Cloud Readiness in Deutschland

Wie sich Anwender auf den Weg in die Zukunft machen

14.07.2015
Von 
Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategischen und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.

Welche Hindernisse gibt es?

Wenn man die IT-Verantwortlichen deutscher Unternehmen fragt, wo sie Restriktionen bei der Cloud-Nutzung sehen, bekommt man im Wesentlichen drei Antworten:

  • Rechtliche Fragen, vor allem nach Datensicherheit und Privacy, sind kompliziert und nicht immer eindeutig geklärt;

  • die Integration der Cloud-Services in die vorhandene IT-Landschaft gestaltet sich schwierig;

  • es fehlt an Mitarbeitern mit der richtigen Qualifikation, und es gibt einige, die sich sperren, weil sie die Cloud als Arbeitsplatzvernichter in der IT sehen.

Ein Großteil der leidigen Sicherheitsfragen rührt daher, dass die großen Cloud-Anbieter ihre Rechenzentren immer noch im "Land der unbegrenzten Zugriffsmöglichkeiten" haben. "Wir haben darüber mit unseren Arbeitnehmervertretungen gesprochen", erläuterte Aenova-CIO Hittmeyer, "und die hatten große Bedenken, dass unsere Daten in den USA liegen. Deshalb sehen wir mit Interesse, dass immer mehr Cloud-Anbieter nach Deutschland kommen. Ein Rechenzentrum in den USA ist offenbar für viele Kunden ein Killerargument."

Das gelte übrigens "in beide Richtungen", ergänzte BMW-Manager Turek. Genauso kritisch werde es gesehen, wenn die US-Daten hier gehostet seien. Tureks Fazit: "Man muss in der Lage sein, lokal zu hosten. Das ist nochmal ein Push für die Cloud, nämlich eine Chance, mit dem gesamten Problem international differenziert umzugehen."

Man dürfe sich da nichts vormachen, warf Petrongari ein. Es gebe nun einmal einen natürlichen Widerspruch zwischen Gesetzgebung und Cloud: "Daten kennen kein Territorium, Gesetze aber sehr wohl." Er selbst habe dafür auch noch keine Universallösung. Aber er empfehle, nach Möglichkeit einen IT-Architekten zu Rate zu ziehen: "Der soll mir sagen, wo die schützenswerten Kronjuwelen sind. Bestimmte Daten dürfen nicht einmal die Unternehmensgrenzen überschreiten. Wir kommen also nicht umhin, das für jeden Fall individuell zu betrachten. Auch die neue EU-Richtlinie erweitert ja nur die Grenzen des Territoriums."

Inwieweit Cloud-Services in eine IT-Architektur passen und ob sie überhaupt passend gemacht werden können, interessiert die Nutzer in den Fachbereichen wenig. Das ist für Pongratz, den CIO der TUM, einer der Stolpersteine, die den Erfolg von Cloud Computing verhindern können. "Für die Nutzer zählt, ob es funktioniert und ob die Daten sicher und hochverfügbar sind. Wo der Server steht und wie die Integration funktioniert, ist ihnen egal." Aber am Ende seien durchgängige Prozesse notwendig. Und da tauchten dann die Haken und Ösen auf.

"Die Anbieter machen das ganz clever", stimmte Petrongari seinem CIO-Kollegen zu, "sie adressieren direkt die Fachbereiche, und meine Aufgabe in der IT ist es dann, den Gesamtzusammenhang herzustellen." Auch ein Haus lasse sich ohne Architektur nun mal nicht bauen. Aber den Nutzern das klarzumachen erfordere viel geduldiges Erklären.

Hilfreich ist es da sicher, wenn man schon vor der Cloud-Nutzung seine Architektur in Ordnung gebracht hat, wie BMW es offenbar gelungen ist. "Wir haben in Krisenzeiten standardisiert und konsolidiert, sprich, wir haben intern bereits skaliert", sagt Turek. Außerdem richte sich die Konzern-IT auch im Cloud-Umfeld, soweit möglich, an Quasi-Standards aus. So ist BMW Mitglied der Open Data Center Alliance (ODCA).