Was ist Enterprise Architecture?

28.11.2022
Von  und
Sarah K. White schreibt für CIO.com. Sie kümmert sich dort in erster Linie um alle Themen rund um IT-Karriere und Healthcare-IT. Ihre früheren beruflichen Stationen umfassten Tätigkeiten für die B2C-Plattform TechnologyGuide und das Jobportal Monster.com.


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Enterprise Architecture sorgt dafür, dass die IT-Infrastruktur mit den Geschäftszielen in Einklang steht. Das sollten Sie zum Thema wissen.
Enterprise Architecture ist das Rahmenwerk für die Transformation von Unternehmen.
Enterprise Architecture ist das Rahmenwerk für die Transformation von Unternehmen.
Foto: Vertyr - shutterstock.com

Laut dem "Enterprise Architecture Body of Knowledge" (EABOK) reichen die Wurzeln der Enterprise Architecture (EA) bis in die 1960er Jahre zurück und fußen im Wesentlichen auf verschiedenen, architektonischen Manuskripten über Business Systems Planning von Professor Dewey Walker. John Zachman - ein Student Walkers - war es, der wesentlich dazu beitrug, diese Dokumente in das strukturiertere Format der Enterprise Architecture zu bringen. Beide Experten waren in den 1980er Jahren bei IBM angestellt und im Jahr 1987 veröffentlichte Zachman schließlich das nach ihm benannte Framework im "IBM Systems Journal".

Das Enterprise-Architecture-Framework entstand dabei in erster Linie als Reaktion darauf, dass sich Technologie am Arbeitsplatz insbesondere in den 1980er Jahren immer stärker durchsetzen konnte. Die Unternehmen erkannten bald, dass sie eine langfristige Strategie benötigen, um das schnelle Wachstum der Technologie zu unterstützen. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Enterprise Architecture - Definition

Enterprise Architecture beschreibt die Praxis, Datenanalysen zu gestalten, zu planen und zu implementieren, die dabei helfen, die Unternehmensstrategien umzusetzen. EA unterstützt Unternehmen darüber hinaus dabei,

  • IT-Projekte und -Richtlinien so zu strukturieren, dass die gewünschten Geschäftsergebnisse erzielt werden;

  • auch in Zeiten rasanten Wandels flexibel und widerstandsfähig zu bleiben; sowie

  • mit Hilfe von Architekturprinzipien und -praktiken über Branchentrends auf dem Laufenden zu bleiben (dieser Prozess wird auch als Enterprise Architecture Planning (EAP) bezeichnet);

Weil sie sich darauf konzentriert, bestehende Prozesse und Anwendungen zu einer nahtlosen Umgebung zusammenzuführen, eignet sich Enterprise Architecture besonders für große Unternehmen, die eine digitale Transformation durchlaufen. Moderne Enterprise-Architecture-Strategien beschränken sich dabei nicht auf die IT-Abteilung, sondern dehnen diese Philosophie auf das gesamte Unternehmen aus. So lässt sich sicherstellen, dass die Organisation auf die digitale Transformationsstrategie und das technologische Wachstum gleichermaßen ausgerichtet ist.

Enterprise Architecture - Ziele

Die Enterprise Architecture orientiert sich an den Geschäftsanforderungen eines Unternehmens - sie hilft dabei, das Zusammenspiel von Daten, Business und Technologie zu orchestrieren. Speziell für Organisationen, die mit neueren Technologien wie der Cloud, dem Internet of Things (IoT) oder Machine Learning Schritt halten wollen, ist das zur Priorität geworden. Der EA-Prozess fußt dabei laut EABOK auf einem umfassenden Bild des gesamten Unternehmens aus der Perspektive des Eigentümers. Im Gegensatz zu anderen Frameworks enthält EA jedoch keine formale Dokumentationsstruktur - sie soll eine ganzheitlichere Sicht auf das Unternehmen bieten.

Ein starker Fokus der Enterprise-Architecture-Strategie auf agile Methoden ist eine weitere, wesentliche Priorität: Eine solide EA-Strategie versetzt Unternehmen in die Lage, komplexe und schnelllebige Veränderungen besser bewältigen zu können und auch in turbulenten Zeiten erfolgreich zu sein.

Der vom EA-Softwareanbieter herausgegebene Report "State of Enterprise Architecture 2022" fördert zutage, dass Unternehmen mit ausgereiften Enterprise-Architecture-Strategien im Schnitt dreimal so agil sind wie die, die das nicht vorweisen können. Weitere Ergebnisse der Studie:

  • Nur 20 Prozent der Befragten geben an, dass ihre EA-Programme schnellere Innovationen und kürzere Markteinführungszeiten ermöglichen.

