Ingenieur oder IT-Experte

Wer bestimmt den IoT-Betrieb?

27.02.2018
Zu erfolgreichen IoT-Projekten gibt es bisher noch nicht viele Erfahrungen. Ebenso verhält es sich mit den dafür wichtigen Kompetenzen. Fest steht aber, dass sich bisher klar abgesteckte Berufsbilder immer mehr auflösen.

Von Simon Alborz, Bereichsleiter Permanent IT, Oliver Kowalski Director Contracting bei Hays

Je nach Branche kann sich das IoT-Fachwissen unterschiedlich stark auszahlen.
Je nach Branche kann sich das IoT-Fachwissen unterschiedlich stark auszahlen.
Foto: chombosan - shutterstock.com

Allen voran Großunternehmen und High-Tech-Konzerne setzen verstärkt auf das Internet der Dinge. Sie zielen damit auf eine neue Wertschöpfung ab, die es ihnen möglich macht, Menschen, Maschinen und Objekte über das Internet in Echtzeit miteinander zu vernetzen, und das über alle Unternehmensgrenzen hinweg. Grob gesagt geht es darum, eine Interaktion zwischen IP-Adressen und bestimmten Objekten (wie Gerätschaften) herzustellen, die mit entsprechend eingebetteter Hard- und Software und mittels Kommunikationsinfrastruktur verbunden werden.

Und man ahnt es schon, da es um Netzwerke sowie Hard- und Software geht, gehört umfangreiche IT-Expertise zum funktionsfähigen IoT-Betrieb ganz wesentlich dazu. Spezialisten, die hier zum Einsatz kommen, müssen über das richtige Kompetenzprofil verfügen. Das trifft im Übrigen für die Konzeption genauso zu wie für die Implementierung und den anschließenden Betrieb.

Vor allem in den Technologiefeldern Software- und Systemtechnik, Kommunikationstechnologie sowie eingebettete Systeme kommen Spezialisten mit einem eher breiten IT-Know-how zum Zug. Etwas spezieller geht es da an der Mensch-Maschine-Schnittstelle zu. Hier braucht man hochqualifizierte Fachkräfte, die sich mit der Entwicklung von Robotersteuerungs-Software auskennen.

Und wirft man dann noch einen Blick auf diverse Branchen und deren IoT-Vorhaben, kommen nochmal ganz unterschiedliche Fachspezifika hinzu. Denn veränderte Marktanforderungen, kürzere technische Innovationszyklen und der Wunsch nach schnelleren, flexibleren Abläufen schlägt sich auch auf die Jobprofile nieder.

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IT-Experten, die über die eigentliche Projektarbeit hinaus noch mit zusätzlichem Organisations- und Prozess-Know-how aufwarten können, sind klar im Vorteil. Denn zur Begleitung von umfangreichen IoT-Projekten ist es für Fachkräfte nicht mehr damit getan, nur die technischen Zusammenhänge zu verstehen und entsprechende Lösungen bereit zu stellen. Vielmehr muss ein vertieftes Verständnis für die sich mitverändernde Organisationsstruktur sowie die veränderten Geschäftsprozesse entwickelt werden, um diese Lösungen am Markt "zum Fliegen" zu bringen. Und je nach Branche, Umfang des Projektes und Aufgabenspektrum verändert sich auch die Expertise für IoT-Vorhaben.

Auch der aktuelle Hays-Fachkräfte-Index bezeugt, dass es keine Blaupause der Kompetenzen in punkto Industrie 4.0 gibt. Vielmehr verdeutlicht er, welche Branchen hier bereits den Takt anzugeben scheinen. Besonders die Industrien Maschinenbau, ITK sowie Automotive suchen nach wie vor händeringend nach Spezialisten. Ein Trend, der sicherlich auch auf IoT-Initiativen zurückzuführen sein dürfte, mit denen viele Unternehmen gerade mächtig zu tun haben. Vor allem große Hersteller, die komplette IoT-Plattformen betreiben, brauchen dringend IT-Spezialisten aber auch Projektleiter, die ihnen individuelle Softwareanpassungen ausführen, und Kundenanforderungen mit den Softwareentwicklern koordinieren können.

