Anforderungen an die IT der Zukunft

Wie sich Business und IT stärker verzahnen, um die Digitalisierung zu meistern

25.11.2019
Anzeige  Geht es um Digitalisierung, agiert die IT zunehmend als Impulsgeber für die Geschäftsstrategie. Damit verbunden ist eine engere Zusammenarbeit und Verzahnung von Business und IT. Aber um diesen Weg zu gehen, benötigt die IT neue Fähigkeiten.

Auf Vorstandsebene wird heute in einer Intensität über IT-Themen gesprochen, die vor fünf Jahren noch undenkbar war. Man diskutiert über schnellere und flexiblere Geschäftsprozesse und wie man neue Geschäftschancen durch Digitalisierung erzielt. Oder wie man eine grundsätzlich höhere Agilität im Unternehmen erreicht.

Die geschäftliche Phantasie ist beflügelt: Big Data, Künstliche Intelligenz und Industrie 4.0 ermöglichen viele neue Produkte und Services - doch bislang sind die Erfolge begrenzt. In den letzten Jahren wird die IT nun immer stärker mit einbezogen, nicht nur um Geschäftsabläufe zu verbessern, sondern auch um neue attraktive Business-Modelle mit zu entwickeln oder zu unterstützen.

Damit hat sich IT vom kostenintensiven Service-Bereich zu einer umsatzsteigernden und wertschöpfenden Einheit innerhalb neuer Unternehmensangebote gewandelt. Damit verändern sich die Rolle der IT sowie ihr Verhältnis zum Business. Sie wird von einem Dienstleister zum Business-Partner und Business-Enabler.

Warum das Business zunehmend die IT ins Boot holt

"Die gute Nachricht lautet: Im Grunde ist die IT prädestiniert, beim Business einzusteigen. Sie begleitet die Fachabteilungen schon seit Jahren und sorgt dafür, dass digitale Prozesse Mehrwert für Unternehmen bringen", erläutert Jörg Thamm, Head of IT Strategy bei Horváth & Partners Management Consultants. "Zudem hat die IT einen übergreifenden Blick über das Unternehmen und die besten unterstützenden Technologien im Unternehmen. Fachbereiche hingegen haben oft nur den Inselblick auf ihr Gebiet und die Prozesse."

Aber die neue Rolle erfordert neue Fähigkeiten. Entscheidend ist eine ganzheitliche Sicht. Es geht um eine enge Vernetzung und Verzahnung von IT und Business auf Delivery Modell-Ebene sowie auf Rollen- und Prozessebene. "Wichtig ist es, die passende Aufstellung für die Zusammenarbeit zu finden. Soll die IT nach Produkten- oder nach End-To-End-Prozessen strukturiert werden?", sagt Thamm. "Am Anfang sollten Firmen die strategischen Leitplanken definieren und grundsätzlich die Frage beantworten: Was ist der Auftrag und das Mandat der IT im Unternehmen?"

You never walk alone: enge Verzahnung von IT und Business

IT und Business erstellen in enger Abstimmung zunächst eine Landkarte der gewünschten Geschäftsprozesse und erarbeiten, welche Technologien und Applikationen für deren optimale und wertstiftende Nutzung erforderlich sind. Damit können IT und Business eine Ziel-Applikations-Landschaft definieren und eine Technologie-Roadmap ableiten.

IT und Business verzahnen sich immer mehr.
IT und Business verzahnen sich immer mehr.
Foto: nikkytok - shutterstock.com

Anschließend folgt die Ist-Analyse, die alle bestehenden Applikationen abbildet. Stellt man diese Analyse der Roadmap gegenüber, erhält man eine Heatmap, die zeigt, wo noch Handlungsbedarf besteht.

Think Business

Wie aber muss die IT-Organisation intern aufgestellt sein, damit sie zum Treiber der Digitalisierung werden und so eng mit den Fachabteilungen zusammenarbeiten kann? Hier sind von den IT-Experten neue Fähigkeiten gefragt. Aufschlussreich sind dabei die Ergebnisse der Studie "Adaptive IT 2.0" von Horváth & Partners und IDG Research Services.

Zentrale Kompetenzen für die IT der Zukunft sind demnach eine Beratungskompetenz für innovative Technologien und ein End-To-End-Verständnis der Geschäftsprozesse (jeweils 71 Prozent). Auch Know-how für agile Methoden wie Scrum, Design Thinking oder DevOps ist gefragt.

Unternehmenskultur und Führung im Wandel

Vor allem aber erwarten die befragten Fachleute "Skills für das Change-Management" (82 Prozent). Denn um die neue Verantwortung übernehmen zu können, müssen Führungskräfte in der IT weniger fachlich führen, sondern stärker in der Personalführung aktiv sind. Im Business entfallen die klassischen Hierarchien, und die ehemaligen Führungskräfte müssen fachlich als Product Owner aktiv werden. Fachaufgaben in Business und IT gehen verstärkt auf Spezialisten über, die sich auf Geschäftsprozesse, Applikationen, Technologien und Methoden fokussieren.

IT-Führungskräfte sind zunehmend in der Personalführung aktiv.
IT-Führungskräfte sind zunehmend in der Personalführung aktiv.
Foto: Matej Kastelic - shutterstock.com

"Die Umstellung auf agile Unternehmensstrukturen erfordern auch in der IT flachere Hierarchien und interdisziplinäre Teams, die die fachliche Verantwortung selbst übernehmen können und dürfen", erklärt Tobias Rölz, Vice President Global IT & Digital Business bei der Komax AG.

Solche Prozesse sieht Karim Tsouli, CIO bei der Creditplus Bank, im Rahmen eines ganzheitlichen Change: "Möchte man alle Früchte der Agilisierung ernten, ist dies ein Thema für die gesamte Firma. Eine reine Betrachtung der IT reicht bei Weitem nicht aus. Agilität ist dabei im Wesentlichen eine Einstellungssache. Diese ist mit einem großen Kulturwandel verbunden und kein kleines Thema. Es betrifft alle im Unternehmen, vom Mitarbeiter in agilen interdisziplinären Teams bis hin zum Vorstand."

Zentrale Steuerung notwendig

Diese neuen Strukturen erfordern eine zentrale Instanz mit Budget-Hoheit auf Top-Management-Ebene, alle Digital-Aktivitäten im Unternehmen zu steuern und zu orchestrieren. IT ist nur ein Teil davon. Firmen müssen ganzheitlich denken und im Portfolio-Management all ihre Ressourcen und Projekte betrachten, nicht nur IT-Projekte.

"Damit lassen sich mit Blick auf die Zukunft die richtigen Prioritäten bei Digitalisierungs-Initiativen setzen", resümiert Thamm. "Die Studie zeigt: Die Diskussion um die Umsetzung ist nun dort angekommen, wo sie hingehört. Die IT setzt die Digitalisierung nun zusammen mit dem CEO um."