Sourcing Day 2017 in Köln

Was IT-Strategien von morgen bereits heute brauchen

Florian Kurzmaier ist ein klassischer Quereinsteiger: Nach einem Studium der Geschichtswissenschaften in München landete er zunächst bei der CW-Schwesterpublikation Gamepro, dann als Volontär bei der Macwelt. Inzwischen verantwortet er als Editorial Lead – Events, Platforms and Innovation alle inhaltlichen Aspekte unserer Veranstaltungen – beispielsweise auch den Wettbewerb des Digital Leader Award. Privat bloggt er auf Adams Apfel, sportlich gehört sein Herz dem FC Bayern und den Green Bay Packers.

Kaiserwetter über der Domstadt, heiße Digitalisierungsthemen auf der Agenda: der Sourcing Day stand auch 2017 wieder für ein gut gefülltes, vielseitiges Programm. Ein Rückblick.

Die 28. Etage des KölnTriangle-Turms, nicht weit entfernt vom Messegelände in Deutz, verspricht ein fantastisches Panorama mit unverstelltem Blick auf Rhein, Hohenzollernbrücke und Kölner Dom. Begann der letztjährige Sourcing Day noch mit nebligen Aussichten, konnten die äußeren Bedingungen für eine gelungene Konferenz im Jahr 2017 kaum besser sein: Neben dem tollen Ausblick erwarteten die Teilnehmer des Sourcing Day ein umfangreiches Themenpaket aus Anwender-Keynotes, insgesamt fast 7 Stunden Workshops sowie Podien, die zum Mitdiskutieren einluden.

Bereits zum sechsten Mal durften wir die Teilnehmer zum Sourcing Day begrüßen.
Bereits zum sechsten Mal durften wir die Teilnehmer zum Sourcing Day begrüßen.
Foto: Foto Vogt

Stets im Fokus: die Auswirkungen der Digitalen Transformation auf die vielschichtigen Aspekte des Sourcing-Prozesses, Datenschutz und Vertragsgestaltung im Zeichen der Europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSVGO) und auch die Frage, woher die Talente von morgen ihren Weg in die Unternehmen finden können. Doch der Reihe nach: Moderatorin Susanne Schöne, die heuer erstmals durch das Programm des Sourcing Day führte, begrüßte am Morgen die Teilnehmer. Nach den Präliminarien übermittelte die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker Ihrer Grüße per Videobotschaft. Die Quintessenz: An der Digitalisierung führt (wenig überraschend) kein Weg vorbei. Und die Aufgabe von Kommunen wie der Stadt Köln ist es, die Rahmenbedingungen für erfolgreiche Transformationsinitiativen zu schaffen, z.B. mit Projekten wie dem Digital Hub Cologne.

Das beste beider Welten

Dass es ohne eine Digitalisierungsstrategie nur schwer möglich ist, im Wettbewerb zu bestehen, zweifelt auch Markus Sontheimer nicht an. Sontheimer, der seit Ende 2015 als CIO bei Schenker tätig ist und zudem im Sommer 2016 zum CDO berufen wurde, ist davon überzeugt, dass sich beide Rollen nicht zwangsläufig ausschließen müssen. Das zeigte er auch den Teilnehmern in seiner Eröffnungs-Keynote mit dem Titel "Join the Forces".

Testen Sie Ihr IoT-Grundwissen

Der Grundtenor dabei: CIOs sollten sich nicht alleine auf Implementierung und Betrieb von Technologie begrenzen, sondern Berater und Gestalter technologischer Neuerungen und Prozesse sein. Die Aufgabe der "konstruktive Disruption" wie sie beim CDO verankert ist, solle dabei weitreichende fachliche Veränderungen in die Fachabteilungen hineintragen. Die Fusion der beiden Rollen ermöglicht es, innovative und disruptive Entscheidungen voranzutreiben ohne die bestehende IT-Landschaft aus den Augen zu verlieren. Das beste beider Welten, könnte man sagen.

