BayWa-CIO Tobias Fausch

Wer remote führt, muss über Video motivieren

17.02.2021
Von 
Alexandra Mesmer war bis Juli 2021 Redakteurin von Computerwoche und CIO-Magazin.
Corona fordert Manager in Sachen Leadership neu. Sie müssen mit der Videokamera umgehen können, aber auch das Vertrauen ihres Teams gewinnen, sagt BayWa-CIO Tobias Fausch.
BayWa-CIO Tobias Fausch: "Die Anforderungen an Führungskräfte ändern sich, da sich auch die Zusammenarbeit ändert."
BayWa-CIO Tobias Fausch: "Die Anforderungen an Führungskräfte ändern sich, da sich auch die Zusammenarbeit ändert."
Foto: BayWa AG

"Die Corona-Pandemie war ein Lackmus-Test für Führungskräfte", ist Tobias Fausch, CIO der BayWa AG, überzeugt. Im Rahmen der Handelsblatt-Fachkonferenz Strategisches IT-Management setzte sich Fausch zusammen mit der Führungsexpertin Alexandra Altmann mit den neuen Anforderungen an Manager auseinander.

Die Kamera wird zum wichtigsten Führungsinstrument

Die Erfahrungen während des ersten Lockdowns haben Fausch gezeigt, dass remote Work ein höheres Informationsbedürfnis der Beschäftigten mit sich bringt. Eine gezielte und regelmäßige Kommunikation, auch vom Vorstand, sei wichtiger als zuvor, die Zahl der Meetings habe seit Corona enorm zugenommen. Fausch selbst startet mit seinem Team täglich mit einer halbstündigen Videokonferenz, da man sich sonst schnell auseinanderlebe.

Wirtschaftspsychologin Alexandra Altmann beschäftigt sich schon seit 2010 mit dem Thema virtuelle Führungskräfteentwicklung und sieht in der Kamera ein zentrales Führungsinstrument. "Wer in einer Videokonferenz soziale Nähe herstellen will, muss überzeugend Face-to-Face über die Kamera kommunizieren." Das fängt schon damit an, dass man direkt in die Kamera reinschaut und nicht nur von der Seite aus zu sehen ist. Auch der Hintergrund ist bei vielen oft zu hell, etwa durch ein Fenster, so dass Mimik und Gestik kaum zu erkennen sind.

Führungskräfte sollten die Möglichkeit der asynchronen Kommunikation besser nutzen, ihren Gesprächspartnern zum Beispiel vorher Infos und Podcasts zukommen lassen oder auch die Chatfunktion während des Meetings nutzen beziehungsweise Fragen aufgreifen. Zudem gelte es, durch geeignete Fragen und Moderationstechniken Vertrauen und Teamspirit auch im Virtuellen zu schaffen.

Das sei machbar, ermunterte die Gründerin der auf remote Leadership spezialisierten Beratung virtuu: "Untersuchungen in der Verhaltenspsychologie haben gezeigt, dass Gesprächstherapien online genauso wirksam sind wie solche, in denen sich Therapeut und Patient gegenübersitzen." Altmann selbst und ihr Team coachen Führungskräfte fast ausschließlich virtuell.

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Die Videokonferenz ist derzeit für viele Führungskräfte der wichtigste Kommunikationskanal zu ihrem Team.
Die Videokonferenz ist derzeit für viele Führungskräfte der wichtigste Kommunikationskanal zu ihrem Team.
Foto: fizkes - shutterstock.com

Vertrauen als Messgröße für Digital Leadership

Vertrauen ist die wichtigste und schwierigste Messgröße, mit der sich digitale Führungskräfte auseinandersetzen müssen, darin waren sich BayWa-CIO Fausch und Altmann einig: "Man muss hier in Vorleistung gehen. Nur wer Vertrauen schenkt, bekommt Vertrauen zurück." Vertrauen in die Mitarbeiter definiert Fausch als wichtigen Bestandteil von "Digital Leadership", zu dem auch noch ein "Digital Mindset" und eine "Digital Culture" kommen müssten.

Zum Mindset gehören für ihn Faktoren wie Innovationsfähigkeit, Eigeninitiative, aber auch, digitales Lernen zu fördern. Wichtig in Sachen Digital Culture sei, eine Fehlerkultur zu praktizieren und zugleich die Verbundenheit mit dem Unternehmen beizubehalten.

Doch wann erleben Mitarbeiter eine Führungskraft als vertrauenswürdig? "Sie muss verbindlich, verlässlich und authentisch sein", antwortet Fausch und liegt damit auf einer Linie mit Führungsexpertin Altmann, die noch hinzufügt: "Vertrauenswürdige Führungskräfte müssen in der Lage sein, etwas gut zu machen - und es dann auch tun."

Hybride Meetings sind schwieriger als Videokonferenzen

Zusammenarbeit wird auch nach Corona in verteilten Formen funktionieren müssen. Ein Beispiel dafür sind für CIO Fausch hybride Meetings, zu denen ein Teil der Teilnehmer per Video zugeschaltet ist. Diese seien allerdings noch herausfordernder als rein virtuelle Treffen, da sich Diskutieren auf Augenhöhe schwierig gestaltet, wenn im Raum eine Eigendynamik entsteht, die die zugeschalteten Teilnehmer nicht erspüren können. So bestehe immer die Gefahr, dass sich diese als Teilnehmer zweiter Klasse fühlen und nicht so eingebunden werden wie sie sollten.

Für den Baywa-CIO ist deshalb klar: "Die Anforderungen an Führungskräfte ändern sich, da sich auch die Zusammenarbeit ändert." Konkret heißt das: Wer remote führen will, muss über Video sein Team überzeugen und auch motivieren können. Es gelte, die Mannschaft auch in unsicheren Zeiten bei der Stange zu halten. Eigenschaften, die vor Corona nicht zwingend erforderlich waren. Die Führungskraft sollte darum über regelmäßiges Nachfragen, aber auch über Online-Tools wie Mentimeter die Stimmung im Team erfragen und erspüren. Sie brauche außerdem gewisse Entertainment-Qualitäten, damit die Leute wirklich mitziehen.

Ob Nachwuchsführungskräfte diese wirklich mitbringen, lässt sich am besten im virtuellen Vorstellungsgespräch überprüfen, so die Meinung einiger Diskussionsteilnehmer. Wer hier punktet, kann auch später sein virtuelles Team überzeugen. Fausch sieht eine rein virtuelle Personalauswahl eher kritisch: Gerade die Soft Skills, die für eine Führungskraft so wichtig sind, seien ohne persönliche Begegnung schwer zu beurteilen.