CSR

Was ist Corporate Social Responsibility?

21.06.2021
Von 
Bastian Seebacher ist freier Mitarbeiter der Redaktionen CIO und COMPUTERWOCHE.
Das Prinzip der Corporate Social Responsibility (CSR) wird in unserer nach mehr Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit strebenden Welt immer wichtiger. Doch was genau steckt hinter dem Prinzip der CSR?

Definition

Corporate Social Responsibility (CSR) beschreibt die Verantwortung von Unternehmen, durch ethisches und moralisch richtiges Wirtschaften zu einer nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft beizutragen. Wichtig ist, dass das freiwillige Engagement der Betriebe dabei über die bestehenden gesetzlichen Forderungen des jeweiligen Landes hinausgeht.

Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft übernehmen - das steht im Mittelpunkt von Corprate Social Responsibility.
Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft übernehmen - das steht im Mittelpunkt von Corprate Social Responsibility.
Foto: Peach ShutterStock - shutterstock.com

Die Unternehmensverantwortung umfasst soziale, ökologische und ökonomische Aspekte, die in verschiedenen internationalen Referenzdokumenten wie den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte oder der ISO 26000 festgehalten sind. In der Praxis geht es allgemein um faire Geschäftspraktiken, eine mitarbeiterorientierte Personalpolitik, den sorgsamen Einsatz von natürlichen Ressourcen, Umwelt und Klimaschutz, ernsthaftes Engagement vor Ort und an Produktionsstandorten sowie Verantwortung in der Supply Chain.

CSR - von der Antike bis heute

Bereits in der Antike stellten Universalgelehrte wie Aristoteles fest, dass freies Wirtschaften nicht ausschließlich zum eigenen Wohl betrieben werden sollte, da jeder Mensch Pflichten gegenüber der eigenen Gesellschaft hat. In Europa besteht seit dem Mittelalter das Leitbild des "Ehrbaren Kaufmanns" der sich trotz seiner Tätigkeiten immer an gegebene Gepflogenheiten und Gesellschaftsnormen halten musste.

Das wohl bekannteste Beispiel für eine frühe Art der CSR ist die bis heute bestehende Fuggerei in Augsburg. Die sozial engagierten Kaufleute fungierten als Mäzene sowie Stifter und errichteten zum Beispiel Wohnhäuser für ihre Mitarbeiter. So trugen sie schon früh zur Verbesserung von Lebens- und Arbeitsstandards in ihrer Gesellschaft bei.

CSR - eine Begriffsabgrenzung

Heutzutage werden in den meisten Unternehmen die Begriffe Corporate Social Responsibility und Nachhaltigkeit als Synonyme verwendet. In der Theorie ist das Konzept der CSR jedoch weitaus präziser gefasst als Nachhaltigkeit. Konkret geht es nämlich um den spezifischen Beitrag, den Unternehmen zum nachhaltigen Wirtschaften leisten.

Auch der Begriff Corporate Responsibility wird seit einigen Jahren vermehrt benutzt, um die wirtschaftliche Dimension von Nachhaltigkeit hervorzuheben. Außerdem lässt sich so ein Missverständnis vermeiden, da das "Social" in CSR häufig mit sozial übersetzt wird. So entsteht oft die Fehlannahme, dass sich das CSR-Konzept lediglich auf die soziale Dimension unternehmerischer Nachhaltigkeit beschränkt.

Des weiteren bezeichnet "Corporate Citizenship" (CC) nur das Engagement, welches über die eigentliche Geschäftstätigkeit eines Unternehmens hinausgeht, und umfasst somit den Bereich des gemeinnützigen Engagements der Unternehmen. Corporate Citizenship ist deshalb im Wesentlichen auf Sponsoring, Spenden und Stiftungsaktivitäten begrenzt.

CSR - Verantwortungsbereiche

Corporate Social Responsibility kann in drei zentrale Verantwortungsbereiche gegliedert werden:

  • Innerer Verantwortungsbereich: Der innere Verantwortungsbereich umfasst Tätigkeiten, welche sich ausschließlich auf interne Prozesse beziehen. Sie geben die Leitplanken für die ethische und moralische Unternehmenskultur vor, beschränken sich jedoch auf interne Strukturen und Strategien. Dabei ist die eigentliche Geschäftstätigkeit und Gewinnerzielung zweitrangig.

  • Mittlerer Verantwortungsbereich: Der mittlere Verantwortungsbereich inkludiert Tätigkeitsfelder, die zum einen Teil des normalen Kerngeschäfts sind als auch die Bereiche Umwelt und Gesellschaft beeinflussen, wie zum Beispiel die Lieferketten eines Unternehmens. Zentrale Frage dabei: Steht hier lediglich die Profitabilität für das Unternehmen im Vordergrund oder werden wirklich gute Arbeitsbedingungen garantiert? Das Unternehmensimage - und somit auch der Erfolg des Unternehmens - hängen weitgehend von den öffentlich sichtbaren Prozessen des mittleren Verantwortungsbereiches ab.

  • Äußerer Verantwortungsbereich: Die äußere Ebene beinhaltet alle Bereiche, die nicht in der inneren oder mittleren Ebene anzusiedeln sind. Dazu gehören sowohl Aktivitäten in Sachen Wohltätigkeit, wie Spenden und Sponsoring, als auch freiwillige Tätigkeiten der Mitarbeiter. Für Letzteres wird der Arbeitsalltag gegebenenfalls unterbrochen.

