iPhone und iPad im Unternehmenseinsatz

Was Firmen zu Apple im Business wissen müssen

02.11.2020
Von   IDG ExpertenNetzwerk


Annette Zimmermann ist Research Director bei Gartner Research und gehört dem Team Personal Technologies seit 2006 an. Sie ist ausserdem als Agenda Manager für die Personal Technologies Agenda weiltweit bei Gartner verantwortlich. Zu ihren Themenbereichen gehört Trends im globalen Smartphone-Markt, ortsbezogene Dienste, digitale Karten und die Analyse des wachsenden Wearables-Markt.
Apple ist – neben seiner Beliebtheit als Consumer-Marke – auch wichtig für Unternehmen und deren IT-Organisationen. Hier die wichtigsten Neuerungen und Entwicklungen im Überblick.

Bei den mobilen Endgeräten ist Apple aus dem Business längst nicht mehr wegzudenken. Laut Gartner-Daten hält das Unternehmen aus Cupertino in den Bereichen Business-Smartphones und -Tablets eine führende Position. Im zweiten Quartal 2020 lag Apple mit den iPhones, was die Unternehmensnutzung betrifft, mit 24 Prozent Marktanteil gleichauf mit Samsung. Die beiden Hersteller belegen seit mehreren Jahren die ersten Plätze bei Unternehmen, wenn es um Smartphones geht, wobei Apple manchmal 0,5 bis 1 Prozent vor dem Konkurrenten aus Korea liegt.

iPhone, iPad und seltener Macbook sind eine beliebte Kombination für Business-Nutzer
iPhone, iPad und seltener Macbook sind eine beliebte Kombination für Business-Nutzer
Foto: blackzheep - shutterstock.com

Natürlich gibt es auch geographische Unterschiede: In Nordamerika findet Apple die breiteste Unterstützung für seine Smartphones in Unternehmen, während in China (einschließlich Hongkong und Taiwan) Huawei am weitesten verbreitet ist. In Deutschland lag Apple im zweiten Quartal 2020 mit etwa 39 Prozent leicht vor Samsung (37 Prozent).

Support- versus Anschaffungskosten

Die starke Position hat Apple - wie wir oft von unseren IT-Enduser-Kunden hören - seinen relativ niedrigen Support-Kosten zu verdanken. Allerdings wird hier der Unterschied zwischen Android und iOS immer geringer, besonders wenn Unternehmen sich auf einen Hardwarehersteller festlegen.

Daneben spielt natürlich auch der Anschaffungspreis eine gewisse Rolle. Apples Unternehmens-Rabatte liegen nur im einstelligen Prozentbereich, selbst bei großen Bestellungen. Dies steht im starken Kontrast zu vielen Android-basierten Herstellern, die deutlich höhere Rabatte einräumen. Die vorhin genannten niedrigeren Support-Kosten bei Apple Produkten gegenüber Android-Hardware wiegen die schmalen Rabatte wieder auf. Allerdings holt Android im Punkt Support-Kosten weiter auf, was bei der TCO-Kalkulation (Total Cost of Ownership) den Vorteil, den Apple bisher genießen konnte, schwinden lässt.

Die Einführung des relativ preisgünstigen iPhone SE der zweiten Generation wird Apple helfen, seine jetzige Position im Unternehmensmarkt weiter zu halten und besonders für mittelständische Unternehmen attraktiver zu werden.

Dominanz im Tablet-Bereich

Im Tablet-Bereich hat sich Apple als der Hersteller für Unternehmen etabliert. Im zweiten Quartal 2020 erreichte Apple mit den iPads einen Marktanteil - gemessen nach Absatz - von 37 Prozent weltweit. Der Fokus zur Weiterentwicklung der iPad-Produktlinie liegt vor allem auf neuen Funktionen zur Produktivitätsverbesserung. Dazu gehören zum Beispiel das Magic Keyboard und neue Funktionen zur Unterstützung für Maus und Trackpad. Außerdem hat Apple mit seinen drei Produktlinien iPad, iPad Air und iPad Pro auch eine "Einsteiger-Option" geschaffen, die für Unternehmen attraktiv ist.

In den letzten zwölf Monaten war die wohl wichtigste Neuerung beim iPad für den Nutzer selber die bessere Bedienbarkeit, wenn das Gerät von mehreren Anwendern über einen längeren Zeitraum genutzt wird. Ein solches Szenario, wo sich mehrere Nutzer ein iPad teilen, findet sich zum Beispiel häufig im Einzelhandel. Jeder Nutzer kann sich schnell auf dem Gerät anmelden und dort mit seinem Profil weiterarbeiten, wo er/sie vorher aufgehört hatte.

Eine interessante technische Innovation ist der LIDAR-Scanner im neuen iPad Pro. Geeignete Anwendungsfälle gibt es zum Beispiel in Logistikzentren, wo mithilfe des LIDAR-Scanners Objekte erkannt werden können und - in Kombination mit Augmented Reality-Lösungen - kontextrelevante Informationen angezeigt werden, die das "Item-Picking" unterstützen.

Neue Verwaltungs-Tools

Die wohl wichtigste Neuerung für die IT-Organisation ist die Veränderung bei den Tools, die Unternehmen und Bildungsstätten bei der Implementierung der Geräte benötigen. Das neue Programm heißt Apple Business Manager (ABM) beziehungsweise Apple School Manager (ASM) und ersetzt die Ende 2019 nicht mehr neu verfügbaren Bereitstellungsprogramme, nämlich das Device Enrollment Program (DEP) und das Volume Purchase Program (VPP). Um den Unternehmens-Support weiter zu verbessern, hat Apple vor kurzem den Software-Hersteller Fleetsmith gekauft. Die Software vereinfacht die Implementierung von Mac, iPad und iPhone.

Des Weiteren gibt es jetzt AppleSeed for IT - ein Programm für die Nutzung der Beta-Versionen der Betriebssysteme für IT-Organisationen, die das ABM-Programm nutzen. In Zukunft werden Support-Fragen für Apple noch wichtiger werden, da der Hersteller auf der WWDC2020 angekündigt hat, seine eigenen Prozessoren für seine Mac-Produktlinien zu entwickeln, die die Intel-Produkte ersetzen werden. Apple muss sicherstellen, dass die Software auf den zukünftigen Mac-Produkten zuverlässig laufen.

In anderen Bereichen ist die Entwicklung dagegen etwas ins Stocken geraten: Das erste Mal seit der Einführung von DEP and VPP hat Apple seine Programme nicht über die letzten 12 Monate auf weitere Länder erweitert. Somit bleibt es bei 69 Ländern insgesamt, in denen ABM oder ASM angeboten werden. Vor allem multinationale Unternehmen sehen dies kritisch. Es ist aufwendig, verschiedene Prozesse aufrecht zu erhalten - einen für solche Länder, in denen ABM und ASM unterstützt werden und separate (arbeitsintensivere) Prozesse in anderen Ländern. (mb)