Platform as a Service

Was ist PaaS? - Softwareentwicklung in der Cloud

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Big Data / Analytics und Digitale Transformation.
Hinter PaaS verbirgt sich mehr als eine Sammlung von Cloud-Diensten. Unternehmen verändern damit die Art und Weise, wie sie Software entwickeln, bereitstellen und verwalten.

Platform as a Service (PaaS) ist eine besondere Ausprägung des Cloud-Computing-Konzepts. Man kann sie als Bindeglied zwischen klassischen Infrastrukturdiensten (Infrastructure as a Service, IaaS) und Anwendungssoftware aus der Cloud (Software as a Service, SaaS) verstehen. Cloud-Provider stellen Kunden dabei eine Plattform zur Verfügung, auf der sie Anwendungen entwickeln, betreiben und verwalten können, ohne sich um die dafür benötigte Infrastruktur kümmern zu müssen.

Mit Platform as a Service können Unternehmen Anwendungen schneller und effizienter entwickeln.
Mit Platform as a Service können Unternehmen Anwendungen schneller und effizienter entwickeln.
Foto: alexmillos - shutterstock.com

Unternehmen nutzen PaaS häufig über die Public Cloud eines Providers. Der Einsatz ist aber ebenso in Private-Cloud- und Hybrid-Cloud-Szenarien möglich. Von Public Cloud PaaS ist die Rede, wenn der Cloud-Provider alle wesentlichen IT-Komponenten zur Verfügung stellt, die für ein Hosting von Anwendungen gebraucht werden. Dazu gehören etwa Server, Storage-Systeme, Netzwerkbetriebssysteme und Datenbanken.

In einer Private Cloud liefern Anbieter PaaS in Form einer Software oder einer Appliance, die innerhalb der Firewall eines Kunden betrieben wird. Typischerweise läuft der PaaS-Stack dann im Rechenzentrum des Nutzers. In der Mischform Hybrid Cloud PaaS nutzen Kunden sowohl Public- als auch Private Cloud-Dienste für ihre Softwareentwicklung.

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Die besten Cloud-Plattformen im Vergleich

Wie bei anderen Cloud-Ausprägungen auch bezahlen Unternehmen in der Regel nur für die tatsächlich genutzten Services (Pay per-use). Einige Provider veranschlagen Monatspauschalen für den Zugang zur Plattform und den darauf gehosteten Applikationen.

PaaS - die Vorteile für Unternehmen

Mit PaaS erhalten Unternehmen eine IT-Umgebung, in der sie neue Anwendungen kreieren und betreiben können, ohne Zeit und Geld in eine Infrastruktur investieren zu müssen. Applikationen lassen sich auf diese Weise schneller entwickeln und bereitstellen - ein wichtiger Aspekt für Unternehmen, die Wettbewerbsvorteile erzielen oder neue Produkte schneller auf den Markt bringen wollen. Platform as a Service passt damit gut zur Forderung nach einer agileren IT, die in vielen Initiativen zur digitalen Transformation gestellt wird.

Entwickler können mit PaaS zudem neue Programmiersprachen, Betriebssysteme oder Datenbanken testen, ohne jedes Mal die Infrastruktur dafür beschaffen zu müssen. Geht es um neue Entwicklungstechniken oder -Tools, erleichtert eine PaaS-Umgebung auch den Upgrade-Prozess.

Last, but not least zwingt PaaS die Entwickler, in ihren Anwendungen aktuelle Cloud-Techniken einzusetzen und die damit verbundene Infrastruktur (IaaS) effizient zu nutzen. Auch der Umstieg auf agile Entwicklungsmethoden lässt sich mit einer PaaS-Umgebung oft einfacher bewältigen.

PaaS - typische Einsatzgebiete

Anwendungen zu entwickeln und zu testen gehört zwar zu den häufigsten Nutzungsarten von PaaS-Angeboten. Doch in der Praxis gibt es eine Reihe weiterer Einsatzszenarien, wie das Marktforschungs- und Beratungshaus Gartner erläutert. Dazu gehören beispielsweise:

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API-Entwicklung und Management - Unternehmen können PaaS dazu nutzen, Application Programming Interfaces (APIs) und Microservices zu entwickeln, zu betreiben, abzusichern und zu verwalten. Dazu gehört sowohl das Schreiben neuer APIs als auch die Erweiterung bestehender APIs um zusätzliche Schnittstellen. Auch ein "End-to-end API Management" lässt sich nach Einschätzung von Gartner in einer PaaS-Umgebungen einrichten.

Business Analytics und Intelligence - Über PaaS verfügbare Tools erlauben es Unternehmen, ihre Daten zu analysieren und Muster zu erkennen. Sie können damit fundiertere Entscheidungen treffen und genauere Vorhersagen etwa zur Nachfrage nach bestimmten Produkten treffen.

