SOA in der Automobilindustrie

Wie Daimler den PKW-Vertrieb beschleunigt

27.11.2008
Von Gunter Maag  und Dirk Gernhardt
Mit wiederverwendbaren SOA-Diensten optimiert der Stuttgarter Automobilkonzern seine Vertriebsprozesse.

Vor elf Jahren nannte es noch keiner SOA. Doch ein gemischtes Team aus Mitarbeitern von Daimler und der ehemaligen sd&m AG (heute: Capgemini sd&m) stand 1997 bei der damaligen Daimler-Benz AG vor der Frage, wie der Prozess von der Bestellung bis zur Fahrzeugübergabe mit Einführung der A-Klasse stringenter organisiert werden könnte. Der schwäbische Autobauer wollte seinen Kunden eine sofortige, verbindliche Lieferterminzusage direkt bei der Automobilbestellung geben und zusätzlich die Lieferzeit von 30 auf 15 Tage verkürzen - verfügbare Kapazitäten vorausgesetzt. Ein IT-System sollte all diese Wünsche erfüllen, den Prozess transparent machen und so gestalten, dass er zu einem späteren Zeitpunkt auf alle Baureihen von Daimler übertragen werden konnte. Das Projektmanagement von Daimler gab den Software-Architekten des Projekts mit auf den Weg, unternehmensweit zu denken - ganz im Sinne des damaligen Ansatzes der so genannten Integrated Sales- und Production Database.

Die Stuttgarter Daimler AG baute schrittweise eine Service-orientierte Architektur für den Vertrieb auf.
Die Stuttgarter Daimler AG baute schrittweise eine Service-orientierte Architektur für den Vertrieb auf.

Und so begann das Team Schritt für Schritt, die bestehende Anwendungslandschaft bei der damaligen Daimler-Benz AG umzugestalten. Eine zentrale Rolle spielte dabei das Verstehen der Fachlichkeit entlang der Kernprozesse - und zwar über alle Abteilungsgrenzen hinweg. Bei der Entwicklung und Umstrukturierung der IT-Landschaft unter dem Namen "Global Ordering" setzte das Team auf erprobte Gestaltungsansätze, die heute als die zentralen Bausteine von Service-orientierten Architekturen (SOA) gelten:

  • Definition von Komponenten, die unternehmensweit eindeutig für bestimmte Geschäftsobjekte zuständig sind und Services zu diesen Geschäftsobjekten anbieten;

  • Lose Kopplung der bestehenden Anwendungen mit den neu entwickelten Services, um schrittweise neue Funktionen zu entwickeln und gleichzeitig den unternehmensweiten Ansatz zu wahren;

  • Entwicklung von Schnittstellen, die geschäftsbezogen, grobgranular und kontextfrei sind.

In einem ersten Schritt führte Daimler damals die Buchung eines Produktionsplatzes einschließlich der Lieferterminzusage für ihre A-Klasse-Kunden ein. So konnten die Prozesse ohne übermäßigen Aufwand deutlich verbessert werden, denn: Die Orderingsysteme der einzelnen Märkte und der Stuttgarter Zentrale wurden hierfür nur geringfügig angepasst. Das Produktionsplanungssystem lieferte Volumenzahlen, die bei der Buchung eines Produktionsplatzes und damit eines Produktionstermins berücksichtigt wurden. Schon hier zeigt sich, dass der Charme von SOA für viele IT-Verantwortliche darin besteht, alte Systeme beibehalten und Stück für Stück ausbauen oder verändern zu können (siehe auch: In zehn Schritten zur SOA).