Was ist Capability Maturity Model Integration?

18.06.2021
Von  und
Sarah K. White schreibt für CIO.com. Sie kümmert sich dort in erster Linie um alle Themen rund um IT-Karriere und Healthcare-IT. Ihre früheren beruflichen Stationen umfassten Tätigkeiten für die B2C-Plattform TechnologyGuide und das Jobportal Monster.com.
Bastian Seebacher ist freier Mitarbeiter der Redaktionen CIO und COMPUTERWOCHE.
Capability Maturity Model Integration (CMMI) hilft Organisationen, ihre Prozesse zu verbessern, und soll zu einer produktiven, effizienten Kultur beitragen, die Risiken in der Software-, Produkt- und Serviceentwicklung verringert.

Bei Capability Maturity Model Integration (CMMI) handelt es sich um ein Prozess- und Verhaltensmodell, das Organisationen dabei hilft, Prozesse zu optimieren sowie produktive, effiziente Verhaltensweisen zu fördern, die wiederum die Risiken bei der Software-, Produkt- und Serviceentwicklung verringern.

Mi Hilfe von CMMI soll sich Software effizienter und sicherer entwickeln lassen.
Mi Hilfe von CMMI soll sich Software effizienter und sicherer entwickeln lassen.
Foto: kkssr - shutterstock.com

CMMI wurde 1986 vom Software Engineering Institute an der Carnegie Mellon University als Tool zur Prozessverbesserung für Projekte, Abteilungen oder Organisationen entwickelt. Das US-amerikanische Verteidigungsministerium und die Regierung der USA haben an der Entwicklung von CMMI mitgewirkt. Das Capability-Maturity-Model-Integration-Modell wird derzeit vom CMMI Institute verwaltet, das 2016 von der Information Systems Audit and Control Association (ISACA) aufgekauft wurde.

CMMI-Modell

CMMI beginnt methodisch mit einem Bewertungsprozess, der drei spezifische Bereiche in Organisationen evaluiert: Prozess- und Service-Entwicklung, Service-Establishment und -Management sowie Produkt- und Service-Akquisition. Es soll Unternehmen dabei helfen, ihre Leistung zu steigern, indem es ihnen eine Art Werkzeugkasten und Leitfaden zur Verfügung stellt, um kontinuierlich bessere Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln.

Aber CMMI ist mehr als ein Prozessmodell; es ist auch ein Verhaltensmodell. Unternehmen können CMMI einerseits nutzen, um ihre Leistungserbringung, seien es Produkte oder Services, durch die Entwicklung messbarer Benchmarks zu verbessern. Darüber hinaus kann das Modell Strukturen schaffen, die produktives, effizientes Verhalten im gesamten Unternehmen fördern.

Entwicklung des CMMI

CMMI wurde entwickelt, um mehrere Business-Maturity-Modelle in einem Framework zu vereinen. Es entstand aus dem CMM-Softwaremodell, das zwischen 1987 und 1997 entwickelt wurde. Version 1.1 wurde 2002 veröffentlicht, gefolgt von Version 1.2 im Jahr 2006 und Version 1.3 im Jahr 2010; V1.3 wurde ab März 2018 schrittweise durch die Version 2.0 ersetzt.

In seiner ersten Iteration war das CMMI-Softwaremodell auf Software Engineering zugeschnitten. Die neueste Version des CMMI ist abstrakter und generalisierter, so dass es sich branchenübergreifend auf Hardware, Software sowie Service Development anwenden lässt.

Jede Iteration des CMMI zielt darauf ab, für Unternehmen verständlicher und leichter anwendbar zu sein als die vorherige, so die Zielsetzung der Initiatoren. Jedes Modell ist so konzipiert, dass es kostengünstiger und einfacher zu integrieren oder einzusetzen sein soll. Es ermutigt Unternehmen, sich auf Qualität statt Quantität zu konzentrieren, indem es Maßstäbe für die Überprüfung von Anbietern und Lieferanten oder die Identifizierung und Lösung von Prozessproblemen setzt. So etabliert sich automatisch eine Unternehmenskultur, die das CMMI-Modell von Haus aus unterstützt.

Standard CMMI Appraisal Method for Process Improvement (SCAMPI)

SCAMPI ist die offizielle Beurteilungsmethode, die vom CMMI-Institut verwendet wird. Sie ist im SCAMPI Method Definition Document beschrieben, das in den Referenzdokumenten des CMMI Appraisal enthalten ist. Es gibt drei Bewertungsklassen: Klasse A, B und C.

  • Klasse A: Die strengste Beurteilungsmethode, SCAMPI A ist am nützlichsten, nachdem mehrere Prozesse implementiert wurden. Sie bietet einen Referenzwert für Unternehmen und ist die einzige Stufe, die zu einem offiziellen Rating führt. Sie muss von einem zertifizierten Lead Appraiser durchgeführt werden, der Mitglied des Begutachtungsteams vor Ort ist.