Business Process Management (BPM) - Eine PaaS-Umgebung erlaubt häufig auch den Zugang zu einer BPM-Plattform, die zusammen mit anderen Cloud-Services angeboten wird. BPM Suites integrieren mehrere IT-Komponenten, die Unternehmen für das Geschäftsprozess-Management benötigen. Dazu gehören beispielsweise in Code gegossene Geschäftsregeln oder Service-Level-Agreements (SLA).

Communications - Unternehmen können PaaS zum Bereitstellen von Communications-Plattformen nutzen. Entwickler erhalten damit eine Möglichkeit, ihre Anwendungen auf relativ einfache Weise mit Kommunikationsfunktionen wie Sprache, Video oder Messaging auszustatten.

Datenbanken - PaaS-Provider offerieren auch Services, mit denen Unternehmen eine Datenbank aufsetzen und pflegen können. Die Marktforscher von Forrester Research bringen in diesem Kontext den Begriff Database PaaS ins Spiel. Sie wollen darunter eine skalierbare und sichere Self-Service-Plattform verstanden wissen, die sowohl das Provisioning als auch die Administration von Datenbanken automatisiert. Solche Plattformen ließen sich nicht nur von IT-Experten, sondern auch von Anwendern aus Fachabteilungen nutzen.

Internet of Things - IoT gehört zu den PaaS-Einsatzgebieten, denen Analysten ein besonders starkes Wachstum in den kommenden Jahren zutrauen. Einschlägige Angebote stellen schon heute eine große Palette an Anwendungsumgebungen, Programmiersprachen und Tools für die vielfältigen IoT-Szenarien von Unternehmen zur Verfügung.

Master Data Management (MDM) - Zu diese Kategorie gehören Governance-Prozesse, Policies, Standards und Tools, die Unternehmen brauchen, um ihre kritischen Geschäftsdaten zu verwalten. PaaS-Provider versprechen mit ihren Services dabei eine einheitliche Sicht auf Grunddaten eines Unternehmens, die häufig redundant auf verschiedenen Systemen liegen. Dazu gehören beispielsweise Daten zu Kundentransaktionen. Typischerweise werden solche Daten aus unterschiedlichen Quellsystemen zusammengefasst, bereinigt und bei Bedarf mit zusätzlichen Informationen angereichert.

PaaS-Technologien und -Provider

Platform as a Service umfasst eine Reihe von grundlegenden Cloud-Infrastrukturkomponenten, darunter Server, Netzwerkausrüstung, Betriebssysteme, Storage und Middleware. In der Regel sind diese Eigentum des Service-Providers, der die Systeme auch betreibt. Auf einer höheren Ebene kommen weitere Ressourcen hinzu, etwa Entwicklungswerkzeuge, Programmiersprachen, Libraries, Datenbankmanagement-Systeme und Container-Techniken wie Docker und Kubernetes.

Es ist kein Zufall, dass viele PaaS-Provider zugleich Anbieter von Softwareentwicklungs-Tools sind. Gartner schätzt, dass derzeit rund 200 PaaS-Provider im Markt aktiv sind. Zu den wichtigsten Playern gehören Amazon Web Services (AWS), Microsoft, IBM und Salesforce.com. Die Marktforscher zählen aber auch Unternehmen wie Red Hat oder die auf Low-Code-Techniken spezialisierte Softwareschmiede Mendix zu den führenden Anbietern.

PaaS und die Risiken

Wie bei anderen Cloud-Angeboten auch müssen IT-Verantwortliche einige Risiken im Auge behalten, wenn Sie auf PaaS setzen. Dazu gehören in erster Linie Sicherheitsaspekte. Auch PaaS basiert auf dem Prinzip gemeinsam genutzter Ressourcen wie Server oder Netzwerke, zu denen sich Angreifer theoretisch Zugriff verschaffen können. Andererseits zeigt die Erfahrung der letzten Jahre, dass die großen Cloud-Provider in der Regel besser gegen Security-Attacken gewappnet sind als ein durchschnittliches Unternehmens-Rechenzentrum. Viele Befürchtungen von Cloud-Skeptikern bezüglich der Informationssicherheit haben sich als übertrieben oder ungerechtfertigt erwiesen.

Weil sich Unternehmen mit PaaS eng an die Infrastruktur eines Providers binden, besteht generell die Gefahr einer Abhängigkeit. IT-Verantwortliche sollten deshalb gründlich prüfen, ob die genutzten PaaS-Ressourcen interoperabel sind zu aktuellen und zukünftigen IaaS- und SaaS-Installationen. Konzepte wie Container-Techniken entschärfen dieses Problem zwar, in dem sie Anwendungen einfacher portierbar machen. Wenn jedoch der PaaS-Provider seine Strategie in Sachen Softwareentwicklung, Programmiersprachen oder anderer Faktoren ändert, kann das durchaus gravierende Auswirkungen haben.

Unterm Strich stehen solchen Risiken aber gewichtige Vorteile gegenüber: PaaS verhilft Unternehmen zu mehr Flexibilität, gerade weil der Anbieter sich um die Plattform kümmert und sie sich auf das Programmieren konzentrieren können.

Mit Material von IDG News Service