Digitale Transformation

Wer nicht Schritt hält, ist raus

26.08.2019
Von   
Wafa Moussavi-Amin ist Analyst und Geschäftsführer bei IDC in Frankfurt. In seiner Funktion als Geschäftsführer verantwortet Wafa Moussavi-Amin seit Oktober 2004 die Strategie und Geschäftsentwicklung der International Data Corporation (IDC) in Deutschland und der Schweiz, seit 2013 zeichnet er zudem verantwortlich für die Region Benelux.
Immer mehr Unternehmen geben den Löwenanteil ihrer IT-Budgets für Digital Transformation (DX) Technologien aus. Viele andere Unternehmen tun dies aber nicht - und so lässt die rasante Entwicklung bereits jetzt nicht wenige Anbieter hinter sich.
In der digitalen Transformation geht es um Geschwindigkeit. Wer zu spät losläuft, hat schon verloren.
In der digitalen Transformation geht es um Geschwindigkeit. Wer zu spät losläuft, hat schon verloren.
Foto: Stefan Schurr - shutterstock.com

Der jüngste IDC Worldwide Digital Transformation Spending Guide prognostiziert, dass bis 2022 die Investitionen in DX-Technologie fast die Hälfte aller weltweiten Technologieausgaben ausmachen werden. Die Ausgaben für DX-Technologie wachsen praktisch 12-mal schneller als alle anderen Investitionen in IT-Technologie in Summe. Der in Kürze erscheinende Worldwide Digital Economy Impact Guide von IDC, der die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen neuer digitaler Produkte und Dienstleistungen in den weltweiten Märkten quantifiziert, wird jedenfalls bestätigen, dass die DX-Initiativen für Unternehmen einen erheblichen Multiplikator-Effekt bieten.

IDC-Studien belegen, dass Hersteller, Einzelhändler und Banken in den vergangenen vier Jahren von ihren erheblichen Investitionen in DX-Projekte profitiert haben. IDC-Research belegt, dass digital orientierte Unternehmen Umsatz und Wachstum des Bruttogewinns verzeichnen - während nicht-digital orientierte Unternehmen Umsatz- und Gewinnrückgänge verbuchen.

Die ursprünglichen DX-Technologien basierten auf dem, was IDC als "3rd Platform Pillar"-Technologien bezeichnet: Cloud, Big Data Analytics, Mobility und Social. Die Investitionen in diesen Bereichen sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen, da Unternehmen die Grundlagen geschaffen haben, Vorteile aus den vielen Daten zu ziehen. Das Internet of Things (IoT) wird auch weiterhin ein wesentlicher Schlüsselfaktor für strategische DX-Initiativen sein, nicht nur durch die Erfassung und Verteilung von Daten an Processing Hubs für verschiedene Lösungen und Systemanwendungen, sondern auch durch den Aufbau der Intelligent Edge, die eine neue Welle digitaler Intelligenz für DX anstößt.

Die zweite Welle der DX-Investitionen wird von den sogenannten Innovation Accelerator-Technologien angetrieben, wie IDC sie nennt: IoT, KI-Systeme, Augmented/Virtual Reality, Robotik und 3D-Druck. Bis vor kurzem war der Einsatz dieser Technologien in der Regel auf DX-Initiativen beschränkt, die von größeren Unternehmen gestartet wurden, die über die notwendigen Ressourcen verfügen, um zu experimentieren und individuelle Lösungen zu entwickeln. Innovation Accelerators sind jedoch inzwischen das am schnellsten wachsende Segment unter den DX-Technologien.

Die Mainstream-Akzeptanz wird vor allem durch Anbieter vorangetrieben, die eine Vielzahl von DX Business Use Cases unterstützen und das auch entsprechend kommunizieren. Da die Unternehmen zunehmend mehr Geld in strategische DX-Initiativen investieren, die auf Technologien der 3. Plattform und der Innovationsbeschleuniger basieren, wird die digitale Wirtschaft auch hierzulande in Zukunft noch schneller wachsen, angetrieben durch die Entwicklung und Einführung neuer Produkte und Dienstleistungen in praktisch allen Branchen.

Um die am Anfang aufgeworfene Frage zu beantworten: Können Unternehmen den Rückstand überhaupt noch aufholen? Nicht wirklich - oder zumindest müssen sie einen sehr hohen Berg erklimmen. Der digitale Multiplikator-Effekt ist außerordentlich groß. Viele etablierte Unternehmen mussten im vergangenen Jahr Insolvenz anmelden, weil sie mit den veränderten Rahmenbedingungen nicht Schritt gehalten haben. IDC geht (leider) davon aus, in den nächsten drei bis vier Jahren noch viele Unternehmen zu sehen, die – fast immer hausgemacht – Opfer der Digitalisierung geworden sind.