  • Klasse B: Diese Bewertung ist weniger formal als Klasse A. Sie hilft, einen Ziel-Reifegrad zu bestimmen, den Erfolg der bewerteten Praktiken zu prognostizieren und dem Unternehmen eine bessere Vorstellung davon zu geben, wo es im Reifegradprozess steht.

  • Klasse C: Diese Appraisal-Methode ist kürzer, flexibler und kostengünstiger als Klasse A oder B. Sie wurde entwickelt, um die etablierten Praktiken eines Unternehmens schnell zu bewerten und um festzustellen, wie sich diese in CMMI-Praktiken integrieren oder mit ihnen abgleichen lassen. SCAMPI C kann auf einer High-Level- oder Micro-Level-Ebene eingesetzt werden, um organisatorische Probleme oder kleinere Prozess- oder Abteilungsprobleme zu adressieren. Es birgt mehr Risiken als Klasse A oder B, ist dafür aber auch kostengünstiger.

CMMI Maturity Levels

Das CMMI-Modell unterteilt den Reifegrad einer Organisation in fünf Stufen. Ziel für Unternehmen, die CMMI anwenden, ist es, die Organisation auf Level 5, den "optimalen" Reifegrad, zu bringen. Dennoch sind Unternehmen, die diesen Reifegrad erreicht haben, noch nicht fertig mit CMMI. Vielmehr müssen sie sich fortan darauf konzentrieren, ihren Status auch im Zuge von internen Veränderungen zu wahren und laufend zu verbessern.

Die fünf Maturity Levels von CMMI sind:

  1. Initial: Prozesse werden als unvorhersehbar und reaktiv angesehen. In dieser Stufe wird "die Arbeit zwar fertiggestellt, aber oft verzögert und über dem Budget." Dies ist die schlechteste Stufe, in der sich ein Unternehmen befinden kann - eine unberechenbare Umgebung, die Risiken und Ineffizienz erhöht.

  2. Verwaltet: Es wird ein bestimmtes Level des Projektmanagements erreicht. Projekte dieser Stufe werden "geplant, durchgeführt, gemessen und kontrolliert", aber es gibt immer noch eine Menge Probleme zu bewältigen.

  3. Definiert: Auf dieser Stufe sind die Organisationen eher proaktiv als reaktiv. Es gibt eine Reihe von "organisationsweiten Standards", die "eine Orientierung über Projekte, Programme und Portfolios hinweg bieten". Unternehmen kennen ihre Defizite, wissen, wie sie diese beheben können und die Ziele für Verbesserungen aussehen.

  4. Quantitativ gesteuert: Die Organisation arbeitet auf der Grundlage quantitativer Daten, um vorhersehbare Prozesse zu bestimmen, die sich an den Bedürfnissen der Stakeholder orientieren. Das Unternehmen sieht Risiken vorher und hat datengestützte Einsicht in Prozessmängel.

  5. Optimieren: Im letzten Level sind die Prozesse einer Organisation stabil und flexibel. Unternehmen befinden sich in einem ständigen Zustand der Verbesserung und der Reaktion auf Veränderungen oder andere Gelegenheiten. Die Organisation ist stabil, was mehr "Agilität und Innovation" in einer vorhersehbaren Umgebung ermöglicht.

Sobald Organisationen die Stufen 4 und 5 erreicht haben, gelten sie als "High Maturity", das heißt, sie entwickeln sich kontinuierlich weiter, passen sich an und wachsen, um die Bedürfnisse der Stakeholder und Kunden zu erfüllen.

Das ist das Ziel des CMMI: zuverlässige Umgebungen zu schaffen, in denen Produkte, Dienstleistungen und Abteilungen proaktiv, effizient und produktiv sind.

CMMI Version 2.0

Die neueste Version des CMMI, Version 2.0, können Interessierte über eine Online-Plattform und ein herunterladbares PDF erhalten. Für weitere Informationen über das CMMI V2.0 kann man sich auf der Website des CMMI-Instituts anmelden.

Nach Angaben des CMMI Institute werden sich die Änderungen gegenüber Version 1.3 auf vier Hauptbereiche auswirken:

  • Fokus auf Performance: CMMI V2.0 bietet mehr Informationen darüber, wie sich Performance auf das Geschäft auswirkt und wie man den Leistungsbedarf einer Organisation analysiert. Außerdem enthält CMMI Version 2.0 Informationen darüber, wie man Leistungsziele festlegt und diese verfolgt, um sicherzustellen, dass sie auf allen Ebenen der Business Maturity erreichtwerden.

