IBM MobileFirst for iOS

Wie IBM und Apple mit B-to-E-Apps Mehrwert schaffen wollen

10.02.2015
Von 


Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.

Mehr als 100 Branchenanwendungen geplant

Passenger+ und Expert Tech gehören zur ersten Tranche von Mobile-Enterprise-Apps, die IBM gemeinsam mit Apple für bestimmte Branchen entwickelt und im Dezember 2014 vorgestellt hat. Insgesamt sind über hundert Apps für bestimmte Branchen geplant, die nächste Charge, mit der sechs weitere Industrien bedient werden sollen, wird - bei Freigabe durch Apple -eventuell noch im Februar vorgestellt.

Schutz vor Friendly Fire & Co.: Mit der iPhone-App Incident Aware wissen Polizisten u.a., wenn sich andere Kollegen in Nähe eines Tatorts befinden.
Schutz vor Friendly Fire & Co.: Mit der iPhone-App Incident Aware wissen Polizisten u.a., wenn sich andere Kollegen in Nähe eines Tatorts befinden.
Foto: IBM/Apple

Die Gemeinsamkeit dieser MobileFirst-Apps: Es handelt sich um Business-to-Employee-Anwendungen, die in der neuen Apple-Programmiersprache Swift geschrieben wurden und ausschließlich für iOS zur Verfügung stehen. Die Apps sind nicht öffentlich über den iTunes App Store aufrufbar, sondern werden den Mitarbeitern direkt von den Unternehmen zur Verfügung gestellt. Dies ist auch unumgänglich: Da die Apps IBMs Big-Data- und Analytics-Fähigkeiten mit der von Apples iPhone- und iPad-Welt gewohnten Usability verbinden sollen, sind sie als wichtige Komponente der Gesamtlösung an IBMs MobileFirst-Plattform (ehemals IBM Worklight) angewiesen, die - in der Cloud oder on premise - via Open Platform an die verschiedene Backendsysteme andockt.

Exklusive Partnerschaft im B-to-E-Bereich

Auch bei den Anwendungen selbst ist nicht alles in Stein gemeißelt - laut IBM-Mann Schollenberger werden die Apps zu 70 Prozent komplett übernommen, zu 30 Prozent noch individualisiert. Eine Portierung auf Android oder ein anderes mobiles Betriebssystem sei dem Mobility-Experten zufolge allerdings nicht möglich, da IBM für Lösungen im B-to-E-Bereich eine exklusive Partnerschaft mit Apple und iOS habe.

Als Konsequenz müssen Unternehmen in bestimmten Szenarien ihr iPad oder iPhone mit einer Schutzhülle gegen Sturz, Staub, Kratzer, Wasser oder Vibrationen schützen und können nicht auf ein robusteres Ruggedized-Device ausweichen. Das Hauptproblem dürfte in diesem Zusammenhang vermutlich die Temperaturempfindlichkeit der iOS-Geräte sein - Apple sieht für iPhone, iPad und iPhone Touch nur die Nutzung in einem Temperaturbereich zwischen 0 und 35 Grad vor. Auch die zulässigen Werte für die Aufbewahrung (-20 bis 45 Grad Celsius) können schnell überschritten werden, etwa wenn man das Device an einem heißen Tag im Auto vergisst. Zum Vergleich: Spezielle Industriegeräte, wie es sie für Android und Windows gibt, können in der Regel bei Temperaturen zwischen -20 und +60 Grad bedient werden.

Die exklusive Bindung an iOS gilt allerdings nur für B-to-E-Apps, wie Schollenberger hinweist: B-to-C-Anwendungen laufen auch auf der MobileFirst-Plattform und können im Kundenauftrag für verschiedene Plattformen bereitgestellt werden. Grundsätzlich sind die MobileFirst-Apps nur Teil eines möglichen Gesamtpakets aus Technologie, Services und Beratung, das Big Blue über seine Dienstleistungstochter IBM Global Business Services bereitstellt. Zu dem Portfolio zählt eine generelle Beratung zur Mobilisierung von Geschäftsprozessen, App-Entwicklung und Nutzungsanalyse, aber auch so grundlegende Dinge wie Beschaffung und Lifecyle-Management sowie AppleCare für Unternehmen.