeisehen können. Da es aber heutzutage ganz "normal" ist, dass Veränderungen schnell und plötzlich stattfinden, sind diejenigen im Vorteil, die die Problem-Hypnose vermeiden oder sich leicht aus ihr befreien können.

Hinein in den Lösungsmodus

Um aus dieser Hypnose aufzuwachen, hilft nur eines: Ihre Blickrichtung zu ändern. Das half mir auch am Berg: In meiner scheinbar aussichtslosen Situation zwang ich mich, den Blick vom Abgrund abzuwenden - und plötzlich sah ich die Lösung ganz klar vor mir. Der simple Perspektivwechsel, mich in der Wand 50 Zentimeter zurückzulehnen, brachte die Veränderung. Dort oben war der nächste Vorsprung, an dem ich mich festhalten und weitermachen konnte. Die ungewisse Lage war gelöst. Wenn Sie in der Problem-Hypnose feststecken, dann wechseln Sie die Perspektive. Das ist der erste Schritt heraus aus dem negativen Kopfkino in einen Lösungsmodus, der Sie weiterbringt.

Im Anschluss ist Vorsicht geboten. Denn an dieser Stelle verfallen viele Menschen sofort ins klassische Planen. Ein Ziel wird formuliert, ein Plan oder besser noch eine Roadmap muss her. Nur - ins tatsächliche Handeln kommen damit die wenigsten. Denn im schnelllebigen 21. Jahrhundert helfen schöne Pläne meist nicht viel. Ich möchte sogar behaupten, es ist gar nicht mehr möglich, eine knifflige Lage erschöpfend einzuschätzen und zu berechnen. Gerade in ungewissen Job- und Karrierefragen sind Pläne schnell überholt.

Um erfolgreich vom Fleck zu kommen, braucht es Menschen, die Entscheidungen treffen! Ich zum Beispiel entschloss mich Ende der Neunzigerjahre, meine Erkenntnisse als Bergführer den Managern in Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Manche dachten, ich spinne, andere warteten ab. Tatsächlich konnte mir kein Mensch sagen, ob das funktioniert. Aber ich war mir meiner Karriereentscheidung sicher. Ich wusste, um herauszufinden, ob es sich lohnt, musste ich den Schritt ins Ungewisse einfach tun. Und genau das Gleiche gilt auch für Sie.

Das Ungewisse überwinden

Nun möchte ich Sie nicht abschrecken. Ohne Vorbereitung und quasi planlos müssen Sie nicht ins kalte Wasser springen. In den Zustand der Entscheidungsfähigkeit können Sie sich im Job Schritt für Schritt versetzen, indem Sie folgende drei Schritte durchlaufen:

1) Führen Sie sich Ihre Erfolge vor Augen

Besinnen Sie sich auf Situationen im Job, in denen Sie stark waren. Welche Ihrer Qualitäten haben in diesen Momenten zum Erfolg geführt? Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit ganz bewusst auf Ihre Erfolgserlebnisse, deren verbindende Muster und auf Ihre Stärken. Das lässt Sie nicht nur an Ihren (erneuten) Erfolg glauben, sondern nimmt Ihnen auch die Ausreden, warum es diesmal nicht klappen sollte.

2) Seien Sie hart und hoffnungsvoll mit sich

Machen Sie sich ein Bild von allem, was kommen könnte und noch unklar ist - den Hindernissen, den Gefahren, den Ungewissheiten. Fragen Sie sich zuerst: "Mit welchen meiner Stärken kann ich dem begegnen?" Und fragen Sie sich dann ganz hart und ehrlich: "Kann ich das packen?" Lautet die Antwort "Ja", dann bauen Sie automatisch die nötige Stärke auf - um erstens die Entscheidung zu treffen, und um zweitens später in der Realität die schwierigen Passagen zu meistern. Und wenn die Antwort "Nein" lautet? Wunderbar! Ein "Nein" ist genauso eine Entscheidung! Denn viele Menschen preschen mit großer Euphorie vor - am Berg wie im Business - anstatt zu erkennen, wenn es gefährlich wird.

3) Glauben Sie an sich und suchen Sie sich Vertraute

Wenn ich in eine Bergwand einsteige, dann nur mit Partnern, auf die ich zu 100 Prozent vertraue. Mein Freund Sepp ist so einer und nur deshalb bin ich mit 19 Jahren mit ihm in die Nordwand der Grandes Jorasses eingestiegen, eine der schwierigsten Wände der Alpen. Und das ist das Geheimnis in unsicheren Zeiten: Suchen Sie sich eine vertraute Person in Ihrem Umfeld, die Sie stärkt und ermutigt, die davon überzeugt ist, dass Sie mit Ihren Talenten die Situation drehen können - die Sie das auch wissen lässt.

Wie führen Sie sich also endgültig aus der Problem-Hypnose angesichts des Ungewissen heraus? Indem Sie sich im Glauben bestärken, dass Sie fähig sind, ungewisse Situationen zu meistern. Der Blick geht dann weg vom Problem, hin zu Lösungen. Die Handbremse ist gelöst. Dann brauchen Sie für Ihre Karriere nicht länger einen großen Masterplan bis zum Gipfel, sondern entscheiden sich von Seillänge zu Seillänge neu. Sie klettern die Etappe, bewerten die Erfahrung damit und priorisieren für den nächsten Schritt neu. Sie kennen die Risiken immer noch nicht genau. Aber Sie bekommen das Ungewisse endlich in den Griff!