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Web-Logger streiten um Blogging-Format

05.08.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Von vielen Anwendern lediglich als elektronisches Tagebuch genutzt, lassen sich Web-Logs oder Blogs auch dazu einsetzen, um Informationen aus sich häufig ändernden Informationsquellen im Internet zusammenzutragen und zu verknüpfen. Dazu dienen so genannte RSS-Feeds (Really Simple Syndication, ursprünglich Rich Site Summary). Um diese auf XML (Extensible Markup Language) basierende, einst von Netscape entwickelte und dann von David Winer übernommene Technologie streiten sich nun die Experten.

So fordern unter anderem Sam Ruby, Chefentwickler bei IBM und Vorstand der Apache Software Foundation, sowie Tim Bray, Mitglied der Technical Architecture Group des Web-Konsortiums W3C, die Entwicklung einer Alternative zu RSS.

Winer, Chef des Softwareunternehmens UserLand und mittlerweile Mitglied der Harvard Law School, beziehe andere Entwickler nicht in die Arbeit an RSS ein. Erweiterungen wie Namespaces integriere er nach eigenem Gutdünken, kritisieren die Experten. Da RSS nun einige Namespaces unterstütze, andere aber nicht, sei die Technologie sehr unübersichtlich geworden. Bray, der an der Entwicklung von XML beteiligt war, kritisierte außerdem, dass Winer anderen Entwicklern und Organisationen die Mitarbeit an RSS schwer mache.

Winer und die Harvard University wehren sich gegen die persönlichen Angriffe. Die Übertragung der RSS-Spezifikationen an das zur Law School gehörende Berkman Center (Computerwoche online berichtete) soll die Debatte nach Meinung der Universitätsleitung beenden. Dem vom Berkman-Center gegründeten RSS Advisory Board gehört Winer allerdings an.

Winer hat sich mittlerweile dazu bereit erklärt, eine vom Apache-Vorstand entwickelte Alternative zu unterstützen, sollte sie sich bei den Anwendern durchsetzen. Er sei jedoch der Meinung, dass große Unternehmen wie Google und IBM an einer Verkomplizierung des Blogging interessiert seien. Dann könnten es sich Privatanwender und kleine Firmen nicht mehr leisten, die Technologie zu implementieren.

Als Standardisierungsgremium für ein Blogging-Format kommt nach Ansicht von Bray und Ruby die IETF (Internet Engineering Task Force) in Frage. Nach Ansicht von Bray ist das W3C zurzeit zu sehr mit Interna beschäftigt. Dies wies W3C-Sprecherin Janet Daly zurück. Die Standardisierung von XML habe gezeigt, dass das Web-Konsortium dazu in der Lage sei, mit solchen Technologien umzugehen. (lex)