Was ist Design Thinking?

06.09.2021
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Sarah K. White schreibt für CIO.com. Sie kümmert sich dort in erster Linie um alle Themen rund um IT-Karriere und Healthcare-IT. Ihre früheren beruflichen Stationen umfassten Tätigkeiten für die B2C-Plattform TechnologyGuide und das Jobportal Monster.com.


Florian beschäftigt sich mit vielen Themen rund um Technologie und Management. Daneben betätigt er sich auch in sozialen Netzen.
Design Thinking stellt den Kunden bei der Entwicklung von Produkten und Services in den Mittelpunkt. Das sollten Sie zum Thema wissen.
Design Thinking dreht sich darum, schrittweise das für den Nutzer bestmögliche Produkt zu erschaffen.
Design Thinking dreht sich darum, schrittweise das für den Nutzer bestmögliche Produkt zu erschaffen.
Foto: optimarc - shutterstock.com

Weil Customer Experience der neue IT-Imperativ ist, gewinnt auch der Design-Thinking-Ansatz an Bedeutung. Wir sagen Ihnen unter anderem, auf welchen Grundsätzen die agile und flexible Methode, um Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, funktioniert - und welche Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten Ihnen in diesem Bereich offenstehen.

Design Thinking - Definition

Design Thinking ist ein agiler, iterativer Prozess für Design und Innovation, der die Wünsche und Bedürfnisse der Nutzer in den Mittelpunkt stellt und Unternehmen in die Lage versetzt, mit Marktveränderungen und der technologischen Entwicklung Schritt zu halten. Dabei erkennt Design Thinking an, dass es nicht nur einen Weg gibt, ein Problem zu lösen. Stattdessen ermutigt die Methodik dazu, in einer Umgebung, die für unterschiedliche Perspektiven und Ideen offen ist, zu hinterfragen, zu experimentieren, zu beobachten und zu innovieren.

Design Thinking - Prinzipien

Design Thinking wird eingesetzt, um benutzerfreundliche, auf den Menschen ausgerichtete Designs zu entwerfen und den Usern Technologie auf intuitive Weise zu vermitteln. Dabei gibt es eine Reihe von Grundprinzipien, die Design Thinking definieren und auf denen Ihre Design-Thinking-Strategie beruhen sollte:

  • "Wicked Problems": Der von den Design-Theoretikern Horst Rittel und Melvin Webber entwickelte Begriff "Wicked Problem" steht für schlecht definierte oder komplexe Probleme, für die es keine eindeutigen Lösungen gibt und deren Auflösung kreatives Denken oder unkonventionelle Strategien erfordert.

  • Problem-Framing: Bei Design Thinking gibt es mehr als eine Möglichkeit, ein Problem zu betrachten. Probleme werden nicht für bare Münze genommen, sondern neu kontextualisiert und interpretiert, um eine Lösung zu finden.

  • Lösungsorientiertes Denken: Anstatt sich auf Probleme zu konzentrieren, werden bei einem Design-Thinking-Modell Lösungen gesucht, was zu einem besseren Verständnis des Problems beiträgt.

  • Abduktives Schlussfolgern: Diese Form der logischen Schlussfolgerung geht von einer Beobachtung aus und fordert die einfachste, wahrscheinlichste Erklärung für die aufgetretenen Probleme ein. Die Technik wird beim Design Thinking eingesetzt, um Probleme oder Ideen neu zu formulieren und mehrere Möglichkeiten zu finden, sie anzugehen.

  • Co-Evolution von Problem und Lösung: Wenn Design-Thinking-Spezialisten an einem Problem arbeiten, betrachten sie wechselseitig das Problem und verschiedene Lösungsideen, um möglichst viele Wege zu erschließen.

  • Darstellungen und Modellierung: Computermodelle und physische Prototypen werden eingesetzt, um die manchmal abstrakten Anforderungen zu ermitteln und dem Team die Möglichkeit zu geben, neue Ideen zu testen, zu verfeinern und zu bewerten.

