Strategien für Enterprise Mobility

Wie Mittelständler den optimalen mobilen Arbeitsplatz schaffen

Seit Oktober 2012 ist Jochen Wießler Leiter Geschäftsbereich Mittelstand und Partner bei der SAP Deutschland SE & Co. KG. Er verfügt über langjährige Management-Erfahrung im direkten und indirekten Vertrieb von Softwarelösungen sowie im Bereich Technologie- und Produkt-Marketing. Seine Stationen vor SAP umfassen unter anderem Oracle Deutschland und Microsoft Deutschland, wo er den Geschäftsbereich Microsoft Business Solutions verantwortete.

Bei dem Ausbau der eigenen Enterprise-Mobility-Strategie gibt es für kleine und mittelständische Unternehmen einige Faktoren zu beachten, wenn diese den Arbeitsalltag für Mitarbeiter unkomplizierter und sicherer machen soll.

Mobility ist bei den Unternehmen bereits angekommen. Das zeigt eine aktuelle Studie der Spring Messe Management gemeinsam mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin und der Deutschen Gesellschaft für Personalführung und dem Büro für Arbeits- und Organisationspsychologie.

Bereits 54 Prozent der Beschäftigten in deutschen Unternehmen sind vorwiegend oder sogar ausschließlich mobil an wechselnden Arbeitsplätzen tätig. Dabei nutzen sie vorzugweise Notebooks (97 Prozent), Smartphones (93 Prozent) und Tablet-Rechner (62 Prozent). „Arbeitnehmer sind dort tätig, wo sie gerade aufgrund von Terminen, aktuellen Teamzusammensetzungen oder ihrer Work-Life-Balance sein müssen", so die Verfasser der Studie.

Ein Großteil der Mitarbeiter in Deutschland ist "mobil", sprich arbeitet nicht mehr ausschliesslich von einem stationären Arbeitsplatz.
Ein Großteil der Mitarbeiter in Deutschland ist "mobil", sprich arbeitet nicht mehr ausschliesslich von einem stationären Arbeitsplatz.
Foto: Chinnapong - shutterstock.com

Für Unternehmen, die Enterprise-Mobility-Lösungen implementieren, zahlt sich das aus. 67 Prozent der Befragten gaben an, dass sich die Zufriedenheit der Beschäftigten erhöht hat. Und 55 Prozent sehen eine positive Entwicklung der Arbeitsleistung der Beschäftigten. Bei den befragten deutschen Unternehmen handelte es sich zu etwa 60 Prozent um kleine und mittelständische Unternehmen.

Probleme bei der Umsetzung

Allerdings setzen viele Unternehmen ihre Mobilitätsstrategie noch nicht ausreichend um. Häufig erschöpft sich ihr Ansatz in BYOD-Modellen, so eine Studie, die das Beratungshaus 451 Research im Auftrag von SAP erstellt hat. Viele Unternehmen stellen weder mobile Apps für zentrale Anwendungen noch Support für die Endgeräte oder ausreichende Sicherheitslösungen bereit. Dies ist jedoch notwendig, um den Nutzern von mobilen Endgeräten den Zugang so einfach wie möglich zu machen und gleichzeitig Geschäftsdaten auch hier zu schützen. Was können Unternehmen also besser machen?

  1. Die Gruppen der mobilen Nutzer identifizieren

In jedem Unternehmen gibt es mehrere Typen von mobilen Nutzern. Für eine umfassende Enterprise-Mobility-Strategie müssen diese identifiziert und bei den später eingesetzten Lösungen berücksichtigt werden. Solche Gruppen sind beispielsweise:

  • Mitarbeiter, die nur gelegentlich einen mobilen Zugang zu Daten und Anwendungen im Unternehmensnetz benötigen: Sie brauchen keine speziellen mobilen Apps auf ihrem Gerät. In der Regel reicht ein Zugriff über einen Browser.

  • Führungskräfte: Sie müssen jederzeit auf aktuelle Unternehmensinformationen zugreifen können. Besonders wichtig sind in diesem Fall umfassende Sicherheitsmaßnahmen.

  • Mitarbeiter, die überwiegend im Außendienst aktiv sind: Für sie ist ein mobiler Zugang zum Unternehmensnetz von elementarer Bedeutung. Dementsprechend sollten Anwendungen und Geschäftsprozesse an ihre Anforderungen angepasst werden.

Der Zugriff auf Geschäftsdokumente über Smartphones und anderen mobilen Systemen lässt sich mithilfe von EMM-Lösungen steuern. Dadurch entfallen Sicherheits - und Compliance-Risiken.
Der Zugriff auf Geschäftsdokumente über Smartphones und anderen mobilen Systemen lässt sich mithilfe von EMM-Lösungen steuern. Dadurch entfallen Sicherheits - und Compliance-Risiken.
Foto: SAP
  1. Browser-basierte Anwendungen, native mobile Apps oder Hybride?

Je nach Nutzergruppe gilt es, die passende Mobile-Access-Technik bereitzustellen. Wer gelegentlich von Mobilsystemen aus auf Cloud-Applikationen oder On-Premise-Anwendungen des Unternehmens zugreifen will, kann Web Apps verwenden, da sie als serverbasierte Apps von jedem Standard-Browser aus zugänglich sind.

Die zweite Variante sind native mobile Apps, die direkt auf dem Gerät installiert sind. Sie zu erstellen erfordert höheren Aufwand, weil sie auf das jeweilige Mobilbetriebssystem ausgerichtet sind. Der Vorteil dabei ist, dass diese Apps alle Eigenschaften des Mobilbetriebssystems nutzen können, etwa die Kamera und standortbezogene Funktionen. Außerdem können sie in separaten Containern auf dem Mobilgerät implementiert werden. Das erhöht die Sicherheit und ermöglicht es, auch private mobile Systeme wie Smartphones geschäftlich zu nutzen.

