Social-Media-Markt

Warum Google jetzt Twitter kaufen sollte

06.08.2015
Von Matt Kapko
Jetzt oder nie: Twitter steckt in der Sackgasse, Google muss sich mit Google+ der harten Realität stellen. Die Anwälte beider Firmen sollten sich zusammensetzen und über eine Vereinigung sprechen. Es könnte die letzte Gelegenheit dafür sein.

Die verschiedenen Wege von Facebook, Google und Twitter haben sich noch nie so offen gezeigt wie in den vergangenen Tagen: Die Hälfte der weltweiten Onliner nutzt Facebook zumindest einmal im Monat, das Wachstum von Twitter steckt in einer Sackgasse fest und Google wirft bei Google+ das Handtuch.

Begonnen hat die vergangene Woche damit, dass Google seinen Social-Media-Dienst Google+, den es zuvor mit so ziemlich jedem anderen seiner Produkte zu verbunden versuchte, abtrennte. Am folgenden Tag spielte Twitter CEO Jack Dorsey ebenfalls das Lied vom Tod und gestand in einer Pressekonferenz zu den jüngsten Zahlen ungefragt etliche Fehler ein. Man habe es versäumt, den Massenmarkt zu erobern, nicht zuletzt, weil die Bedienung viel zu kompliziert sei. Obwohl die Marke weltweit stark präsent in den Köpfen der Anwender sei, wüssten diese dennoch oft nicht, warum sie die Microblogging-Plattform nutzen sollten.

Der CFO von Twitter Anthony Noto machte alles nur noch schlimmer, als er den Investoren schrumpfende Werbeerlöse in Aussicht stellte, vorausgesetzt man gewinne nicht sehr schnell sehr viele neue Nutzer hinzu. Twitters Werbeumsätze erreichten zuletzt 452 Millionen Dollar im Jahr, das war um 63 Prozent mehr als im Vorjahr. Im selben Zeitraum gewann man aber lediglich zwei Millionen Nutzer hinzu, so dass es nun bis zu 304 Millionen im Monat sind.

Diese Tatsachen und Twitters Weigerung, tägliche Nutzerzahlen auszuweisen, belegen, wie schwer es den Verantwortlichen fällt, die Onliner der Welt von einer täglichen oder besser noch stündlichen Nutzung ihres Dienstes zu überzeugen. Darüber hinaus scheinen Verantwortliche selbst nicht verstanden zu haben, wieso Millionen ihren Dienst nutzen.

Twitter hat sich nicht in den Hirnen der Nutzer verankert

Twitter ist kein Konkurrent für Facebook oder eine andere vergleichbare Plattform, stellt Forrester-Analystin Erna Alfred Liousas klar: "Sie müssen ihren Wert für die Kunden erst noch unter Beweis stellen. Warum sollte ich am Tag länger als fünf Minuten auf Twitter verbringen? Was kann Twitter meinem Leben geben? Bringt es überhaupt irgendwas?"

Momente der Hoffnung gab es auf der Bilanzpressekonferenz wenige: Immerhin kennen die meisten Menschen Twitter, man gehört zu den bekanntesten "Brands" weltweit - was die Luft dünn mache, so Noto. Unerfreulicherweise habe man allerdings weniger als 30 Prozent aller potentiellen Anwender von der Nützlichkeit überzeugen können - zumeist Early Adopters und Technik-Freaks.

"Das Produkt ist nach wie vor zu schwer zu nutzen", so Noto. "Wir haben es verfehlt rüberzubringen, warum man Twitter nutzen sollte. Wir haben es nicht geschafft, den Sinn von Twitter zu kommunizieren. Dies ist sowohl ein Problem des Produktes als auch des Marketings."