Was ist eine Retrospektive?

27.09.2021
Von 
Maximiliane Piontek ist Pädagogin (Erziehungswissenschaft B. A.) und freie Mitarbeiterin der Redaktion COMPUTERWOCHE bei der IDG Communications Media AG.
Die Retrospektive ist das Meeting im Scrum Framework, das die nächsten Arbeitsschritte festlegt. Das sollten Sie dabei beachten.
Faires und konstruktives Feedback aller Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Scrum-Retrospektive soll sich positiv auf die kommenenden Sprints auswirken.
Faires und konstruktives Feedback aller Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Scrum-Retrospektive soll sich positiv auf die kommenenden Sprints auswirken.
Foto: Aila Images - shutterstock.com

Scrum Retrospektive - Definition

Im Scrum Framework werden große Meilensteine in kleinere Zielschritte unterteilt. Der Zyklus eines Sprints wiederholt sich daher ständig. Während eines Sprints finden vier verbindliche Meetings statt: das Planning, das tägliche Scrum-Meeting (Daily), das Review und die Retrospektive. In der Retrospektive soll aus der Vergangenheit und bisherigen Schritten gelernt und künftige Ziele definiert werden. Je nach Iteration kann das Meeting alle zwei bis vier Wochen abgehalten werden. Längere Konferenzen nach drei bis sechs Monaten könnten auch sinnvoll sein, wenn es darum geht, ausführlicher und über eine längere Zeitspanne hinweg zu reflektieren.

Retrospektive - Bedeutung für das Team

Die Teams in der Projektarbeit nach Scrum haben keinen Chef und keine leitende Person im herkömmlichen Sinn. Ein/e Scrum Master betreut alle Beteiligten, das sind die Entwickler und Entwicklerinnen, den Product Owner und die Organisation. Somit ist er oder sie Ansprechpartner für die einzelnen Teams, die sich aber in erster Linie selbst organisieren sollen. Damit die einzelnen Personen zusammenwachsen und als Team agieren, sind regelmäßige Meetings wichtig - dafür ist gemeinsames Reflektieren zentral.

In der Retrospektive soll eine vertrauenserweckende Atmosphäre herrschen, so dass Probleme direkt angesprochen werden können. Konflikte oder Frust sollen sich nicht aufstauen und den Fortgang des gemeinsamen Projekts aufhalten. Darum reflektieren alle Beteiligten über ihr eigenes Verhalten, dürfen aber auch anderen Teammitgliedern Feedback geben.

Sprint-Retrospektive - Phasen

Es ist sinnvoll, sich an einen festgelegten Ablauf zu halten, dieser kann wie folgt aussehen.

  1. Intro: Der Scrum Master eröffnet das Meeting und macht auf das Grundprinzip und die Zusammenhänge aufmerksam. Es herrscht eine angenehme Atmosphäre.

    Das Grundprinzip der Retrospektive könnte in etwa so lauten: "Wir glauben, dass jeder sein/ihr Bestes gegeben hat. Wir berücksichtigen die dafür zur Verfügung stehende Zeit, die Fähigkeiten, Kompetenzen und zur Verfügung stehende Mittel." (Prime Directive)

  2. Daten und Informationen sammeln: Man hält fest, was gut gelaufen ist und was eher schlecht. Hier reflektieren alle Beteiligten ihre eigenen Verhaltensweisen und Arbeitsschritte. So werden Ursachen für Erfolge und Misserfolge festgestellt.

  3. Maßnahmen beschließen: Gemeinsam beschließen die Mitarbeitenden konkrete nächste Schritte, die zur gewünschten Veränderung führen sollen. Dabei kann es hilfreich sein, SMART-Ziele festzulegen (SMART = spezifisch, messbar, akzeptiert, realistisch, terminiert)

  4. Abschluss

In der Reflexion kann man sich folgende Fragen stellen:

  • Was haben wir gut gemacht?

  • Was haben wir gelernt?

  • Was wollen wir künftig anders machen?

  • Was haben wir nicht verstanden?

Retrospektive - Erfolgsfaktoren

Damit eine Retrospektive gelingt, helfen folgende Regeln: Obwohl es wichtig ist, einen strukturierten Ablauf beizubehalten, sollte man zwischen den einzelnen Retrospektiven abwechseln. Der Scrum Master kann hier entscheiden, wie die Reflexion ablaufen soll. Damit es nicht langweilig wird, sollte er/sie sich hier verschiedenen Methoden bedienen (siehe Kasten unten). Er betreut und moderiert das gesamte Meeting, mischt sich aber nicht in inhaltliche Diskussionen ein. Während der Retrospektive erkennt der Scrum Master, was das Team beschäftigt und wie das Projekt voranschreitet.

Die beschlossenen Maßnahmen sollen so konkret wie möglich formuliert und schriftlich festgehalten werden. Die Beteiligten müssen erkennen, wer was wann erledigen soll. Hilfreich ist, sich auf einen konkreten Verbesserungsbereich zu konzentrieren, um hier die Zusammenhänge zu erkennen anstatt an einzelnen kleinen Bausteinen zu arbeiten.

Die vertrauliche Atmosphäre ist das A und O für ein sinnvolles Meeting. Deshalb darf der Scrum Master öfter wiederholen, dass das Besprochene nicht den Raum verlassen soll (Vegas-Regel).

Scrum Retrospektive - Segelboot-Methode

Eine mögliche Methode der Reflexion ist die Visualisierung eines Segelbootes. Anhand dieser kann der/die Scrum Master klar machen, was das Team noch festhält (Anker) und was es weiterbringt (Wind in den Segeln). Auf einem Plakat oder Notizzetteln sollen die erwähnten Aspekte festgehalten werden. Danach geht es daran, die möglichen Maßnahmen zu entwickeln, die das Problem lösen könnten.

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