Schenker CIO und CDO Markus Sontheimer steuerte die Eröffnungskeynote bei.
Schenker CIO und CDO Markus Sontheimer steuerte die Eröffnungskeynote bei.
Foto: Foto Vogt

Sontheimer skizzierte in seinem Vortrag, wie das beim Logistik-Riesen Schenker (Nr.1 im europäischen Landtransport, weltweit Nr. 3 bei Luft- und Seefracht sowie weltweit Nr. 5 in der Kontraktlogistik) in der Realität aussieht. Im Zentrum stehen dabei neue, digitale Geschäftsmodelle sowie eine Transformation des bisherigen Kerngeschäfts. Dabei reichen die neuen Geschäftsmodelle vom Marktplatz, auf dem die Schenker als Vermittler Frachtführer untereinander und mit Kunden verbindet, über ein eigenes Logistics Ecosystem, das KMU-Speditionen auf eine Digitale Plattform holt und so Logistikdaten kommerzialisierbar macht, bis hin zum autonomen Transportmanagement. Dabei ist es unerlässlich, nicht nur den Betrieb zu digitalisieren, sondern auch die Schnittstellen zu Kunden und Carriern.

Neun Workshops zum "A und O" des Sourcing

Neben diesem "Deep Dive" in die Transformation der Logistik hatte der Sourcing Day mit seinen neun Workshops auch ein breites Spektrum an praxisnahen Sessions auf der Agenda. Thematisch waren die "klassischen" Themen der Sourcing-Prozesskette wie Business Process Outsourcing, Kostenmanagement, Vertragsgestaltung oder die alte Frage nach dem IT-Betrieb on-premise vs. cloud-basiert genauso vertreten, wie spitzer zugeschnittene Workshop-Ansätze.

Hier konnten die Teilnehmer beispielsweise über Container-as-a-Service und die damit verbundenen Vorteile bei der Deployment-Geschwindigkeit und Flexibilität diskutieren, Details zur Cloud-Sourcing-Strategie des Machinenbauers GEA erfahren oder sich zu Managed Security Services aufschlauen. Die Themenpaten des Sourcing Day

  • Oliver Reindl (CIO, Flughafen Köln Bonn)

  • Markus Schäfer (Head of Global IT Procurement, Covestro)

  • Christoph Grewe-Franze (CIO, Alfred H. Schütte)

  • Dr. Kewin Stöckigt (Leiter IT-Sourcing & Partner Management, Lidl Stiftung & Co. KG)

  • Peter Meyerhans (CIO, Drees & Sommer)

  • Stefan Heimann (Group CIO, GEA)

  • Christoph Möltgen (CIO, Berner SE)

  • Ansgar Kirchner (Head of Industrial Projects, Senior Manager, Airbus Operations)

  • und Andreas Beeres (CIO, SCHOTT),

bereicherten die Diskussionen um anwenderorientierte Impulse - gemeinsam mit den Vertretern der Sourcing-Day-Sponsoren T-Systems, Wipro, Capgemini, Cognizant, DXC und Microsoft. Allgegenwärtig in den Diskussionen waren Themen wie Security, die DSGVO, Cloud Computing und selbstverständlich auch Digital Leadership, Digital Mindset und Recruiting im digitalen Zeitalter.

In den Workshop-Sessions standen die Protagonisten den Teilnehmern Rede und Antwort.
In den Workshop-Sessions standen die Protagonisten den Teilnehmern Rede und Antwort.
Foto: Foto Vogt

Diskussionsfreudige Podien

Cloud und Talent waren es dann auch, die das Podium zur neuen IDG-Studie "Sourcing 2017" prägten. Gemeinsam mit Computerwoche-Redakteur Hans Königes diskutierten Christian Gfüllner (Microsoft), Ulfert Rotermund (Allgeier Experts) und Berner-CIO Christoph Möltgen über die Ergebnisse der Studie, die wir hier für Sie zusammengefasst haben. Daneben präsentierten Volker Muhr (Leiter Beschaffung IT-Dienstleistungen, Deutsche Bahn) und Silvia Klick (Strategischer Einkäufer IT-Dienstleistungen, Deutsche Bahn) einen spannenden Einblick in ihre Vergabe "SMART ICT", mit der 50 Rahmenverträge in 7 Vergaben (z.B. für IT-Beratung, Helpdesk, Softwareentwicklung etc.) für maximal 8 Jahre unter Zuhilfenahme spieltheoretischer Elemente erfolgreich am Markt platziert werden konnten.

