Kreativer Mittelständler Adito

Wie Recruiting jenseits der Metropole funktioniert

15.07.2019
Von 
Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
Kleine Softwarehäuser haben es nicht ganz einfach, wenn es um das Recruiting von Personal geht, erst recht nicht, wenn sie auch noch in der Provinz liegen. Wie es trotzdem funktionieren kann, erzählt die Adito-Personalverantwortliche Christine Bhosale.

Oft sind es die kleinen Dinge, die darauf hindeuten, dass es sich nicht um einen 08/15-Arbeitgeber handelt, sondern um ein Unternehmen, in dem sich die Inhaber einige Gedanken gemacht haben, damit sich die Mitarbeiter wohlfühlen - und natürlich auch die Beschäftigten aktiv dazu beitragen, dass das Binnenklima so ist, dass man gern dort arbeitet. Die Rede ist in diesem Fall von Adito, einem eher kleinen Hersteller von CRM-Software vor den Toren der niederbayerischen Hauptstadt Landshut mit rund 130 Mitarbeitern.

Gelebter Teamspirit mit Sport und Obst

Als Außenstehendem fallen sofort Dinge auf, die sich ruhig dahingehend interpretieren lassen, dass die Wertschätzung der Arbeitskraft kein Lippenkenntnis ist. Das fängt schon beim modernen Gebäude an - architektonisch ein Blickfang aus viel Glas und Beton und die Innenausstattung aus hochwertigen Materialien zusammengestellt. Und draußen ein großer Obstgarten mit 55 Apfelbäumen - wie die Personalverantwortliche Christine Bhosale berichtet, die genug Obst abwerfen, dass die Belegschaft und die Gäste des Hauses das ganze Jahr über Apfelsaft trinken können. Und diejenigen, die bei der Ernte mithalfen, durften sich einige Behälter Saft nach Haus nehmen. Allgemein trachtet das Unternehmen danach, dass der Teamspirit nicht nur gepredigt, sondern auch gelebt wird. Das fängt bei den Chefs an, sprich, die Geschäftsführer und Inhaber sitzen mit den Mitarbeitern in offenen Bürolandschaften und entwickeln gemeinsam. Oft nach dem Mittagessen gibt es eine Runde Tischkicker. Weitere Sportaktivität: Beim Firmenstadtlauf in Landshut beteiligten sich über 35 Mitarbeiter. "Selbst Konzerne hatten nicht so viele Läufer", erzählt Personalerin Bhosale stolz.

Das auf CRM-Software spezialisierte Unternehmen Adito aus der Nähe von Landshut hat erkannt, dass ein moderner Bau dazu beiträgt, dass sich Mitarbeiter wohl fühlen. (Copyright ADITO Software)
Das auf CRM-Software spezialisierte Unternehmen Adito aus der Nähe von Landshut hat erkannt, dass ein moderner Bau dazu beiträgt, dass sich Mitarbeiter wohl fühlen. (Copyright ADITO Software)
Foto: ADITO Software

Ein Spaßministerium sorgt für Abwechslung

Wie in vielen Eingangshallen hängen natürlich auch hier die Firmenwerte an der Wand. Aber erstens ist diese Halle großzügig mit Sitzgelegenheiten eingerichtet - und ein richtiger Baum wächst zur Decke, und zum anderen, was dem aufmerksamen Besucher auffällt, gehört Humor zu den Leitsätzen des Unternehmens. Um zu dokumentieren, dass man es ernst meint - auch mit diesem Satz - wurde ein sogenanntes Spaßministerium ins Leben gerufen, in dem sich eine Gruppe von Mitarbeitern darum kümmert, ihre Kollegen zu verschiedenen Anlässen mit weniger betrieblichem Charakter - wie gerade erst passiert - der Besuch der Landshuter Dult, Bowlen oder Skiwochenende - zusammenzubringen.

Zahlreiche Recruiting-Methoden

Nun aber noch zum "Geschäft" der Personalerin Christine Bhosale. Sie sagt schon gleich zu Beginn des Gesprächs, dass sie sich vom Begriff des Bewerbers verabschiedet hat, sie sucht Kandidaten - das entspräche eher der heutigen Zeit. Denn auf Augenhöhe tausche man sich heute aus, der Arbeitgeber müsse sich mittlerweile genauso beim Bewerber präsentieren wie umgekehrt auch. In diesem umkämpften Markt um IT-Talente arbeite man mit den mehr oder weniger etablierten Instrumenten des Recruitings wie Active Sourcing, Mitarbeiterempfehlungsprogramme, Engagement an der lokalen Hochschule. Als nächsten Schritt plane man sogenannte Tech talks und Meet ups, um die IT-Community rund um Landshut stärker zu vernetzen. "Was in München längst selbstverständlich ist, ist hier noch stark ausbaufähig", beobachtet die Personalerin.

Christine Bhosale, Adito: "Was in München längst selbstverständlich ist, ist hier in Landshut noch stark ausbaufähig." (Copyright ADITO Software)
Christine Bhosale, Adito: "Was in München längst selbstverständlich ist, ist hier in Landshut noch stark ausbaufähig." (Copyright ADITO Software)
Foto: ADITO Software

Einarbeitung mit dem Adito-Cookbook

Wichtig sei ihr, und als kleines Unternehmen muss sie das tun, weil sie nicht waschkorbweise Jobunterlagen bekommt - die Lebensläufe genau anzuschauen und sofort zu reagieren. Wenn dann die Entscheidung für den richtigen Kandidaten gefallen ist, fängt eine intensive Einarbeitungsphase an in der hausinternen Akademie. Das Adito-Cookbook erhält alles Wissenswerte für den Einstieg inklusive vieler Kundenbeispiele, um genau zu verstehen, wie das Geschäft bei Adito getätigt wird. Zusätzlich haben die Niederbayern ein "Buddy Program" entwickelt, heißt, dass ein erfahrener Kollege, der nicht mit dem Neuling zusammenarbeitet, diesen in allen nichtfachlichen Fragen unterstützt, damit dieser "kulturell ankommt", wie es Bhosale formuliert.