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Wer hat Melissa in die Welt gesetzt?

31.03.1999

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) – Die Spekulationen um den Urheber von "Melissa" (CW-Infonet berichtete) haben begonnen. Zum ersten Mal tauchte das Makro-Virus in einer News-Group namens "alt.sex" auf. Jemand, der sich Sky Rocket nannte, hatte ihn über einen AOL-Account verschickt. Ein gewisser Steve Steinmetz soll der Besitzer dieses Accounts sein. Gegenüber Reportern leugnete er jedoch vehement, Melissa in Umlauf gebracht zu haben.

Richard Smith von Phar Lap Software verfolgt eine andere Spur. Erst vor kurzem hatte er die heimliche Vergabe einer Identifikationsnummer (GUID) bei der Registrierung von Microsoft-Produkten aufgedeckt. Seiner Meinung nach ist Melissa das Werk eines professionellen Virenbastlers, der bisher unter dem Pseudonym VicodinES in Erscheinung getreten ist. Die GUID-Nummer, mit der das infizierte Office-Dokument gekennzeichnet ist, entdeckte er bereits in anderen Programmen von VicodinES.

Network Associates (NAI) hat diese GUID-Nummer allerdings auch in den Viren "Groovy 2" und "Shiver" nachgewiesen, die von einem anderen Hacker namens ALT-F11 entwickelt wurden. Jimmy Kuo von NAI glaubt nun, daß Melissa das Gemeinschaftswerk einer Gruppe von Viren-Spezialisten ist, der auch ALT-F11 und VicodinES angehören.

Sarah Gordon von IBM ist jedoch der Meinung, daß VicodinES nichts mit dem neuen Makro-Virus zu tun hat. Melissa wurde nicht mit dem Namen des Entwicklers gekennzeichnet, und das sei atypisch für VicodinES.

Allerdings hätte VicodinES auch guten Grund, anonym zu bleiben. Auf den Erfinder von Melissa warten bis zu zehn Jahre Gefängnis. Mittlerweile wurde sogar das FBI in den Fall eingeschaltet.