Warum Unternehmen auf CSR setzen

Spätestens seit der Verabschiedung der "17 Sustainable Development Goals" durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen im Jahr 2015 wird Nachhaltigkeit auch durch Unternehmen verstärkt wahrgenommen. Doch Firmen implementieren CSR nicht ausschließlich aus rein wohltätigen Gründen. Mögliche Hintergründe sind:

Moralische Grundüberzeugung: Vor allem kleinere, regionale oder familiengeführte Unternehmen sehen sich häufig aus moralischen Gründen dazu verpflichtet, sorgsam mit Umwelt sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern umzugehen. Für diese Betriebe gehört es zu ihrer Verpflichtung, einen positiven Beitrag für die Gesellschaft zu leisten.

Wirtschaftlicher Nutzen: Außerdem kann CSR zum wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens beitragen. Insbesondere Konsumenten oder mögliche Stakeholder achten immer genauer auf die Ökobilanz einer Firma. Wer in diesem Bereich punkten kann, gewinnt einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenzunternehmen. Oft suchen Firmen ihre Zulieferer auch nach deren Umweltbilanz aus, so besteht die Non-Government-Organisation Greenpeace darauf, dass ihre Lieferanten so wenig Energie wie möglich bei der Produktion verbrauchen. Auch für Investoren und Stakeholder ist die Nachhaltigkeit in Unternehmen immer häufiger eine Entscheidungsgrundlage für zukünftige Investitionen. Eine ausgeprägte Corporate Social Responsibility trägt außerdem zu einer höheren Arbeitgeberattraktivität bei, die gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ausschlaggebend sein kann, neue, gut ausgebildete Mitarbeiter für sich zu gewinnen.

Verbesserte Reputation: Betriebe, die CSR nicht nur durch "Greenwashing" betreiben, sondern tatsächliche Vorreiter in diesem Bereich sind, nutzen dies für ihre Marketingstrategie. So wird bei Kunden, Geschäftspartnern oder Lieferanten ein positives Image aufgebaut.

Praxisbeispiele für CSR

Corporate Social Responsibility engagiert und zielorientiert in Unternehmen zu implementieren, ist oftmals leichter gesagt als getan. Dennoch gibt es zahlreiche Wirtschaftsunternehmen, die sich national sowie international an sozialen, ökonomischen und ökologischen Projekten beteiligen. Nachfolgend finden Sie einige Beispiele für aktiv gelebte CSR:

Daimler: Als internationaler Automobilgigant hat Daimler eine große Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Aus diesem Grund sind ihre CSR-Maßnahmen vielschichtig und komplex.

Daimler unterstützt Mitarbeiterengagement, indem die Firma für jeden gespendeten Cent eines Mitarbeitenden ebenfalls einen Cent spendet. So trägt der Konzern dazu bei, dass zum Beispiel die Infrastruktur im Bereich Gesundheit (Laptops für das Kinder-Palliativ-Care-Team Böblingen e.V.) verbessert, oder soziale Projekte wie GoBanyo - ein Duschbus für Obdachlose - gefördert werden. Auch Projekte wie der "Day of Caring" oder die Charity "Auf Augenhöhe" unterstützt Daimler.

An den Produktionsstandorten bringt sich der Automobilkonzern ebenfalls ein, sei es durch die Förderung von Vielfalt und Toleranz, durch das Inklusions-Tanzprojekt Colours oder eine Fahrzeugspende für das bhz-Stuttgart. Des weiteren setzt sich Daimler international ein, um wie im Kongo die Bildungsmaßnahmen in der Bergbauregion Kolwezi zu verbessern.

Kärcher: Auch bei Kärcher hat CSR einen hohen Stellenwert. Der Großkonzern beteiligt sich national sowie international an Gesellschafts- und Umweltprojekten. Soziales Engagement zeigt Kärcher beispielsweise durch die Förderung von Vereinen, Bildungseinrichtungen und Stiftungen, rund um ihre Produktionsstandorte. Dabei handelt es sich meist um Geld- oder Sachspenden bis hin zu Werbegeschenken.

Außerdem zeigt Kärcher weitreichendes kulturelles Engagement, ob bei der Restauration von lokalen Denkmälern oder der Instandhaltung von internationalen Monumenten wie der Christus-Erlöser-Statue in Rio de Janeiro.

Kärcher fördert Corporate Social Responsibility im eigenen Unternehmen außerdem durch Corporate Volunteering. Bei einem solchen Projekt stellt ein Betrieb seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer NGO zur Verfügung. Das mitgebrachte Know-How hilft den NGOs, so komplexe Probleme differenzierter zu betrachten und im besten Fall eine gemeinsame Lösung zu finden. Für die Mitarbeiter bietet so ein Projekt die Chance, ihre Kommunikations- sowie Führungsfähigkeiten zu steigern und somit ihr professionelles Skillset zu verbessern. Kärcher hat zum Beispiel bei einem Corporate Volunteering Projekt zum Umweltschutz und der Erhaltung von Lebensräumen für die NGO NABU beigetragen.