Neue Impulse für Zusammenarbeit und Wissens-Management

Wie das Web die Unternehmen verändert

Wolfgang Sommergut ist Betreiber der Online-Publikation WindowsPro.

Wissensmanagement 2.0

Die Übertragung von Tools und Techniken aus dem sozialen Web eröffnet einen neuen Zugang zu Wissens-Management und Teamarbeit. Von den Expertensystemen der 80er Jahre und den Knowledge-Management-Lösungen der 90er Jahre wurde häufig erwartet, dass sie Wissen aus den Köpfen der Mitarbeiter in IT-gestützte Systeme übertragen würden und ihr Know-how daher im Unternehmen bliebe, selbst wenn sie zu einem anderen Arbeitgeber wechselten.

Nach Ansicht von Willms Buhse, Gründer der Netzwerkagentur DoubleYUU, steht im Wissens-Management des Enterprise 2.0 wieder mehr der Mitarbeiter mit seinen Fähigkeiten im Mittelpunkt. Anstatt bei der Lösung von Problemen primär auf Informationen aus Datenbanken zu vertrauen, gehe es bei Social Software vor allem darum, die kompetentesten Ansprechpartner zu finden und deren Wissen sowie Erfahrung zu nutzen.

Maßgeblich für diesen Wandel dürfte die Einsicht sein, dass dokumentiertes Wissen alleine oft nicht weiterhilft, wenn es sich nicht in den Erfahrungshorizont eines kompetenten Mitarbeiters einordnen lässt - gerade so, wie die Lektüre einer Tennisanleitung noch keinen guten Spieler macht.

Hinzu kommt, dass gerade in besonders wissensintensiven und dynamischen Brachen wie IT die Halbwertszeit von Informationen so kurz ist, dass sie in wenigen Jahren veralten. Daher besteht wenig Hoffnung, dass sich über eine IT-gestützte Wissensbasis die Folgen des demografischen Wandels abfedern lassen, wenn die Generation der Baby Boomer ihr Know-how mit in den Ruhestand nimmt.

Moderne IT als Köder für Talente

Im Vergleich zu manch sperriger Enterprise-Software sind mit den einfachen Tools aus dem Web 2.0 nicht nur geringe Einstiegshürden verbunden, ihr Vorteil besteht auch darin, dass gerade jüngere Mitarbeiter damit aus ihrer Freizeit vertraut sind. IT-Hersteller, die Social Software für Unternehmen anbieten, argumentieren teilweise damit, dass die Modernisierung von Collaboration- und Kommunikationswerkzeugen nötig sei, um talentierten Nachwuchs zu gewinnen. Die "Digital Natives" seien nicht bereit, mit aus ihrer Sicht veralteten Mitteln wie Desktop-PCs und E-Mail vorlieb zu nehmen.

Beim Wettbewerb um die klügsten Köpfe und besten Ideen spielen Tools aus dem Web 2.0 indes noch eine andere Rolle, als bloß talentierte Leute als Mitarbeiter zu gewinnen. In seinem viel zitierten Buch "Wikinomics" beschreibt Don Tapscott als ein zentrales Merkmal einer neuen Unternehmenskultur, dass sich Firmen stärker nach außen öffnen müssen. Mit Hilfe der neuen Tools für die Zusammenarbeit kann es gelingen, auch Ideen und Fachkompetenz von außerhalb der Firewall einzubinden.