Servant Leadership

Wie Konfliktlösung künftig geht

Kommentar  07.09.2020
Von   IDG ExpertenNetzwerk
Stefanie Krauss ist IT-Mediatorin, Scrum Master in der Softwareentwicklung und Inhaberin von Tech Mediation Krauss. Sie studierte Wirtschaftspsychologie & Change Management und begleitet IT-Projekte sowie Entwicklerteams in Veränderungsprozessen.
Konzepte wie Servant Leadership sind in der Ära der digitalen Transformation gefragt, wenn es darum geht Konflikte zu lösen. Das müssen Sie zum Thema wissen.
Servant Leadership stellt das bisherige Führungsverständnis auf den Kopf. Transformative Mediation hilft bei der Lösung von Konflikten.
Servant Leadership stellt das bisherige Führungsverständnis auf den Kopf. Transformative Mediation hilft bei der Lösung von Konflikten.
Foto: sirtravelalot - shutterstock.com

Niemand steckt gerne in Konflikten fest oder stellt sich ihnen bereitwillig. Doch als Projektmanager hat man zum Beispiel nicht nur die Aufgabe, ein Projekt erfolgreich ohne Wenn und Aber abzuschließen, sondern im Projektverlauf aufkommende Konflikte auch zu lösen - egal ob auf Kunden- oder Unternehmensseite. Seit den 80er-Jahren wenden Projektmanager für sachbezogenes Verhandeln dazu meist das sogenannte Harvard-Konzept an. Mit dem sich auf die Interessen fokussierenden Verfahren sollen Verhandlungsergebnisse erzielt werden, die für beide Seiten eine Win-Win-Situation darstellen. Der Nachteil ist, dass lediglich die Interessen der Beteiligten in den Blick genommen werden, deren Beziehung zueinander bleibt jedoch unberücksichtigt. Indem Sache und Person getrennt werden, werden in Konflikte verflochtene Beziehungsthemen ausgeklammert und dadurch nicht gelöst. Das kann für die weitere Zusammenarbeit zum Risiko werden.

Projektmanager sollten sich dessen bewusst sein und entsprechende Strategien oder Mediationsverfahren wählen, weil man oft unbewusst in die Rolle eines Mediators schlüpft. Aufgrund der Anwendung des Harvard-Konzepts und der damit verbundenen Lösung der reinen Sache leidet oft die Geschäfts- oder Kundenbeziehung. Mit anderen Worten: Nicht alle Wege führen nach Rom beziehungsweise ans Ziel, denn Methode und Zielsetzung müssen zueinander passen. Vor allem in Zeiten ständiger Veränderung sollte eine nachhaltige Lösung gefunden werden, die alle Konfliktebenen einbezieht. Das beste Hilfsmittel ist hier die transformative Mediation.

Konfliktlösung in der VUCA-Welt

Wir leben in einer "VUKA-Umwelt", die geprägt ist von Veränderung, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität (ursprünglich aus dem Englischen: VUCA - Volatility, Uncertainty, Complexity and Ambiguity). Ein transformativer Ansatz, der viele Parallelen zu modernen Führungsmodellen und agilen Arbeitsmethoden hat, ergibt also in jeder Hinsicht Sinn.

Zusammen mit einem transformativen Mediator wird jeder Konflikt dadurch leichter lösbar. Das Wichtigste ist, dass stets der Mensch im Mittelpunkt steht und nicht nur die Sache. Konflikte werden damit nicht nur tiefgreifender gelöst, sondern auch das Konfliktverhalten gewandelt. Wie? Ganz einfach: durch Empowerment und Recognition. Simon Sinek, ein erfolgreicher Visionär und Unternehmensberater, beschreibt Empowerment wie folgt: "Leadership is about empowering others to achieve things they didn't think possible." Und das trifft es auf den Punkt.