Sylvia Klick und Volker Muhr von der Deutschen Bahn diskutierten gemeinsam mit den Teilnehmern ihre Erfahrungen zum Einsatz spieltheoretischer Elemente bei Vergabeprozessen.
Sylvia Klick und Volker Muhr von der Deutschen Bahn diskutierten gemeinsam mit den Teilnehmern ihre Erfahrungen zum Einsatz spieltheoretischer Elemente bei Vergabeprozessen.
Foto: Foto Vogt

Das Gesamtvolumen: 1,2 Mrd. Euro. Doch nicht nur das stattliche Volumen reizte die Teilnehmer des Sourcing Day; auch die Herausforderungen, mit denen die Bahn-Verantwortlichen bei dieser Vergabe konfrontiert waren (hohe Bieteranzahl, hoher Aufwand durch die losweise Vergabe), regten die Diskussion an, bei der PAC-Vertreter Andreas Zilch aus der Analystensicht das Vergabeverfahren einordnete.

Transformation der zweitältesten Bank der Welt

Bevor es am Abend zum traditionellen Ausklang der Konferenz noch auf das eine oder andere Kölsch ins "Früh am Dom" ging, hieß es auf der großen Bühne nochmal: Keynote! Während Markus Sontheimer zum Einstieg in den Tag einen wertvollen Einblick in eine im besten Wortsinne "schnelldrehende" Branche geben konnte, versuchte sich Knut Jessen, der als CTO der zweitältesten Bank der Welt, Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG, den Bereich der IT Operations verantwortet, an einer deutlich strikter regulierten Branche. Dabei schaffte er es mit seinem kurzweiligen Vortrag herauszuarbeiten, dass es gerade in regulierten Bereichen wichtig ist, agil zu sein - und gerade als Traditionshaus eben keinen Staub anzusetzen. Dafür, das zeigte Jessen sehr anschaulich, ist Berenberg ein schönes Beispiel.

Knut Jessen, CTO von Berenberg, schloss den Konferenztag mit seiner Keynote.
Knut Jessen, CTO von Berenberg, schloss den Konferenztag mit seiner Keynote.
Foto: Foto Vogt

Ausblick

Nach dem Sourcing Day hält das Event-Programm von IDG in diesem Jahr noch viele weitere Highlights bereit: Ende Juni werden zum zweiten Mal die Digital Leader Awards vergeben, im November trifft sich die CIO-Community zur alljährlichen Gala "CIO des Jahres". Beim Diskussionsformat beyond, das wie immer auf die Syntegrationsmethode setzt, ist zudem eines der Kernthemen des Sourcing Day der Dreh- und Angelpunkt: Innovationsprozesse nachhaltig im Unternehmen zu verankern!

Was vom diesjährigen Sourcing Day bleibt, dürfte die Erkenntnis sein, dass die Herausforderungen der Digitalisierung so schnell nicht "vorübergehen" und sich IT-Entscheider wie Einkäufer auch in den kommenden Jahren mit Sourcing weiter beschäftigen werden. Wie lange, das ist freilich nur schwer abzuschätzen. Dafür kennt man sich in Köln mit Prozessen, die lange dauern, sehr gut aus, wie die Teilnehmer der Post-Event-Stadtführung von Tourguide Volker erfahren konnten; der Kölner Dom sei nämlich von der Bauzeit her betrachtet der BER seiner Zeit, eine quasi-unendliche Geschichte. Bleibt zu hoffen, dass die Transformationsprozesse der Gegenwart keine 632 Jahre bis zu ihrer Vollendung mehr brauchen …