iOS 15 Videotelefonie

Wie FaceTime mit Zoom & Co. konkurrieren soll

22.06.2021
Von   
Mark Zimmermann weist mehrere Jahre Erfahrung in den Bereichen Mobile Sicherheit, Mobile Lösungserstellung, Digitalisierung und Wearables auf. Er versteht es seine Themen aus unterschiedlichsten Blickwinkeln für unternehmensspezifische Herausforderungen darzustellen. Hierzu ist er (nebenberuflich) auf nationalen Vorträgen und als freier Autor für Fachpublikationen rund um das iOS-Ökosystem tätig.
Der Corona-bedingte Druck zu Social Distancing und Arbeit im Home-Office hat auch in iOS/iPadOS 15 seine Spuren hinterlassen. So bietet Apple rund um FaceTime diverse neue Funktionen.
Im Zuge der Corona-Krise beschert Apple seinem Videokonferenz-Tool FaceTime ein umfangreiches Update.
Im Zuge der Corona-Krise beschert Apple seinem Videokonferenz-Tool FaceTime ein umfangreiches Update.
Foto: TomyPhotos - shutterstock.com

Der Audio- und Video-Chat-Dienst FaceTime wurde erstmalig im Rahmen der Vorstellung des iPhone 4 am 7. Juni 2010 vom damaligen Apple-CEO Steve Jobs angekündigt. Seitdem wurde zwar das ein oder andere Mal eine Funktion nachgerüstet, so richtig weite Sprünge hat Apple damit jedoch nicht erreicht.

iOS 15: Videoconferencing per FaceTime

Bislang. Im Zeitalter der Corona-Pandemie haben sich die Schwerpunkte aber wohl verlagert, wie der Boom von Videokonferenzsystemen wie Zoom, WebEx und nicht zuletzt Microsoft Teams zeigen. Trotz der teilweise schlechten Bedienbarkeit der Lösungen konnte ihnen Apple mit dem eigenen FaceTime-Produkt nur bedingt das Wasser reichen. Dies ändert sich nun. Das neue FaceTime in iOS/iPadOS 15 wirkt, gerade bei Telefonaten mit mehreren Teilnehmern, viel aufgeräumter. So gibt es jetzt eine neue Rasteransicht für Gruppen-FaceTime-Anrufe, mit der die Teilnehmer mehr Gesprächspartner gleichzeitig sehen können.

Die Konversationen in FaceTime werden zusätzlich auch "natürlicher". Dank 3D Audio erlebt der Anwender einen räumlicheren Klang, das heißt, die Stimmen werden von ihm wahrgenommen, als ob sie aus den verschiedenen Richtungen der sprechenden Person am Bildschirm kommen. Leider ist diese Funktion nur auf iPhones mit dem A12 Bionic Chipsatz oder höher verfügbar, also ab dem iPhone XR/XS.

Facetime bekommt mit der nächsten Version eine Fülle neuer Funktionen.
Facetime bekommt mit der nächsten Version eine Fülle neuer Funktionen.

Geräuschunterdrückung für denjenigen, der an einer Videokonferenz teilnimmt, kennt so gut wie jeder mit einigermaßen anständigen Kopfhörern. Diese filtern die eigenen Hintergrundgeräusche heraus, so dass man sich von Geräuschen aus der eigenen Umgebung nicht ablenken lassen muss. Störend sind jedoch Geräusche bei den Konferenzpartnern. Toben hier die Kinder im Hintergrund, läuft die Waschmaschine oder wird gerade das Essen gekocht und der Arbeitsplatz ist am Esstisch, fallen diese Geräusche sehr stark auf. Mit iOS/iPadOS 15 gibt es hierfür neue Mikrofonmodi, um die Stimme eines Anwenders von Hintergrundgeräuschen zu trennen oder Hintergrundgeräusche im breiteren Klangspektrum einzuführen, falls gewünscht. Apple verspricht damit Noise Canceling auf Seite des Mikrofons … und nicht nur im Lautsprecher des Kopfhörers.

FaceTime Teilnehmer können per Browser (Windows, Android auch auf alten iOS/macOS Versionen) an einem (Gruppen-)Anruf teilnehmen.
FaceTime Teilnehmer können per Browser (Windows, Android auch auf alten iOS/macOS Versionen) an einem (Gruppen-)Anruf teilnehmen.

FaceTime-Videotelefonie: Features und Datenschutz

Auch mit iOS/iPadOS 15 verfügt FaceTime nicht über die Möglichkeit, das Hintergrundbild auszutauschen. Dafür wurde die Portraits-Funktion der Kamera angebunden, sodass Anwender ihren Hintergrund verwischen und sich selbst in den Fokus stellen können, also eine Art Blur-Effekt.

Das Feature SharePlay erlaubt es dem Anwender, seine Multimedia-Inhalte (Ton/Video) synchron mit anderen Teilnehmern zu konsumieren. Multimedia-Inhalte werden dabei für alle Teilnehmer synchron wiedergegeben. Dabei steht allen Teilnehmern auch eine einheitliche Steuerung der Wiedergabe zur Verfügung, sodass jeder in einer SharePlay-Sitzung Inhalte abspielen, anhalten oder überspringen sowie zu einer freigegebenen Warteschlange von Medien-Inhalten hinzufügen kann.

Dieser Inhalt kann auch auf einem Apple TV wiedergegeben werden, bei gleichzeitige Aufrechterhaltung der (Video-)Konferenz. Mithilfe einer neuen Lautstärkeregelung passt das System die Audiowiedergabe dynamisch an. So können Sie die anderen Teilnehmer auch dann noch hören, wenn die freigegebenen Inhalte ziemlich laut wiedergegeben werden. Apps von Drittanbietern wie Disney+, HBO Max, Hulu, ESPN+, MasterClass, Paramount+ TikTok und andere haben die Integration von SharePlay schon bekannt gegeben. Aber auch für Apps im Bildungssektor oder in Apps mit einem Anteil an Nutzerführung kann dies von Interesse sein. Auch das Teilen des eigenen Bildschirms mit Gesprächspartnern ist nun möglich. Das erleichtert den "Familien-" respektive den dienstlichen Field-Support maßgeblich.

Anwender können FaceTime-Anrufe aber nicht nur Just-in-Time durchführen. Diese lassen sich nun auch planen und per Link über Nachrichten, Kalender, Mail oder Apps übermittelt werden. Diese FaceTime-Links können dabei auch von Systemen geöffnet werden, die nicht aus dem Konzern in Cupertino stammen. Hierzu steht eine Webbrowser-Lösung zur Verfügung. Damit können Windows- und Android-Anwender dieses System ebenfalls nutzen. Sowohl FaceTime-Anrufe innerhalb des Apple-Ökosystems als auch mit einem Webbrowser bleiben Ende-zu-Ende verschlüsselt, um die Privatsphäre der Anwender zu gewährleisten. (mb)