Mieten statt Leasen, Outsourcing statt Eigenleistung

Warum klassische TK-Anlagen out sind

16.11.2009
Von 
Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 

TK-Outsourcing

Während die großen Player der TK-Branche noch zweifeln, ob diese Entwicklung hierzulande ein neues Geschäftsfeld eröffnet, hat beispielsweise Avaya reagiert: Seit Neuestem offeriert das Unternehmen nicht nur zusätzliche Mietmodelle, sondern setzt auch auf den VaaS-Gedanken. "Diese Lösungen binden die Anwender nicht so langfristig wie das klassische TK-Leasing und ermöglichen eine sanftere Migration", nennt Andreas von Meyer zu Knonow, Geschäftsführer Mietlösungen und Managed Services bei Avaya, zwei Gründe für den Strategiewechsel. So könne ein Unternehmen schrittweise je nach den Restlaufzeiten der alten TK-Anlagen in die VoIP-Welt migrieren. Ferner partizipiere der Anwender flexibler an technischen Neuerungen wie etwa Unified Communications oder Collaboration und könne die bestellten TK-Services besser an seinen Bedarf anpassen.

Outsourcing-Wirrwarr

In Diskussionen um neue Business-Modelle für TK-Anlagen sollte der Anwender genau aufpassen, dass er und der Anbieter die gleiche Sprache sprechen. Während VoIP heute in der Regel nicht mehr mit der InternetTelefonie verwechselt wird, verwenden Hersteller und Anbieter die Begriffe rund um IP-basierende TK-Anlagen noch unterschiedlich. In der Praxis sollten aber folgende Definitionen gelten:

• IP-Centrex: Hierunter versteht man in der Regel eine virtuelle, IP-basierende TK-Anlage, die bei einem Provider gehostet wird. Allerdings steht die darunterliegende Hardware dem Kunden nicht alleine zur Verfügung. Vielmehr teilt er sich den Server in Form einer mandantenfähigen Anlage oder durch andere virtuelle TK-Anlagen mit weiteren Kunden. Das Management der Anlage selbst liegt nicht in der Zuständigkeit des Kunden. Per WebInterface kann er neue Anschlüsse, Rufnummern, Fax, Rufweiterleitungen etc. konfigurieren.

• Hosted VoIP: Die TK-Anlage, besser gesagt der Call-Server, steht ebenfalls bei einem Provider. Allerdings handelt es sich hier um einen dedizierten Server. In dieser Variante ist der Anwender meist für das komplette Management verantwortlich.

• Managed VoIP: Dieser Begriff wird in zwei Bedeutungen verwendet. Zum einen kann unter Managed VoIP eine gehostete Variante verstanden werden, bei welcher der Dienstleister das Management übernimmt. Eine andere Verwendung des Begriffs bezeichnet einen VoIP-Call-Server, der im Rechenzentrum des Anwenders steht. Per Fernzugriff übernimmt allerdings ein Dienstleister das Management der Plattform.

• SIP: Das Session Initiation Protocol ist heute der kleinste gemeinsame Nenner, wenn es um die Anbindung von IP-Geräten an eine VoIP-PBX geht. Deshalb sollte auf eine SIP-Fähigkeit nicht verzichtet werden. Spezielle Funktionen lassen sich allerdings in der Praxis oft nur mit den Telefonen bestimmter Hersteller realisieren.

Eine positive Resonanz in Sachen TK-Outsourcing verbucht auch der VoIP-Provider Sipgate. "In den ersten vier Monaten konnten wir für unsere neue IP-Centrex-Lösung Teamgate 1200 Kunden gewinnen", erklärt Pressesprecher Wilhelm Fuchs, der sonst lieber von Software as a Service (Saas) als von IP-Centrex spricht. Und zu den neuen Anwendern zählten beileibe nicht nur kleinere Unternehmen. So nutzt etwa die Eismann-Kette die Lösung in ihren Call-Centern.