Digitalisierung und Nachhaltigkeit - ein Widerspruch?

Warum es sich lohnt, nachhaltig digital zu sein

Kommentar  02.09.2019
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Stefan Pechardscheck schreibt als Experte zum Thema IT Strategy & Governance. Als IT-Experte berät er seit 25 Jahren Unternehmen und Organisationen in Fragen der strategischen Ausrichtung. Er ist Partner bei der Management- und Technologieberatung BearingPoint und verantwortet dort das Thema Technology Advisory.
Die ganze Welt spricht von Digitalisierung und davon, dass diese in den Unternehmen und Organisationen massiv vorangetrieben werden muss. Gleichzeitig kollidiert die Digitalisierung jedoch mit einem anderen Megatrend, der Nachhaltigkeit.

Wussten Sie, dass eine Google-Suchanfrage nach einer Aussage des Harvard- Physikers Alex Wissner-Gross fünf bis zehn Gramm CO2 verursacht? Andere Berechnungen sprechen von ein bis zehn Gramm, Google selbst von 0,2 Gramm. Welche Zahl davon auch immer richtig sein mag, bei 3,8 Millionen Google- Suchanfragen pro Minute sind die Emissionen nicht zu vernachlässigen.

Digitalisierung ist nicht per se nachhaltig. Die Nachteile lassen sich aber mit Werkzeugen der Digitalisierung wieder ausgleichen, beziehungsweise minimieren.
Digitalisierung ist nicht per se nachhaltig. Die Nachteile lassen sich aber mit Werkzeugen der Digitalisierung wieder ausgleichen, beziehungsweise minimieren.
Foto: wk1003mike - shutterstock.com

Digitalisierung und Nachhaltigkeit

Fakt ist, dass die Nutzung des Internets den Ausstoß von klimaschädlichen Gasen erhöht. Gartner schätzt, dass die IT-Branche insgesamt circa zwei Prozent der Treibhausgasemissionen verursacht. Das entspricht in etwa den Emissionen der Luftfahrtbranche. Gleichzeit spricht die Welt davon, dass wir dringend C02 und Energie einsparen müssen. Da die Digitalisierung mit einem massiven Mehrverbrauch an Energie verbunden ist, ergibt sich hier ein Widerspruch, der aufgelöst werden muss.

Nimmt man an, dass Energieverbrauch in Zukunft auch teurer wird, ist mit der Digitalisierung zudem ein erheblicher Kostenfaktor verbunden. Aber auch ressourcenfressende und nicht nachhaltige Produktion, Verbrauch von Konfliktmineralien und nicht sachgemäße Entsorgung – der sogenannte E-Waste – tragen zur Problemlage bei.

Die Lösung liegt in sich selbst

Also – da haben wir zwei sich widersprechende Megatrends: Nachhaltigkeit und Digitalisierung - was können wir tun? Digitalabstinenzler werden? Oder – wie es die britische Times empfiehlt – nur noch energieoptimierte Webseiten anklicken? Oder Suchanfragen alternativ über die Suchmaschine Ecosia verschicken? Für jede 45. Suchanfrage finanziert Ecosia einen Baum für Aufforstungsprojekte. Angeblich sind seit ihrer Einführung vor zehn Jahren bereits fast 60 Millionen Bäume gepflanzt worden. Aber auch Google und andere kompensieren mittlerweile.

Ihr Weg zum modernen Data Center

Die Internet-Konzerne - wohlwissend um ihre eigenen Klimasünden - stellen sich dem Megatrend Nachhaltigkeit und propagieren seit einiger Zeit "Green IT"-Konzepte. Etliche der großen IT-Dienstleister beziehen Energie zu einem überwiegenden Teil, manche auch komplett, aus regenerativen Energien. Trotzdem: Technologie zum Energiesparen vermisse ich noch immer. Immerhin - aufgrund der Marktmacht konnten damit schon die Energiekosten für regenerative Energien in den USA gesenkt werden.

Reicht das aus? Ein Teil der Antwort liegt in uns selbst. Bewusstes Nutzen von nachhaltigen Anbietern digitaler Lösungen, sowohl was Ressourceneinsatz, aber auch Energienutzung angeht, nachhaltigeres Nutzen von Technik, Videokonferenzsystemen statt Reisen und – muss es wirklich jedes Jahr das neueste Smartphone sein?

Einige Trends helfen zudem. So gehen wir zum Beispiel durch das Nutzen von Angeboten der Shared Economy bereits in Teilen den richtigen Weg. Auch wenn die Aussage, dass Sharing-Konzepte per se CO2 – Emissionen senken, ein Ammenmärchen ist.

Fazit

Meine These ist: Wir müssen die Megatrends Digitalisierung und Nachhaltigkeit zu einem übergeordneten Megatrend verbinden. Ja, es stimmt: Digitalisierung ist nicht per se nachhaltig. Wir können diese Nachteile aber mit Werkzeugen der Digitalisierung wieder ausgleichen, beziehungsweise minimieren. Die Lösung liegt also in sich selbst. Wir müssen unser digitales Nutzerverhalten so verändern, dass wir soziale und ökologische Schäden verringern. Hierbei können zum Beispiel auch eine Incentivierung und Förderung ethischen und nachhaltigen Verhaltens im digitalen Raum helfen. Digitales Handeln alleine sollte nicht hip und trendy sein, sondern nachhaltiges digitales Handeln. In diesem Sinne – seien Sie digital nachhaltig!