  • Nur 6 Prozent der Befragten verfügen über agile Teams mit Enterprise-Architekten, die die Befugnis haben, Technologieentscheidungen zu beeinflussen.

Eine gute EA-Strategie berücksichtigt aktuelle Innovationen in den Bereichen Geschäftsprozesse, Organisationsstruktur, Agilität, Informationssysteme und Technologien. Sie umfasst auch eine Standardsprache und Best Practices für Geschäftsprozesse - inklusive der Analyse darüber, wo Prozesse im gesamten Unternehmen integriert oder konsolidiert werden können. Das Ziel einer gut ausgestalteten Enterprise-Architecture-Strategie besteht darin, die Effizienz, Aktualität und Zuverlässigkeit von Geschäftsinformationen zu verbessern. Um eine solche Strategie zu implementieren, ist natürlich auch das Committment von weiteren Führungskräften und Stakeholdern nötig.

Die Zielsetzung von Enterprise Architecture entwickelt sich dabei kontinuierlich weiter: Die vorgenannte Studie von Bizzdesign hat die wichtigsten Prioritäten von EA-Profis und IT-Entscheidern ermittelt, um mehr Druck hinter ihre Enterprise-Architecture-Bemühungen zu bekommen:

  • 56 Prozent wollen besser über den Wert von Enterprise Architecture für das Unternehmen kommunizieren;

  • 50 Prozent sehen Verbesserungspotenzial, wenn es darum geht, EA-Prozesse zu entwickeln und zu implementieren;

  • 41 Prozent wollen mehr strategische Insights bereitstellen;

  • 33 Prozent streben danach, aktiveren Support vom Senior Management zu erhalten;

  • 32 Prozent wollen in zusätzliche EA-Ressourcen, Schulungen und Zertifizierungen investieren;

Enterprise Architecture - Benefits

Eine Enterprise Architecture bietet diverse Vorteile und ist unter anderem der Resilienz und Anpassungsfähigkeit zuträglich. Auch Unterbrechungen in der Lieferkette lassen sich so besser bewältigen, ebenso die Personalbeschaffung und -bindung. Zudem wird dadurch auch die Produkt- und Servicebereitstellung optimiert. EA kann darüber hinaus bei größeren Neu- und Umstrukturierungen unterstützen - etwa Change-Initiativen oder nach Firmenübernahmen. Enterprise Architecture eignet sich auch dazu, über konsistentere, konsolidierte Prozesse mehr Disziplin in die Organisation zu tragen.

EA wird außerdem in der Systementwicklung, im IT-Management und in der Entscheidungsfindung sowie dem IT-Risikomanagement eingesetzt, um Fehler, Systemausfälle und Sicherheitslücken zu vermeiden. Sie kann Unternehmen zudem dabei unterstützen, komplexe IT-Strukturen zu navigieren oder die IT für andere Geschäftsbereiche zugänglicher zu machen.

Laut CompTIA ermöglicht EA unter anderem

  • eine offenere Zusammenarbeit zwischen IT und Geschäftsbereichen;

  • eine einfachere Priorisierung der Investitionen;

  • eine leichtere Evaluierung der bestehenden Architektur mit Blick auf langfristige Ziele;

  • die Etablierung von Prozessen, um Technologie zu evaluieren und zu beschaffen;

  • einen umfassenden Überblick über die IT-Architektur für alle Geschäftsbereiche außerhalb der IT-Abteilung; sowie

  • die Erstellung eines Benchmarking-Rahmens , um die Ergebnisse mit anderen Organisationen oder Standards zu vergleichen.

Enterprise Architecture - Methoden

Als Framework kann Enterprise Architecture vage erscheinen, weil es auf das gesamte Unternehmen und nicht auf einzelne Bedürfnisse, Probleme oder Geschäftsbereiche ausgerichtet ist. Daher haben sich mehrere spezifische Frameworks entwickelt, die Unternehmen dabei unterstützen, Enterprise Architecture effektiv zu implementieren und zu tracken:

  • The Open Group Architectural Framework (TOGAF): TOGAF bietet Prinzipien, um die IT-Architektur in Unternehmen zu entwerfen, zu planen, zu implementieren und zu steuern. Das TOGAF-Framework unterstützt Unternehmen bei der Entwicklung eines standardisierten EA-Ansatzes mit einem gemeinsamen Vokabular, empfohlenen Standards, Compliance-Methoden, empfohlenen Tools und Software sowie einer Methode zur Definition von Best Practices. TOGAF ist als EA-Rahmenwerk weit verbreitet und wurde laut The Open Group von mehr als 80 Prozent der weltweit führenden Unternehmen übernommen.