Als Führungskraft ist man dann am erfolgreichsten, wenn die Mitarbeiter ebenfalls erfolgreich sind. Empowerment bringt die Konfliktparteien zu innerer Klarheit, Entschlossenheit und Fokussierung. Recognition hilft vor allem, ein eskalierendes Kommunikationsverhalten in ein kooperatives Miteinander zu verwandeln. Doch um ein solches Umfeld zu schaffen, muss der Projektmanager bestimmte Fähigkeiten mitbringen.

Servant Leadership - Definition

Ein Servant Leader dient seinen Mitarbeitern, dem Kunden und dem Unternehmen. Mit seiner Dienstleistungsorientierung stellt er das bisherige Führungsverständnis auf den Kopf. Die werteorientierte Führungshaltung wird auch hierzulande in Unternehmen immer populärer. Die wichtigsten fünf Charakteristiken der Servant Leadership sind:

  • Empathie und aktives Zuhören

  • Bewusstsein schaffen

  • Voraussicht haben

  • Wachstum ermöglichen

  • Gemeinschaft erzeugen

Diese Eigenschaften helfen bei dem Auftreten und der Lösung von Konflikten, vor allem, wenn man eine neutrale Position behält. Und sollte der Servant Leader doch vor einer scheinbar undurchdringlichen Wand stehen, hilft die transformative Mediation.

Servant Leadership - Best Practices

Die transformative Mediation hat das Ziel, Konflikte systematisch zu lösen und Beziehungen zu stärken. Im Konflikt führen folgende fünf Praktiken am besten zu nachhaltigem Erfolg:

  1. Eigenverantwortung stärken: Sehen Sie die Konfliktbeteiligten als Experten in eigener Sache. Es ist nicht die Aufgabe des Projektleiters, die Verantwortung für die Konfliktlösung zu übernehmen. Im Gegenteil: Befähigen Sie andere, Konflikte selbst zu lösen. Geben Sie den Konfliktparteien die Zügel für das Ergebnis selbst in die Hand.

  2. Ressourcenorientierte Haltung: Denken Sie ressourcenorientiert. Alle Beteiligten sind selbst in der Lage, sich aus einer Situation zu befreien, die sie sich selbst eingebrockt haben. Doch um sich selbst aus der Situation herauszumanövrieren, brauchen sie neue Denkmuster und Perspektiven. In diesem Fall agiert ein Mediator oft als Wegbereiter, um Stärken zu aktivieren.

  3. Allparteilichkeit: Seien Sie nicht nur neutral, sondern versuchen Sie, die Perspektiven der verschiedenen Interessengruppen tiefgreifend zu verstehen. Erkennen Sie die jeweiligen Probleme, Wünsche und Bedürfnisse. Allparteilichkeit haben Sie erreicht, wenn sie erkennen, dass jeder aus seiner Perspektive heraus Recht hat.

  4. Kooperation fördern: Schaffen Sie ein Umfeld, das lösungsorientierte Diskussionen und kooperatives Verhalten ermöglicht. Das gelingt Ihnen, indem Sie die Parteien dabei unterstützen, die Situation des Gegenübers nachvollziehbar zu machen. Verstehen schafft Verständnis. Verständnis schafft Vertrauen. Vertrauen ist die Grundlage für Kooperation.

  5. Das große Ganze verstehen: Anstatt vorschnell der Meinung zu sein, die Ursache eines Konfliktes vermeintlich zu kennen, nehmen Sie das gesamte System unter die Lupe. Wie und weshalb ist der Konflikt entstanden? Welche Verhaltensmuster haben zu dem Problem in welchem Zusammenhang geführt? Seien Sie in der Lage, Wechselwirkungen zu erkennen und zu berücksichtigen. Vor allem in unserer komplexen Welt ist es wichtig, sich ein ganzheitliches Bild einer Situation zu verschaffen, um vorausschauend handeln zu können.

Spannt man nun den Bogen zurück zum Anfang, wird offensichtlich, warum ein transformativer Ansatz für eine effektive Konfliktlösung in der VUCA-Welt unerlässlich ist. Erst wenn wir den Konflikt mit dem passenden Werkzeug bearbeiten, sind wir in der Lage, die beste Lösung zu finden. (pg/fm)