FAQ Blockchain-Strategie

Was plant der Bund in Sachen Distributed Ledger?

20.09.2019
Von 
Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.

Wie soll Blockchain Lieferketten und Logistik bereichern?

Hier plant der Bund Standards zu entwickeln und Projekte zu fördern, in denen es um die Nachverfolgbarkeit von Produkten geht, die mit einem Nachhaltigkeitsversprechen auf den Markt kommen. So soll geprüft werden, wie mit Blockchain-Technologie sichergestellt werden kann, dass Lieferketten nicht nur effizient und sicher, sondern auch ökologisch und sozial nachhaltig sind.

Mit der Fördermaßnahme "Industrie 4.0 - Kollaborationen in dynamischen Wertschöpfungsnetzwerken" soll zudem die Bedeutung und Anwendbarkeit von Blockchain-basierten Ansätzen im industriellen Umfeld untersucht werden. Ein Schwerpunkt liegt auf Smart Contracts und der Prozessdaten-Übertragung.

Die Bundesregierung evaluiert ferner in einem Pilotprojekt, wie Blockchain-Anwendungen durch transparente, vollständige und vertrauenswürdige Informationen entlang der Lieferkette nachhaltige Konsumentscheidungen erleichtern und für mehr Sicherheit in der Lebensmittelkette sorgen. Zudem soll in globalen Wertschöpfungsketten geprüft werden, wie Nachweiszertifikate zu höheren Erträgen für die Produzenten am Anfang der Produktzyklen beitragen können.

In der Logistikbranche unterstützt der Bund Forschungsprojekte, die das Ziel effektiver Governance-Strukturen für die Anwendung von Blockchain-Technologien verfolgen. Dabei steht die lückenlose digitale Abbildung von Warenströmen und Frachtpapieren im Mittelpunkt, ebenso ein Verwaltungs-Framework für effiziente, vertrauenswürdige Wertschöpfungsketten von unregulierten Produkten sowie ein Transparenz- und Qualitätssicherungssystem für Lieferketten, mit dem sich Standort und Zustand von Produkten lückenlos überwachen lassen.

Einem besonderen Thema widmet sich das Verbundprojekt "Risikovermeidung in temperaturgeführten Lieferketten durch Blockchain-Technologie". Mittels Blockchain soll das proaktive Management von Risiken in temperaturgeführter Logistik verbessert werden.

Was soll die Distributed-Ledger-Technologie im Gesundheitswesen bringen?

Die im Gesundheitswesen verwendeten Schnittstellen sind prinzipiell auch offen für mögliche Zukunftstechnologien (wie Blockchain). Eine Nutzung von Zukunftstechnologien - im Einklang mit den Daten- und IT-Sicherheitsanforderungen für Gesundheitsdaten - wird deshalb kontinuierlich in Betracht gezogen. Die Bundesregierung ermöglicht zudem den Zugang innovativer Anwendungen des Gesundheitswesens zur Telematik-Infrastruktur.

Wie geht Blockchain und der Bildungssektor zusammen?

Gemeinsam mit den Ländern und den Dachorganisationen der Kammern will der Bund den Einsatz von Blockchain-Lösungen für die Verifikation von Zeugnissen und Bewertungssystemen wie dem ECTS erproben und gegebenenfalls fördern. Zunächst wird angestrebt, auf diese Weise die Zeugnisse von Studierenden internationaler Herkunft sowie berufliche Abschluss- und Weiterbildungszeugnisse zu prüfen. Im laufenden "Europass II Projekt" der EU-Kommission werden außerdem digital verifizierte Kompetenzzertifikate und Arbeitszeugnisse erprobt und bis Frühjahr 2020 entwickelt.

Was bringt Blockchain in der Verwaltung?

Mit der Blockchain-Technologie bieten sich neue Potenziale für die Weiterentwicklung digitaler Identitäten. Laut Bund stehen private Anbieter in den Startlöchern, um solche Blockchain-basierten Angebote zu offerieren. Gleichzeitig braucht es aber funktionierende digitale Identitäten, damit viele Blockchain-Anwendungen überhaupt erst funktionieren.

Der Bund will Blockchain-basierende digitale Identitäten prüfen und geeignete weitere Anwendungen evaluieren. Es gelte festzustellen, ob solche Lösungen einen klaren Mehrwert gegenüber bestehenden Angeboten bieten und ob sie datenschutzkonform gestaltet werden können. Von den derzeit verfügbaren Lösungen für digitale Identitäten habe sich keine flächendeckend durchsetzen können. Einen neuen Ansatz stellten "selbstsouveräne digitale Identitäten auf Blockchain-Basis" dar, sie befänden sich in der Entwicklung.