  • Integrated agile mit Scrum, Safety und Security: Die neue Version lässt sich gut mit anderen beliebten Organisationsmethoden kombinieren. Wenn Anwender bereits eine agile Praxis eingeführt haben, hilft ihnen das CMMI V2.0 dabei, etablierte Prozesse, die bereits für Ihr Unternehmen funktionieren, zu ergänzen oder zu verbessern.

  • Wertsteigernde Appraisals: Es wird ein größerer Fokus auf die "Aufrechterhaltung des Vertrauens und der Verlässlichkeit von Beurteilungsergebnissen" gelegt, heißt es in den Zielsetzungen. Zudem sollen die Kosten für Beurteilungen gesenkt und die Zeit für die Beurteilung einer Organisation verkürzt werden.

  • Leichtere Nutzung und einfacherer Zugang: Die neue Version wird weniger technisches Wissen erfordern, so dass sie auch für Personen außerhalb der Tech-Branche leichter zu lesen und zu verstehen ist. Außerdem gibt es eine Online-Plattform, auf der Benutzer ein Modell erstellen und entwerfen können, das den spezifischen Anforderungen des Unternehmens entspricht.

Geschäftsvorteile der CMMI V2.0

Das CMMI-Institut gibt an, dass V2.0 Unternehmen Folgendes bieten wird:

  • Erhöhte Kundenzufriedenheit

  • Verbesserter Erfolg bei der Gewinnung und Bindung neuer Kunden

  • Bessere Produktivität und Effizienz, was zu einer Steigerung der Gewinne führt

  • Geringeres Risiko

Die neueste Version wird darüber hinaus mehr Informationen darüber enthalten, wie der ROI nachgewiesen werden kann, so dass Geschäftsführer andere Führungskräfte mit ins Boot holen können. Performance-Benchmarks und Ziele, die im CMMI formuliert sind, helfen Unternehmen sicherzustellen, dass alle Projekte und Prozesse kosteneffektiv oder profitabel arbeiten.

Der Bewertungsprozess soll außerdem kostengünstiger werden, weniger Zeit in Anspruch nehmen und weniger Ressourcen für die Durchführung benötigen. Anfängliche Benchmarks können im Laufe des Prozesses mit Hilfe des neuen "leichteren Sustainment Appraisals", das in V2.0 beschrieben wird, erneut überprüft werden.

So wird es für Unternehmen einfacher sein, CMMI in der gesamten Organisation zu implementieren. Das CMMI Institute verspricht, dass V2.0 über eine nicht-technische Sprache, benutzerfreundliche und anpassbare Online-Plattformen und Tools verfügt, die eine Anleitung für die Einführung von CMMI oder den Übergang zu V2.0 bieten. Außerdem ist es in mehreren Sprachen verfügbar.

CMMI-Zertifizierungen

CMMI-Zertifizierungen werden direkt über das CMMI Institute angeboten, das Einzelpersonen, Gutachter, Ausbilder und Anwender zertifiziert.

Zertifizierungen für Einzelpersonen:

  • Certified Enterprise Data Management Expert

  • Certified SCAMPI Lead Appraiser (People CMM)

  • Certified Introduction to People CMM Instructor

Zertifizierungen für Gutachter:

  • Certified SCAMPI B&C Team Leader Certification

  • Certified SCAMPI Lead Appraiser (CMMI for Acquisition)

  • Certified SCAMPI Lead Appraiser (CMMI for Development)

  • Certified SCAMPI Lead Appraiser (CMMI for Services)

  • Certified SCAMPI High Maturity Lead Appraiser

Zertifizierungen für Ausbilder:

  • Certified Introduction to CMMI for Development Instructor

  • Certified Introduction to CMMI for Services Instructor

  • Certified CMMI for Acquisition Supplement Instructor

  • Certified CMMI for Services Supplement Instructor

  • Certified CMMI for Development Supplement Instructor

Zertifizierungen für Anwender:

  • Certified CMMI Associate

  • Certified CMMI Professional

CMMI Tools

Das CMMI Institute autorisiert Drittanbieter, CMMI-Tools und -Dienstleistungen zu entwickeln und zu verkaufen. Die Liste der zugelassenen Anbieter ist lang. Auf der Website des CMMI Institute kann man nach Produkt, Standort sowie Sprache suchen.

Welche Art von CMMI-Tools am besten passen, hängt von den Anforderungen des Unternehmens ab. In Anlehnung an das CMMI lassen sich die besten Tools während des Maturity Levels zwei oder drei identifizieren. CMMI Berater können außerdem dabei helfen, maßgeschneiderte Tools auf der Basis umfangreicher Recherchen für Unternehmen zu entwickeln. Die gängigste Kategorie von Tools, die in Betracht gezogen werden sollten, sind:

  • Projekt- und Dokumentenmanagement

  • Bug-Tracker

  • Anforderungs- und Designmanagement

  • Entscheidungs- und Analysewerkzeuge

  • Metrik-Werkzeuge

  • Integrationsanwendungen