Eine dritte Variante sind hybride Apps. Ebenso wie native Applikationen laufen sie auf dem Endgerät, nutzen aber plattformunabhängige Web-Technologie wie CSS und HTML. Hybride Apps verwenden Web-Container und haben Zugriff auf die APIs des Betriebssystems eines Smartphones oder Tablets.

Oftmals eignen sich native Apps am besten, wenn ein Mittelständler nur eine mobile Plattform einsetzt, etwa Android- oder iOS-Systeme. Für eine heterogene Endgeräte-Landschaft sind Web-Apps oder hybride Applikationen die bessere Wahl.

  1. Einsatz einer eigenen mobilen Entwicklungsplattform

Speziell für mittelständische Unternehmen stellt sich die Frage, ob sie den Aufwand in Kauf nehmen wollen, der mit der Entwicklung und Anpassung von Apps verbunden ist. Wem dieser zu hoch ist, wendet sich am besten an die Anbieter von Geschäftsanwendungen, die immer häufiger Entwicklungsplattformen bereitstellen. Diese sind zunehmend auch als kostengünstiger Cloud-Services erhältlich.

Mobile Plattformen ermöglichen einen zentralen Rollout für Apps und fungieren als Hub für Backups, Updates und die weitere Verwaltung. Wird dabei eine Cloud-Plattform genutzt, profitiert der Nutzer zudem noch von einer großen Skalierbarkeit und einem hohen Sicherheitsniveau, das sich über alle Geräte erstreckt.

Die zentralen Elemente einer Enterprise-Mobility-Infrastruktur auf Server-Ebene
Die zentralen Elemente einer Enterprise-Mobility-Infrastruktur auf Server-Ebene
Foto: SAP
  1. Vorgefertigte Lösungen aus dem Enterprise App Store

Für kleinere Unternehmen bietet es sich an, vorgefertigte Mobile-App-Pakete aus Enterprise App Stores zu verwenden. Die meisten Anbieter haben für die CRM-, Business-Intelligence- oder ERP-Software entsprechende Lösungen parat. Ein weiterer Vorteil ist der geringe Aufwand bei der Implementation und Adaption der App auf die speziellen Unternehmensanforderungen. Der Einsatz vorgefertigter Apps ist dabei nicht auf bestimme Branchen beschränkt. Je nach Anforderungen lassen sich branchenspezifische Funktionen hinzubuchen.

  1. Gerätesicherheit durch Mobile Device Management

Eine zentrale Rolle bei Enterprise-Mobility-Projekten spielt die Sicherheit der mobilen Endgeräte. Sie müssen vor dem ungewollten Zugriff Dritter geschützt werden. Außerdem muss es Protokolle dafür geben, wie gestohlene oder verlorene Geräte gesichert werden können.

Ebenso, wie sich für die Apps eine zentrale Verwaltung über eine Plattform empfiehlt, muss dies auch für die Geräte gewährleistet sein. Daher geht mit einer umfangreichen Enterprise-Mobility-Strategie auch ein entsprechendes Mobile Device Management einher. Ohne ein solches System sind einheitlichen Sicherheitsregeln für den Zugriff von mobilen Geräten auf das Unternehmensnetzwerk schwer umsetzbar. Es bietet jederzeit Überblick über den Status der Geräte und erledigt bei Bedarf die Fernlöschung wichtiger Unternehmensdaten. Auch hierbei bietet es sich für Mittelständler an, die Vorteile von Lösungen aus der Cloud bei Installation und Wartung sowie den gesamten Systemkosten zu nutzen.

  1. Datensicherheit durch Mobile Information Management

Nicht nur der Geräteverlust stellt ein Risiko dar. Oftmals laden Mitarbeiter ohne Wissen der IT-Abteilung Daten auf Plattformen Dritter, etwa private Mail-Server oder Online-Speicherdienste, und verstoßen damit möglicherweise gegen Sicherheits- und Compliance-Richtlinien. Auch die zunehmende Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern erhöht das Risiko, dass Daten außerhalb der Unternehmensgrenze in die falschen Hände geraten.

Abhilfe schafft ein Mobile Information Management (MIM). Damit lässt sich der Zugriff auf Dokumente und andere Dateien kontrollieren. So kann etwa gesteuert werden, wer Dokumente auf seinem mobilen Gerät lesen, weiterleiten und bearbeiten darf. Weiterhin kann der Speicherort von Daten auf Geräten verwaltet werden und die notwendige Verschlüsselung eingebaut werden.

Fazit: Mobiles Arbeiten braucht eine passgenaue Strategie

Eine umfassende Enterprise-Mobility-Strategie erfordert Aufmerksamkeit an mehreren Fronten. Für mittelständische Unternehmen lohnt sich der Einsatz allerdings, denn der Trend zum mobilen Arbeiten hat einen positiven Einfluss auf Produktivität und Mitarbeiterzufriedenheit. Wenn die Mitarbeiter nicht an ihren Büro-Arbeitsplatz gebunden sind, haben Unternehmen beispielsweise die Möglichkeit, auf einfache Weise externe Mitarbeiter einzubinden und mit Partnern zusammenzuarbeiten.

Die Mittel, um eine solche Enterprise-Mobility-Strategie umzusetzen, stehen bereit, etwa mobile Plattformen, Apps und Software für den Schutz von mobilen Endgeräten und Dokumenten. Eine zentrale Rolle spielt in diesem Kontext künftig die Cloud als Plattform für Mobility-Lösungen. Auch dies kommt mittelständischen Unternehmen zugute. Denn sie haben dadurch die Möglichkeit, auf dieselben Tools zurückzugreifen wie Großunternehmen. (mb)