Unternehmens-DNA

Warum sollte man sich bei Ihnen bewerben?

16.07.2020
Von 
Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
Sie haben keine wirklich zufriedenstellende Antwort auf diese Frage? Lesen Sie, wie Sie Ihre Recruiting-Probleme in den Griff bekommen.
Arbeitgeber sollten Bewerbern nicht mit Hilfe falscher Versprechungen den roten Teppich ausrollen.
Arbeitgeber sollten Bewerbern nicht mit Hilfe falscher Versprechungen den roten Teppich ausrollen.
Foto: Ollyy - shutterstock.com

Active Sourcing und Employer Branding können die Probleme der Arbeitgeber im Recruiting nicht lösen, ist Personalexperte Frank Rechsteiner überzeugt. Seine Beobachtung: Zu wenig Arbeitgeber haben eine klare Antwort auf die Frage: "Warum sollte sich jemand bei mir bewerben?"

"Wenn Sie unterm Strich ein wenig attraktiver Arbeitgeber sind, dann nutzt es nichts, sich besser darzustellen oder Menschenmassen auf Social-Media-Plattformen anzuschreiben und in Ihre Firma zu 'locken' oder zu 'zwingen'", gibt Rechsteiner zu bedenken. Schon nach kurzer Zeit würden die neuen Mitarbeiter erkennen, welche Defizite ihr künftiger Arbeitgeber tatsächlich habe. Der erste Punkt sei oft genug, seine Versprechen als attraktives Unternehmen nicht gehalten zu haben. Deshalb empfiehlt Rechsteiner ganz pragmatisch, sich als Firma erst mit den Ursachen zu beschäftigen, warum die Bewerber so selten bei ihnen anklopfen. In der Praxis bedeutet das, die Herausforderungen der Personalfindung und -bindung aus Sicht eines Kandidaten zu sehen, der im Idealfall schon einen sehr guten Job hat.

Die zentrale Ursache Ihrer Recruiting-Probleme

Im Rahmen einer Xing-Umfrage nennen Mitarbeiter folgende Gründe, um ihren aktuellen Arbeitgeber zu wechseln und eine neue Stelle zu suchen:

  • Gehalt: Am häufigsten wurde in Deutschland "niedriges Gehalt" als Grund genannt: Für mehr als die Hälfte (53 Prozent) ist das ein Grund sich nach einem neuen Job umzusehen.

  • Vorgesetzte: Den gleichen Stellenwert nimmt "schlechtes Vorgesetztenverhalten" (53 Prozent) ein.

  • Kollegen: Für 44 Prozent der Befragten ist ein "schlechtes Kollegenverhältnis" Grund für einen potenziellen Jobwechsel.

  • Anerkennung: Ein weiterer Grund den Arbeitgeber zu wechseln, ist für 43 Prozent "fehlende bzw. geringe Anerkennung" im Job.

Der repräsentativen Studie zufolge können sich vier von zehn Erwerbstätigen (39 Prozent) einen Jobwechsel vorstellen bzw. haben diesen bereits geplant.

"Ja, es gibt eine zentrale Ursache und diese hat etwas mit Ihrer Firmen-DNA zu tun", weiß Rechsteiner. Sobald ein Unternehmen das "Warum" wieder freigelegt hat ("Warum gibt es uns als Firma überhaupt?") würde es "komplett anders agieren und kommunizieren", ist der Münchner HR-Profi überzeugt. Um dahin zu kommen, sollten sich Arbeitgeber unter anderem folgenden "Warum"-Fragen stellen:

  • Warum gibt es das Unternehmen?

  • Warum sollte sich hier jemand bewerben?

  • Warum wurde das Unternehmen gegründet - was war die Vision oder Idee?

"Legen Sie Ihre DNA frei" lautet Rechsteiners Forderung: "Ich spreche hier bewusst von DNA freilegen - nicht erfinden und definieren - denn jedes Unternehmen hat eine DNA."