Ausblick 2009

Wie die wichtigsten Industriesektoren durch die Krise kommen

22.12.2008
Die deutsche Wirtschaft wird 2009 auf breiter Front von der Konjunkturkrise erfasst. Eine Prognose über die zwölf wichtigsten Branchen im Überblick.

Die Krise in der deutschen Autoindustrie wird im nächsten Jahr historische Dimensionen annehmen. Wegen der Finanzkrise, der schwachen Nachfrage und hausgemachten Problemen erwartet die Branche ein rabenschwarzes Jahr 2009. Im In- und Ausland läuft es derzeit schlecht. Der Export bricht weg und in Deutschland werden im nächsten Jahr wohl nur noch 2,9 Millionen Neuwagen verkauft werden - das wäre das schlechteste Ergebnis im wiedervereinigten Deutschland. Schon rechnen Experten mit dem Abbau von tausenden Stellen in der deutschen Schlüsselindustrie, die 761.000 Mitarbeiter zählt. Die Klimaschutz- Auflagen der EU-Kommission verlangen den Firmen millionenschwere Investitionen zur Entwicklung schadstoffarmer Antriebe ab. Manche Firmen rufen bereits nach staatlicher Hilfe. So hat Opel eine staatliche Bürgschaft von mindestens einer Milliarde Euro beantragt.

Die Bankenbranche rechnet nicht mit einem schnellen Ende der Wirtschafts- und Finanzmarktkrise. Die Hoffnung von Anfang dieses Jahres, dass mit Vorlage der Jahresbilanzen für das Krisenjahr 2007 das Vertrauen wieder in die Märkte zurückkehren würde, wurde bitter enttäuscht. Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers Mitte September und der Absturz Deutschlands in die Rezession verschärften die Krise sogar noch. Doch eine Welle von Entlassungen in der Branche befürchtet etwa der scheidende Präsident des Privatbankenverbandes BdB, Klaus-Peter Müller von der Commerzbank, nicht. Bislang ist unter anderem bekannt, dass bei der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank weltweit 9.000 der insgesamt 67.000 Vollzeitstellen gestrichen werden, davon 6.500 in Deutschland. Unter Dach und Fach sein soll die größte Fusion in der deutschen Finanzbranche bereits im März. Auch im Lager der Landesbanken erwarten Experten eine weitere Bereinigung: So hat der Sparkassen-Fondsdienstleister DekaBank Interesse an Teilen der WestLB bekundet.

Nach fünf fetten Wachstumsjahren in Folge ist der deutsche Maschinenbau für den weltweiten Nachfrageeinbruch gut gerüstet. Das Wort Krise will der Branchenverband VDMA nicht in den Mund nehmen, auch wenn die Aufträge aus dem Ausland bereits empfindlich einbrechen. Die Orders reichen wegen der langen Produktionszeiten noch ein halbes Jahr. Laut Prognose des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) soll die Produktion 2009 das Vorjahresniveau erreichen. Um auf die Konjunkturflaute zu reagieren, bauen die Firmen Zeitarbeitsstellen ab. Die Stammbelegschaft mit 968 000 Mitarbeitern wollen sie aber erhalten, jedoch nicht mehr wie in den Vorjahren neue Jobs schaffen. 2009 dürfte sich die Schere zwischen den Verlierern des Maschinenbaus - wie Autozulieferern - und Gewinnern wie Herstellern von Energiemaschinen weiter öffnen.

Die Baubranche blickt mit Skepsis auf 2009, wobei die Industrie optimistischer ist als das mittelständische Baugewerbe. Der Hauptverband der Bauindustrie erwartet zwar "ein schwieriges Jahr", die Unternehmen seien jedoch gut aufgestellt. 69 Prozent der Unternehmen hatten zuletzt noch eine bessere oder gleichbleibende Geschäftsentwicklung in den nächsten zwölf Monaten vorhergesagt. Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes rechnet für 2009 beim Umsatz mit "maximal Stagnation auf dem jetzt erreichten Niveau". Der zuletzt starke Wirtschaftsbau werde seine Investitionen wahrscheinlich zurückfahren, der Wohnungsbau bleibe am Boden. Es sei zu hoffen, dass die öffentlichen Bauträger sich antizyklisch verhielten - ihre Ausgaben also in der Krise erhöhten.

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