Design Thinking - Phasen

Bei der Entwicklung von Lösungen und Produkten wird Ihr Team verschiedene Phasen des Design-Thinking-Ansatzes durchlaufen. Wie viele Phasen existieren, kommt ganz darauf an wen man fragt. Die School of Design Thinking am Hasso-Plattner-Institut geht von sechs Design-Thinking-Phasen aus. Diese bilden eine lose Struktur, die Sie nach ihren jeweiligen Bedürfnissen und Anforderungen interpretieren und anpassen sollten:

  1. Kontext verstehen: Design Challenge und alle relevanten Dimensionen der Problemstellung identifizieren;

  2. Menschen beobachten: Design Challenge aus unterschiedlichen Perspektiven kennenlernen, Nutzungskontext(e) und User-Erwartungen verstehen;

  3. Sichtweise definieren: Synthese der Ergebnisse und Definition von Zielgruppen sowie Lösungsansätzen, die positive Veränderungen bewirken;

  4. Ideen entwickeln: kreativer Ideenfindungsprozess, inklusive Priorisierung anhand zu definierender Kriterien (zum Beispiel Umsetzbarkeit);

  5. Prototypen bauen: Konkrete Umsetzung bestimmter Ideen in physischer Form unter Beachtung definierter Zielvorgaben; ein Schwerpunkt liegt dabei auf der innovativen Ausgestaltung der Benutzererfahrung.

  6. Prototypen testen: die Stakeholder (potenzielle User und Experten) werden einbezogen, um den entstandenen Prototypen in iterativen Zyklen zu testen; dieser Prozess erfordert sowohl eine detaillierte Dokumentation als auch eine nachgelagerte Analyse; jede Wiederholung beziehungsweise jeder Prototyp nähert sich dem finalen Produkt;

Einfühlungsvermögen ist ein besonders wichtiger Aspekt beim Design Thinking: Wenn Sie die Wünsche und Bedürfnisse von Kunden, Nutzern und Auftraggebern verstehen und nachvollziehen können, befähigt Sie das, das bestmögliche Produkt zu entwickeln. Dabei sollten Sie sich vor allem die Frage stellen, wie Sie dem Kunden das Leben leichter oder das Endprodukt angenehmer, praktischer, effizienter oder benutzerfreundlicher gestalten können.

Die Ästhetik der Benutzeroberfläche oder des physischen Produkts spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle. Vielmehr geht es darum, zu verstehen, wie Menschen Technologie nutzen und welche Vorteile sie aus dieser Erfahrung ziehen wollen.

Design Thinking - Vorteile

Einer der größten Vorteile der Einführung von Design Thinking ist die Förderung kreativer Ideenfindung. Im Gegensatz zu den meisten Frameworks und Ansätzen, ist Design Thinking nicht dazu gedacht, in einem starren Rahmen strukturiert abzulaufen. Sie können je nach Belieben zwischen den Zyklen und Prozessen hin- und herspringen, bis Sie die richtige Lösung beziehungsweise das richtige Design gefunden haben.

Die Bedeutung von Design Thinking steigt mit dem Aufkommen neuer Technologien und ermöglicht, diese in benutzerfreundliche Dienstleistungen und Produkte zu transformieren. Dabei begegnet der Design-Thinking-Ansatz dem rasanten technologischen Wandel mit einer positiven Grundeinstellung: Jede Möglichkeit kommt in Betracht, egal wie "ungewöhnlich" sie ist. Ein nützliches Mindset, wenn es darum geht, neue Wege zu ergründen, um aufstrebende Technologien zu nutzen.

Design Thinking - Jobs

Design Thinking ist - insbesondere in der Technologiebranche - Bestandteil vieler Jobs. Zu den Rollen, die Design-Thinking-Fähigkeiten erfordern, gehören zum Beispiel:

  • Business Designer

  • Service Designer

  • Design-Thinking-Stratege oder -Spezialist

  • Design-Thinking-Berater oder -Coach

  • UX-Entwickler

  • Research-Mitarbeiter im Bereich User Experience

  • Anwendungsentwickler

  • Projektmanager

Design Thinking - Aus- und Weiterbildung

Wenn Sie Design Thinking mit einer Zertifizierung oder einem Kurs zum Teil Ihres Lebenslaufs machen wollen, stehen Ihnen diverse Optionen offen:

Englischsprachige Angebote finden Sie zum Beispiel bei:

Dieser Beitrag basiert auf einem Artikel unserer US-Schwesterpublikation CIO.com.