Schwieriger Jobwechsel

Wie ein CIO einen neuen Job findet

29.06.2009
Von 
Alexandra Mesmer war bis Juli 2021 Redakteurin von Computerwoche und CIO-Magazin.

Eigen-Marketing langfristig planen

Wenn Headhunter nach geeigneten Kandidaten für eine offene Stelle fahnden, setzen sie bei den Unternehmen an. Dazu Kienbaum-Manager Drosten: "Im ersten Schritt identifizieren wir mögliche Kandidaten für die CIO-Position in anderen Unternehmen, die in der gleichen oder einer ähnlichen Branche angesiedelt sind, einen vergleichbaren Umsatz beziehungsweise einen ähnlich großen IT-Bereich haben." IT-Manager können sich aber auch selbst bei Personalberatern melden und sagen, dass sie offen für einen Jobwechsel sind. Eleganter ist es freilich, wenn sie Marketing in eigener Sache betreiben und so auf sich aufmerksam machen. Diese Strategie führt allerdings kaum zum Erfolg, wenn man binnen der nächsten Monate eine neue Stelle braucht. Selbst-Marketing ist wie Networking: Man sollte es betreiben, lange bevor man es benötigt.

"Man muss als CIO versuchen, erfolgreich neue Wege zu gehen und sich damit einen guten Namen auf dem Markt machen", ist auch Beyler überzeugt. Ihm ist es gelungen, sich durch zahlreiche Vorträge über SOA als Experte zu positionieren. Das habe ihm bei der Jobsuche sehr geholfen. Auch Kienbaum-Mann Drosten sagt: "CIOs fallen unseren Beratern zum Beispiel auf, wenn sie Vorträge auf Veranstaltungen halten oder Artikel in der Fachpresse schreiben. Viele lernen wir in Gesprächen im Rahmen der zahlreichen Besetzungen kennen, die wir über das Jahr führen."

Henning Stams ist die Anlaufstelle für wechselwillige Mitglieder im CIO-Circle
Henning Stams ist die Anlaufstelle für wechselwillige Mitglieder im CIO-Circle

Mitglieder des Netzwerks CIO-Circle haben sich eine weitere Möglichkeit geschaffen, ihre Wechselbereitschaft diskret kundzutun. Henning Stams ist CIO beim Spezialwerkstoff-Hersteller Almatis und betreut in der Organisation einen speziellen Service: Wechselwillige Netzwerkmitglieder können sich bei ihm melden, da Stams Kontakt zu ausgewählten Personalberatungen hält. Passt ein CIO auf eine angebotene Stelle, bekommt er von Stams per Mail eine Anfrage. Bei Interesse kann dann der CIO bei der Personalberatung anrufen.

CIOs wollen beraten werden

Selbstverständlich läuft auch hier alles diskret ab. Nur Stams kennt die Namen der wechselwilligen CIOs auf seiner Liste, auf der etwa fünf Prozent der rund 850 Mitglieder des CIO-Circle stehen. Wie der Vermittler versichert, bringt der Service für beide Seiten Vorteile: Der CIO-Circle werde attraktiver für Mitglieder, und neue Interessenten und die Personalberater bekämen immer wieder neue qualifizierte Kandidaten. Allerdings ist die Resonanz der Headhunter bislang geringer als erwartet. Das liegt zum einen daran, dass die offenen CIO-Positionen überschaubar sind. "SAP-Spezialisten werden immer noch mehr angebaggert als CIOs", so die Erfahrung vieler IT-Manager. Zum anderen arbeitet der CIO-Circle nur mit Headhuntern zusammen, die bestimmte Kriterien erfüllen: Sie müssen CIO-Suchaufträge haben und die Kandidaten nicht nur vermitteln, sondern auch beraten. Dazu gehöre eine ausführliche Information über die Stelle sowie ein vernünftiges Feedback, falls es mit dem Job nicht geklappt hat. Gute Personalberater erkenne man laut Stams auch daran, dass sie den Kontakt mit den Kandidaten pflegen, über das konkrete Mandat hinaus. Eine Idealvorstellung, die jedoch in der Praxis nicht so häufig vorkommt.