Kompetenzassistenzsysteme

Wie KI Mitarbeiter befähigt

01.09.2020
Von 
Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
KI-basierte Kompetenzassistenz-Systeme (KAS) passen sehr gut in diese Zeit, denn sie sollen Mitarbeiter dabei unterstützen, qualifiziert in der Nach-Corona-Zeit durchzustarten.
KI-basierte Komptenzassistenzsysteme können dabei helfen, dass Mitarbeiter ihre Kompetenzen kontinuierlich weiterentwickeln.
KI-basierte Komptenzassistenzsysteme können dabei helfen, dass Mitarbeiter ihre Kompetenzen kontinuierlich weiterentwickeln.
Foto: fizkes - shutterstock.com

Alexander Mädche, Professor für Wirtschaftsinformatik am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), forscht schon seit einigen Jahren unter anderem darüber, wie Mitarbeiter softwareunterstützt ihre Kompetenzen besser entwickeln und nutzen können. Er prägte den Begriff der Künstlichen Intelligenz (KI)-basierten Kompetenzassistenz-Systeme und dafür eine verständliche Erklärung: "Das Navigationssystem im Auto ist ein Assistenzsystem, das den Fahrer unterstützt, um von Ort A nach B zu gelangen. Analog dazu helfen Kompetenz-Assistenzsysteme Mitarbeitern ihre Kompetenzen am Arbeitsplatz vom aktuellen Stand in einen gewünschten Zielzustand kontinuierlich zu entwickeln." Es sei nicht mehr zeitgemäß, dass Mitarbeiter einmal oder zweimal im Jahr ein Zielgespräch mit dem Vorgesetzen führten, um den Beschäftigten danach im Laufe des Jahres zu dem einen oder anderen Weiterbildungskurs zu schicken.

Es gehe vielmehr darum, basierend auf Daten, situationsbedingt, festzustellen, was der Mitarbeiter benötigt, um dann zielgerichtete Maßnahmen anzubieten, also, "den Mitarbeiter dort abzuholen, wo er steht", wie es der Wissenschaftler formuliert. Die Kompetenzerweiterung soll "ganzheitlich" stattfinden, also auf fachlicher, methodischer, sozialer und personaler Ebene.

Flow-Förderung

Dabei komme es auf die Verfügbarkeit der Daten an, um zu erkennen, ob und wann der Mitarbeiter zum Beispiel im Flow ist, also in einem Zustand höchster Konzentration und Produktivität, um daraus abzuleiten, wie eine individualisierte Kompetenzentwicklung aussehen könnte. Auch hier hat Mädche ein Beispiel parat, um zu erläutern, warum etwa personale Kompetenzen in der digitalen Arbeitswelt immer wichtiger werden. Fakt sei, und dass würden viele Studien belegen, dass die Aufmerksamkeitsspanne kontinuierlich zurückgehe, und Mitarbeiter müssten lernen, sich zu konzentrieren und zu fokussieren, so die Beobachtung des Karlsruher Professors. So müssen Mitarbeiter beispielsweise lernen, mit Unterbrechungen am Arbeitsplatz umzugehen - wenn sie also im Flow sind, zum Beispiel alle elektronischen Kommunikationssysteme wie das mobile Telefon, die Mail- oder Social-Media-Systeme abzustellen.

Alexander Mädche, Professor für Wirtschaftsinformatik am KIT, erklärt die jährlichen Zielgespräche mit dem Vorgesetzten für nicht mehr zeitgemäß.
Alexander Mädche, Professor für Wirtschaftsinformatik am KIT, erklärt die jährlichen Zielgespräche mit dem Vorgesetzten für nicht mehr zeitgemäß.
Foto: KIT/Professor Alexander Mädche

Besonders deshalb ist es wichtig, herauszubekommen, wann sich ein Mitarbeiter in diesem Flow-Zustand befindet. Um das festzustellen, hat Mädche das Forschungsprojekt mit der Bezeichnung "Kern" (Kompetenzen entwickeln und richtig nutzen) initiiert, das das Bundesarbeitsministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) im Rahmen seiner Initiative "Neue Qualität der Arbeit" mit 1,36 Millionen Euro unterstützt. Ziel sei es, so Mädche, die "unterschiedlichsten Interessengruppen wie Mitarbeiter, Arbeitgeber und Betriebsrat zusammenzubringen", um einen Konsens darüber zu finden, wie künftig situationsabhängig Kompetenzen unter Verwendung KI-basierter Assistenzsysteme entwickelt werden sollen. Die aktuellen Diskussionen rum die Themen Digitalisierung und Homeoffice hätten nochmals deutlich die Bedeutung der kontinuierlichen Weiterbildung vor Augen geführt.

Booster für die Mitarbeiterproduktivität

Im "Kern"-Projekt testete das KIT im Experimentierraum unter anderem an Mitarbeitern des Karlsruher Unternehmens Campusjäger Brustgurte, die den Forschern in Echtzeit physiologischen Daten übermitteln. Diese werden mit Hilfe von KI-Algorithmen analysiert und individuelle Zustände wie Flow, aber auch Überforderung oder Langeweile automatisch erkannt. Auf dieser Basis werden für die Mitarbeiter persönliche Dashboards bereitgestellt, die anzeigen, wann und bei welchen Tätigkeiten Mitarbeiter im Flow sind.

"Existierende Studien haben bereits gezeigt, dass Mitarbeiter, die häufig den Flow erleben, sich nicht nur zufriedener und wohler fühlen, sondern auch produktiver sind", resümiert Mädche erste Erfahrungen. "Elementare Voraussetzung für das Erleben von Flow ist, dass die Herausforderungen einer Aufgabe den Fähigkeiten des Mitarbeiters entsprechen." Aufbauend auf diesen Informationen werden zusätzlich im Rahmen des Projektes "Kern" natürlich-sprachliche Assistenzsystemen bereitgestellt, welche, im Dialog mit dem Mitarbeiter, eine individuell zugeschnittene Kompetenzentwicklung unterstützen.