Chrome Extensions

Warum Microsoft und Google zanken

27.02.2020
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Mark ist Senior Editor bei PC World.com und beschäftigt sich hauptsächlich mit Microsoft und Mikrochips. Zuvor schireb er unter anderem für die Portale PCMag, BYTE, eWeek und ReadWrite.
Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.
Microsofts neuer Edge-Browser basiert auf Chromium, hat also die gleiche Codebasis wie Google Chrome. Damit laufen auch die Google Chrome Extensions auf dem Microsoft-Produkt, doch hier stößt die Kooperationsbereitschaft an ihre Grenzen.

Mit dem neuen, für Windows 10 optimierten Edge-Browser hat sich Microsoft den Marktgegebenheiten gebeugt und den seit 2008 verfügbaren Open Source Code von Google Chrome als neue Basis gewählt. Der Code steht unter dem Namen Chromium frei zum Download zur Verfügung.

Microsofts überarbeiteter Edge Browser läuft auf Basis von Googles Chromium. Das birgt Konfliktpotenzial, wenn es um die Installation von Extensions geht.
Microsofts überarbeiteter Edge Browser läuft auf Basis von Googles Chromium. Das birgt Konfliktpotenzial, wenn es um die Installation von Extensions geht.
Foto: Daniel Eskridge - shutterstock.com

Microsoft möchte mit dem Schritt in Richtung Chrome offensichtlich die Windows-10-Kunden im eigenen Reich halten und verhindern, dass sie gleich als ersten Akt nach der Installation des OS den Google-Browser installieren. Die vorherige Edge-Version war auf einer proprietären Microsoft-Plattform gelaufen. Sie hatte nicht den Sprung nach vorne gebracht, den sich Microsoft gegenüber dem Vorgänger Internet Explorer versprochen hatte. So gab es Performance-Probleme, außerdem fehlten den Anwender die "Extensions", also jene Zusatzsoftware von Drittanbietern, mit denen Google-Kunden schon seit einigen Jahren ihre Browser-Funktionalität ausbauen konnten.

Mit dem Wechsel auf die Chromium-Codebasis hat Microsoft also einen überfälligen Schritt vollzogen: Jetzt können auch die Nutzer des aktuellen Edge-Browsers Extensions installieren - entweder aus dem Microsoft Store oder aber aus Googles Chrome Web Store, wo inzwischen mehr als 190.000 Browser-Erweiterungen zum Download bereitstehen. Edge lässt sich nun einfach mit dem Google-Konto synchronisieren, und auch die Standardsuchmaschine kann in den Einstellungen recht einfach von Microsofts voreingestelltem Bing auf Google verändert werden.

Alles gut also - und doch stehen sich Microsoft und Google beim Abstecken ihrer Claims derzeit noch gegenseitig im Wege. So ist es für Edge User nicht unbedingt ein intuitiver Schritt, Erweiterungen aus dem Google-Shop zu installieren. Im Gegenteil, wer das versucht bekommt erst einmal eine auffällige Warnmitteilung von Google angezeigt. Darin wird empfohlen zu Google Chrome zu wechseln, um Chrome Extensions aus dem Google-Store auch wirklich "sicher zu verwenden".

Google-Warnung vor Edge aus Sicherheitsgründen?

Die "PC-World" vermutet, dass Google diese Meldung tatsächlich aus Sicherheitsgründen verbreitet: In Chrome kann ein Plugin vom Google-Team per Fernzugriff deaktiviert werden, wenn es aus irgendeinem Grund als unsicher erkannt wird. Die Möglichkeit, das Plugin bei Edge remote zu deaktivieren, hat Google nicht. Deshalb sei die Empfehlung zu wechseln nachvollziehbar, zitiert PC World einen Google-Insider.

Ein offizielles Statement dazu gibt es von Google aber bislang nicht. Das wäre auch schwierig, denn dann müsste der Internet-Gigant ja auch erklären, warum Benutzer anderer Chromium-basierter Browser, zum Beispiel Opera, keinen solchen Warnhinweis erhalten.

Auffällig ist auch, dass Edge-User beim Versuch, eine Chrome Extension zu installieren, gleich durch eine ganze Reihe von Warnungen navigieren müssen, die sowohl von Microsoft als auch von Google ausgegeben werden. Wollen sie eine Erweiterung installieren, müssen sie ihrem Browser zunächst umständlich manuell mitteilen, dass er Extensions aus anderen App Stores zulassen soll. Dann werden sie mit einem ersten Disclaimer konfrontiert: "Erweiterungen, die aus anderen Quellen als dem Microsoft Store installiert wurden, werden nicht überprüft und können die Leistung des Browsers beeinträchtigen."

Auch Microsoft warnt vor der Browser-Konkurrenz

Das ist wohl richtig, doch "nicht überprüft" bedeutet hier: von Microsoft nicht überprüft. Was die Performance-Warnung betrifft, hat Microsoft ebenfalls recht, doch am Ende werden sich Extensions immer irgendwann negativ auf die Browserleistung auswirken. Suchen Edge-Anwender dann nach dem "Chrome Web Store", klärt Microsoft vorsichtshalber noch einmal über den neuen Microsoft Edge-Browser auf. Nachdem Anwender trotzdem auf den Google-Store klicken, erhalten sie eine Warnung von Google, da sie "möglicherweise einen unsicheren Browser verwenden".

Der Hintergrund der Auseinandersetzung ist klar: Microsoft ist dabei, seinen eigenen Edge Webshop auszubauen und die Nutzer im eigenen Reich zu halten - bestimmt auch, um größtmögliche Sicherheit zu garantieren. Und Google versucht ebenfalls mit dem Argument der Sicherheit, keine Kunden an Microsoft zu verlieren, zumal die Installation von Edge zusammen mit Windows 10 erstmal naheliegt.

Die kleinen Scharmützel sind deshalb problematisch, weil sie auf dem Rücken der Nutzer ausgetragen werden. Möglicherweise ist irgendwann doch noch Mozilla mit dem Firefox Browser der lachende Dritte, zumal hier keine Chrome-Codebasis zugrundeliegt. Momentan liegt der Marktanteil von Firefox allerdings nur bei 8,8 Prozent, während Google Chrome den Markt zu mehr als zwei Dritteln beherrscht (67,73).