Neues Buch zur Geschichte des iPhone

Warum in den 2000ern Apple-Mitarbeiter „verschwanden“

Simon Lohmann ist Volontär bei der IDG Business Media GmbH. Im September 2017 beendete er sein Studium „Medienkommunikation & Journalismus“ an der FHM in Hannover, seit 2015 ist er freier Journalist bei der Macwelt.
Am 9. Januar 2007 stellte Steve Jobs das erste iPhone vor – und begann damit eine Revolution. Damit das Überraschungsmoment bei der Präsentation der ersten iPhone-Generation gelingen konnte, wurden Sicherheitsmaßnahmen ergriffen, wie sie auch aus einem Hollywood-Spielfilm stammen könnten.

Mitte der 2000er "verschwanden" bei Apple Mitarbeiter von heute auf morgen. Schritt für Schritt suchten hochrangige Apple-Manager gezielt Mitarbeiter in ihren Büros auf, führten Gespräche hinter verschlossenen Türen, kamen wieder heraus und die ehemaligen Mitarbeiter waren von dort an nie wieder gesehen.

Was nach einem Drehbuch für einen Hollywood-Film klingt, ist jedoch tatsächlich so in den Büroräumen von Apple passiert, wie das Buch "The One Device: The secret history of the iPhone" des Motherboard-Redakteurs Brian Merchant.

So paranoid war Steve Jobs beim Projekt "iPhone"
So paranoid war Steve Jobs beim Projekt "iPhone"
Foto: Albert Watson
Praxis, Ratgeber und Tipps

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Nur die besten Mitarbeiter sollten für ein ganz bestimmtes – ein sehr geheimes – Projekt rekrutiert werden. Das muss man sich dabei wie folgt vorstellen: Hochtalentierte Apple-Ingenieure bekommen Besuch von ihnen bis dato unbekannten Managern, und müssen folgende Frage beantworten: „Sie kennen uns nicht, dafür haben wir aber eine Menge über Sie gehört und wir wissen, dass sie ein brillanter Ingenieur sind. Wir wollen, dass Sie mit uns an einem Projekt arbeiten, über welches wir Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt nichts Genaueres sagen können. Wir wollen aber, dass Sie es jetzt sofort tun. Noch heute. Sind Sie dabei?“

Versetzen Sie sich in die Lage: Sie haben einen Job bei Apple und sollen von jetzt auf gleich alles stehen und liegen lassen, um an einem Projekt zu arbeiten, über das Sie rein gar nichts wissen. Bedenkzeit? Gibt es nicht.

Manche Ingenieure sagten zu, andere lehnten ab. Wenn wir uns wirklich in einem Hollywood-Film befänden, würden diejenigen, die abgelehnt haben, wahrscheinlich für immer zum Schweigen gebracht werden. ("Macht ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen kann...")

Tüfteleien in geheimen Laboren

Ganz so drastisch ging es bei Apple dann doch nicht zu. Alle befragten Ingenieure behielten ihren Job, auch wenn sie sich gegen eine Mitarbeit an diesem geheimen Projekt entschieden haben. Wer sich jedoch dafür entschied, bekam die Gelegenheit, an wahrscheinlich einem der spannendsten Projekte dieses Jahrhunderts mitzuwirken und bei der Entwicklung des ersten iPhones zu helfen.

Das Leben derjenigen, die sich für das Geheimprojekt „iPhone“ entschieden haben, sollte sich, wie The Verge in einer ausführlichen Leseprobe des am 20. Juni zunächst in den USA erscheinenden Buches veröffentlicht, für die nächsten zweieinhalb Jahre grundlegend ändern. Sie würden Überstunden hinnehmen und das Privatleben aufgeben müssen.

Einer der Projekt-Mitarbeiter behauptete, dass Steve Jobs auf keinen Fall wollte, dass irgendwelche Informationen bezüglich des iPhones nach außen gelangen. Es wollte es um jeden Preis verhindern und sei in dieser Sache äußerst paranoid gewesen. Diese Informationen dürften noch nicht einmal an Apple-Mitarbeiter gelangen, die nicht direkt an dem Projekt beteiligt waren. Niemand außerhalb von Apple durfte für die Entwicklung des iPhones eingestellt werden. Niemand. Nur Leute, die bereits bei Apple arbeiteten. Wie geheim und möglichst klein Jobs diesen Kreis haben wollte, machte er in seinen Äußerungen ziemlich deutlich:

„Wir starten ein neues Projekt. Es ist so geheim, dass ich noch nicht einmal sagen kann, worum es dabei geht. Ich kann Ihnen nicht sagen, für wen Sie arbeiten werden. Was ich Ihnen aber sagen kann, ist, dass – wenn Sie diese Rolle akzeptieren sollten – Sie härter als in Ihrem gesamten Leben zuvor arbeiten werden. Sie werden in den nächsten Jahren, solange wir dieses Produkt entwickeln, so manche Nacht und so manches Wochenende opfern müssen.“

Daher scheint es kaum verwunderlich, dass nicht gerade wenige der ehemaligen Projekt-Mitarbeiter sagen: „Das iPhone ist der Grund, warum ich heute geschieden bin.“

Für Apple hat sich die Geheimniskrämerei aber gelohnt, denn die Überraschung bei der Konkurrenz war im Jahr 2007 sehr groß. Kaum einer hatte für möglich gehalten, dass man ein solches Gerät überhaupt würde entwickeln können. Die Schockstarre von Nokia, Motorola, Microsoft und Samsung verschaffte Apple daher auch einen nennenswerten Vorsprung. Mittlerweile hat Apple weit mehr als eine Milliarde iPhones weltweit verkauft, vom kommenden iPhone 8 sollten im kommenden Geschäftsjahr (Oktober 2017 bis September 2018) nach Ansicht von Experten bis zu 250 Millionen Geräte über die Ladentische gehen. (Macwelt)