Gartner Symposium in Barcelona

Wie CIOs die dritte Ära der IT meistern

09.11.2018
Von 
Wolfgang Herrmann ist Editorial Manager CIO Magazin bei IDG Business Media. Zuvor war er unter anderem Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO und Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel.

Culture Hacking als Erfolgsrezept

Auffällig ist der hohe Stellenwert, den Gartner kulturellen Aspekten im digitalen Wandel einräumt. "46 Prozent der CIOs sehen in der Kultur das größte Hindernis für Veränderungen", berichtete Gartner-Analystin Jenny Sussin. Unternehmen sollten deshalb zuerst an diesem Punkt ansetzen. Ihre Empfehlung lautet "Culture Hacking", anders ausgedrückt: "Hack deine Kultur, um sie zu verändern."

Gartner-Analystin Jenny Sussin: „46 Prozent der CIOs sehen in der Kultur das größte Hindernis für Veränderungen.“
Gartner-Analystin Jenny Sussin: „46 Prozent der CIOs sehen in der Kultur das größte Hindernis für Veränderungen.“
Foto: Gartner

Dafür reichten schon kleinere Aktionen aus. Beispielsweise könnten Unternehmen komplett auf zeitraubende Status-Meetings verzichten und stattessen nur noch kurze Berichte verschicken. Führungskräfte sollten sich überlegen, auf welche Weise sie ihre Wertschätzung gegenüber Mitarbeiter ausdrücken. Der CEO eines schwedischen Unternehmens etwa besuchte Angestellte persönlich und überbrachte kleine Präsente.

Diese und größere "Hacks" lösten emotionale Reaktionen aus, lieferten sofort Ergebnisse und seien für viele Menschen sichtbar, so Sussin. Natürlich hat Gartner auch dazu die passende Prognose parat: Bis 2021 sollen CIOs in gleichem Maße für den kulturellen Wandel in ihrem Unternehmen verantwortlich sein wie die Personalchefs.

Datenschutz gehört zu den größten Hürden

Weniger überraschend ist Gartners Einschätzung, dass der Datenschutz in der Strategieentwicklung eine zentrale Rolle spielen muss. Wenn CIOs dieses Thema nicht erfolgreich managen würden, sei ihre gesamte digitale Transformation gefährdet, warnte Harris. "Als CIO haben Sie das Mandat, den Datenschutz für sensible Daten von Verbrauchern, Bürgern und Mitarbeitern zu sichern." Das bedeute in der Praxis, dass jemand für ein Datenschutzmanagement-Programm verantwortlich sein, Verstöße erkennen und diese unverzüglich melden müsse. Datenschutz ist für den Marktforscher ein Thema, das auf Vorstandsebene verankert sein muss. Bislang aber habe nicht einmal die Hälfte der Unternehmen angemessene Kontrollmechanismen eingeführt.

Augmented Intelligence - die nächste Stufe der KI?

Mit Augmented Intelligence stellt Gartner ein weiteres neues Schlagwort in den Raum. Die Auguren wollen darunter eine Neudefinition von künstlicher Intelligenz als Hilfsmittel des Menschen verstanden wissen. So ersetze KI nicht den Arzt, sondern erweitere seine Möglichkeiten und Fähigkeiten. Augmented Analytics könne darüber hinaus auch IT-Systeme erweitern, beispielsweise klassische Analytics- und Daten-Management-Programme, die durch Machine Learning aufgewertet werden.

Unterm Strich müssten damit nicht viele Arbeitsplätze verloren gehen, argumentierte Harris. Vielmehr würden an vielen Stellen in den Unternehmen neue Jobs entstehen. Laut einer aktuellen Gartner-Erhebung berichteten nur 16 Prozent der Befragten, dass die Einführung von KI in ihren Unternehmen zu Jobverlusten geführt habe.

Digitales Produktmanagement statt Projektmanagement

Zu den "strategischen Imperativen" gehört auch ein konsequentes digitales Produktmanagement. "CIOs müssen weg vom klassischen Projektmanagement und sich auf eine produktorientierte Arbeitsweise konzentrieren", empfahl Gartner-Analyst Andy Kyte. "Digitales Produktmanagement ist nicht nur eine andere Art, IT zu betreiben. Es ist eine andere Art, Geschäfte zu machen."

Die mächtigsten Unternehmen hätten längst digitale Technologien in ihre Produkte integriert, um eine neue Managementpraxis zu schaffen. Produktmanager würden künftig verstärkt auf Design Thinking und agile Methoden zurückgreifen, um die User Experience zu verbessern.

Digital Twin - ein digitales Abbild des Unternehmens

Das schon länger in der Industrie etablierte Konzept des Digital Twin will Gartner künftig auf ganze Unternehmen angewandt wissen. Daryl Plummer, Research Vice President und Distinguished Analyst, spricht vom "Digital Twin of the Organisation" (DTO). Mit dem digitalen Abbild ließen sich ganze Organisationen simulieren, Arbeitsabläufe analysieren und optimieren. Der DTO eröffne eine Art Vogelperspektive auf das Unternehmen. So könnten Prozessverantwortliche beispielsweise Engpässe oder ineffiziente Abläufe einfacher identifizieren.

Der Unterschied zum klassischen Business Process Management (BPM) liege vor allem in den Realtime-Monitoring-Möglichkeiten, erklärte Plummer auf Nachfrage: "Der DTO zeigt die realen Abläufe in Echtzeit, sodass Unternehmen sofort auf Probleme und Schwachpunkte reagieren können." So habe beispielsweise der Siemens-Konzern einen Order-to-Cash-Prozess als Digital Twin aufgesetzt und damit erhebliche Verbesserungen in den Abläufen erreicht.