Dabei stellt sich immer wieder die Frage, welche Kompetenzfelder hier vorrangig betrachtet werden sollen und wo sich genau Berufsbilder wie Fertigungsingenieur und Softwareentwickler noch voneinander abgrenzen lassen. Wo sich aber der Ingenieur mit IT-Kenntnissen oder der Software-Entwickler mit betriebswirtschaftlichem Know-how besser eignet, entscheidet letztlich das Projekt selbst. Zwar werkelt das produzierende Gewerbe in diesem Zukunftsfeld bereits ganz eifrig, tut sich aber mit der Definition neuer Rollenprofile noch schwer.

Insgesamt beobachten wir ohnehin das Verschmelzen von Kompetenzen aus tradierten Jobtiteln und Fachdisziplinen. Das liegt sicherlich zum einen daran, dass Formalqualifikationen heute kaum noch etwas über die praktische Projekterfahrung aussagen. Zum anderen arbeitet die Anwendungspraxis selbst heraus, welche Kernkompetenzen eine brauchbare Grundlage für die Weiterentwicklung Richtung IoT-Expertise darstellen.

Nehmen wir beispielsweise den Netzwerkadministrator. Seine Expertise beruht auf einem ausgeprägten Wissen in den Netzwerken, in denen es letztlich um die Übertragung von Daten geht. Eine funktionsfähige Kommunikationsinfrastruktur zwischen den Geräten innerhalb eines Netzwerks ist auch bei dem Internet der Dinge ein zentrales Thema. Demzufolge wäre IoT ein Bereich, für den sich der Netzwerkadministrator durchaus eignen würde. Falls er sich eine Weiterentwicklung in diese Richtung vorstellen könnte, würde es ihm helfen, sich weitere Kompetenzen im Feld IT-Sicherheit anzueignen. Denkbar wäre auch ein beruflicher Schwenk in Richtung hardwarenaher Softwareentwicklung, was allerdings aufgrund geringer Parallelen zur bisherigen Tätigkeit nicht sehr vielversprechend sein dürfte.

Die Gründe für eine stärkere Spezialisierung in Richtung IT-Sicherheit hingegen liegen in punkto IoT auf der Hand und werden künftig eng mit der veränderten Rolle des IT-Spezialisten aber auch Ingenieurs verbunden sein. Denn man darf nicht vergessen, welch immense Auswirkung ein geräteumspannendes Netz für die Sicherheit in der Datenübertragung hat. Ob es nun um die Steuerung eines Netzwerks für Personenaufzüge oder die cloud-basierende Steuerung von medizinischer Infrastruktur geht, mangelnde Sicherheit könnte katastrophale Folgen haben. Um solche Risiken von vornherein auszuschließen, sind IT-Experten mit zusätzlichem Security-Know-how unabdingbar.

Ähnlich verhält es sich im IoT-Umfeld auch mit der Jobtransformation vom klassischen Ingenieur zum Gesamtverantwortlichen für vernetzte Gerätschaften. Auch er muss neben seiner fachlichen Ausbildung ebenso generalistische Fähigkeiten mitbringen, um seine Aufgabe erfolgreich meistern zu können. Neben dem Denken und Handeln in formalisierten physischen und digitalen Systemen, muss er ebenfalls dafür sorgen, dass die einzelnen Spezialisten miteinander kommunizieren können. Für ITler als auch für Ingenieure im Produktionsumfeld gilt allerdings gleichermaßen: Wer als praxisorientierter Umsetzer ausreichend Felderfahrung bei der Realisierung solcher Projekte mitbringt, kann auch deren Auswirkung auf die Produktivität besser einschätzen. Daher fällt die Wahl des Unternehmens meist günstiger für diejenigen aus, die ungeachtet ihrer fachlichen Ausbildung, über reichlich IoT-nahe Praxis verfügen.