  • Zachman-Framework: Dieses eingangs bereits erwähnte Framework wurde nach einem der EA-Väter benannt und ist ebenfalls populär im Unternehmensumfeld. Laut CompTIA ist das Zachman-Framework als "Taxonomie" zu verstehen, das sechs architektonische Schwerpunkte und primäre Interessengruppen umfasst, um die Standardisierung und Definition der IT-Architekturkomponenten und -Outputs zu unterstützen.

  • Federal Enterprise Architecture Framework (FEAF): FEAF wurde 1996 in den USA als Reaktion auf den Clinger-Cohen-Act eingeführt, der Vorgaben für die IT-Effektivität in US-Bundesbehörden einführte. Das Framework wurde für die US-Regierung entwickelt, kann aber auch von privaten Unternehmen genutzt werden.

  • Gartner: Nach der Übernahme von The Meta Group im Jahr 2005 hat Gartner Best Practices für EAP entwickelt. Obwohl es sich nicht um ein eigenes Framework handelt, erkennt CompTIA es als "praktische" Methode an, die sich auf Geschäftsergebnisse mit "wenigen expliziten Schritten oder Komponenten" konzentriert.

Weitere EA-Methoden sind unter anderem das European Space Agency Architectural Framework (ESAAF), das Ministry of Defence Architecture Framework (MODAF) und das SAP Enterprise Architecture Framework. Diese Rahmenwerke sind speziell für einzelne Branchen oder Produkte konzipiert und adressieren im Gegensatz zu den eben vorgestellten EA-Methoden eher einen Nischenmarkt.

Enterprise Architect - Job, Gehalt & Skills

Enterprise Architects berichten in der Regel an den CIO oder IT-Manager. Sie verantworten die Analyse von Unternehmensstrukturen und -prozessen und stellen sicher, dass diese mit den Organisationszielen in Einklang stehen. Als Enterprise Architect sind Sie dabei auch dafür verantwortlich, dass die Strukturen und Prozesse agil und langfristig angelegt sind.

Der Job des Enterprise Architect ist lukrativ: Laut Glassdoor verdienen die Spezialisten in Deutschland durchschnittlich 97.500 Euro im Jahr. Die Gehaltsspanne liegt zwischen 71.400 und 121.200 Euro. Auch die Entwicklungsmöglichkeiten für Enterprise-Architekten sind vielversprechend: In vielen Fällen sind sie im weiteren Verlauf ihrer Karriere als IT-Manager, CTO oder auch CIO tätig.

Um als Enterprise Architect durchzustarten, sollten Sie einen Hochschulabschluss in Informatik (oder ähnlich) und idealerweise mindestens zehn Jahre Erfahrung in der IT oder einem angrenzenden Bereich mitbringen. Hilfreich sind zudem praktische Erfahrungen im Umgang mit Computer- und Storage-Systemen, Mainframes und anderen Architektur-Technologien. Was Soft Skills angeht, sollten Enterprise-Architekten Fähigkeiten in folgenden Bereichen mitbringen:

  • Kommunikation,

  • Problemlösung,

  • kritisches Denken,

  • Führungsqualitäten und

  • Teamwork.

Zu den regelmäßig am häufigsten gefragten Hard Skills für Enterprise Architects gehören laut Payscale:

  • Microsoft SharePoint Server

  • Künstliche Intelligenz

  • Microsoft Azure

  • Data Warehousing

  • Business Intelligence

  • Datenmodellierung

  • Strategieentwicklung

  • Enterprise-Lösungen

  • Integration von Unternehmensanwendungen

  • Softwarearchitektur

Enterprise Architecture - Tools & Software

Microsoft Excel und PowerPoint sind die beiden grundlegendsten Tools, die Sie brauchen, um eine Unternehmensarchitektur zu planen. Darüber hinaus unterstützen Sie jedoch auch zahlreiche Drittanbieter mit weiteren Tools und Softwarelösungen dabei, eine fortschrittliche EA-Strategie zu entwickeln.

Es gibt diverse Möglichkeiten, um Enterprise-Architecture-Tools so in Ihr Unternehmen zu integrieren, dass sie andere Systeme und Prozesse unterstützen. Wir haben auf Grundlage der Daten von Gartner einige der derzeit beliebtesten Optionen in diesem Bereich für Sie zusammengestellt:

Enterprise Architecture - Zertifizierungen

Um Ihre Skills in Enterprise Architecture zu verbriefen, können Sie diverse Zertifizierungen erwerben. Dazu gehören unter anderem:

Dieser Beitrag basiert auf einem Artikel unserer US-Schwesterpublikation CIO.com.