Ultra-wideband-Technologie

Warum das iPhone 11 die Zukunft ist

Kommentar  26.09.2019
Von 
Mike schreibt als Kolumnist für unsere US-Schwesterpublikation Computerworld und weitere Tech-Portale.
In Apples iPhone 11 manifestiert sich die technologische Zukunft. Allerdings nicht aufgrund dessen Kameratechnik oder KI-Support.

Es spielt absolut keine Rolle wie gut die Kameratechnik in Apples neuen iPhones ist oder wie gut Künstliche Intelligenz dabei unterstützt. Es handelt sich dabei letzten Endes nur um eine Evolution dessen, was ohnehin schon jeder tut, beziehungsweise konsumiert: Selfies und Katzenvideos. Das eigentlich revolutionäre Feature am iPhone 11 wurde im Rahmen von Apples alljährlichem Event nicht einmal erwähnt. Dabei ist es instande, die Tech-Welt zu revolutionieren. Die Rede ist vom U1-Chip.

Apples iPhone 11 hat mehr zu bieten als ein modernes Kamerasystem mit KI-Support. Nämlich UWB-Support. Das müssen Sie zum Thema wissen.
Apples iPhone 11 hat mehr zu bieten als ein modernes Kamerasystem mit KI-Support. Nämlich UWB-Support. Das müssen Sie zum Thema wissen.
Foto: Apple

Ultrabreitband als "Hidden Champion"

Dieser steckt in allen iPhone-11-Modellen und ermöglicht die Positionsbestimmung von Objekten per Ultrabreitband-Technologie (auch bekannt als Ultra-wideband oder UWB). Diese Technologie kommt seit vielen Jahren im militärischen und medizinischen Bereich zum Einsatz. Dabei eignet sich die Technologie in besonderem Maße für Echtzeit-Lokalisierungssysteme - was genau der Einsatzzweck ist, den Apple damit anstrebt. Bekanntermaßen hinkt das Unternehmen aus Cupertino bei der Einführung neuer Technologien meist hinterher. Zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung. Bestes und aktuellstes Beispiel dafür ist das iPhone 11, das keinen 5G-Support bietet - im Gegensatz zu den Konkurrenzmodellen aus China und Korea.

Dafür ist das iPhone 11 meines Wissens das einzige Smartphone eines großen Players, das Unterstützung für die Últra-wideband-Technologie an Bord hat. Wie groß der Vorsprung des iPhone-Konzerns in Sachen UWB tatsächlich ist, zeigt sich beim Blick auf einen vor kurzem erschienenen Engadget-Artikel zum Thema: "Die UWB-Technologie hat noch einen weiten Weg vor sich, bis sie für den Consumer-Bereich relevant wird". Wie sich nun herausgestellt hat, handelte sich bei dem "weiten Weg" nur um einige Wochen.

Das erinnert mich unweigerlich daran, wie Apple vor einigen Jahren den Rollout von Bluetooth 4.0 entschieden vorangetrieben hat. Der technologische Sprung von Bluetooth 3.0 zu 4.0 war gewaltig und Apple über Monate das einzige große Tech-Unternehmen, das den neuen Standard unterstützte.

Was Ultra-wideband kann

Die UWB-Technologie kann die Lokation von Objekten mit einer Genauigkeit von circa 30 Zentimetern bestimmen - konservativ geschätzt. Dabei gerät die Technologie nicht mit anderen Wireless-Standards (etwa WiFi) in Konflikt und ermöglicht Datenübertragungsraten von bis zu acht Mbit/s, was wesentlich schneller ist als beispielsweise Bluetooth.

Um Lokationspunkte zu ermitteln, nutzt Ultrabreitband ein Laufzeitverfahren ("time of flight"), das den zeitlichen Abstand misst, den ein Signal braucht um eine bestimmte Distanz zurückzulegen. Per Ultra-wideband ist es also möglich, nicht nur die grobe Richtung eines Objekts zu bestimmen, sondern ein relativ genaues Bild über dessen Entfernung zu gewinnen. Wände oder organisches Material sind für UWB ebenfalls kein Hindernis - auf lange Sicht dürfte Ultrabreitband aufgrund seiner Genauigkeit in vielen Fällen sowohl Bluetooth Low Energy als auch RFID ersetzen.

Wie Apples UWB-Pläne aussehen

Bereits heute können Sie den U1-Chip in iPhone 11 und iPhone 11 Pro nutzen. Mit dem frisch veröffentlichten iOS 13.1 unterstützt dieser Sie beim Versenden von Dateien via AirDrop. Das läuft dank UWB wie von Apple gewohnt sehr einfach und intuitiv ab: Sie richten Ihr iPhone einfach auf eine bestimmte Person, woraufhin dessen Device direkt erkannt wird. Das ist allerdings nur der Startschuss für Apples Pläne mit der Ultra-wideband-Technologie.

Gerüchte, Leaks und ein wenig Vorstellungskraft legen nahe, dass Apple längst an einem System arbeitet, das um ein neues Produkt herum aufgebaut sein dürfte. Dieses Produkt könnte beispielsweise "Apple Tag" heißen - intern läuft es derzeit unter der Bezeichnung "B389". Die Funktionsweise könnte der des bekannten "Tile"-Systems ähnlich sein - allerdings mit dem Unterschied, dass das Apple-System nicht Bluetooth, sondern UWB verwendet. Andere Quellen spekulieren über ein Augmented Reality Interface, das es ermöglichen soll das iPhone einfach innerhalb eines Raums zu schwenken, woraufhin eine Einblendung die Position des gesuchten Gegenstandes zeigt. Darüber hinaus soll es auch möglich sein, bestimmte Orte als "sicher" zu markieren. Verlässt ein Gegenstand einen solchen sicheren Raum, sendet die App einen entsprechenden Alert.

Vielleicht erinnern Sie sich auch noch an die iBeacons, die Apple im Jahr 2013 erstmals einführte. Vor einigen Monaten offenbarte ein Patent, das Apple in Europa beantragt hat die UWB-Version des iBeacon: "Node Anchors". Zudem hat der iPhone-Konzern vor kurzem seine Indoor-Survey-App umfassend überarbeitet. Diese weist nun nicht nur ein neues Design auf, sondern unterstützt nun auch das sogenannte Indoor Mapping Data Format.

Ist es schlicht Zufall, dass Apple seine Indoor-Mapping-Applikation nur Wochen vor der Einführung der ersten UWB-Funktionalitäten umfassend überarbeitet? Wenn Sie mich fragen: Nein. Sie sollten damit rechnen, dass Apples U1-Chip und die Ultrabreitband-Technologie eine völlig neue Welt des Taggings eröffnen werden - egal ob es dabei nun um AR Games, Mobilitäts-Apps oder sonstige Mapping-Zwecke geht. (fm)

Dieser Beitrag basiert auf einem Artikel unserer US-Schwesterpublikation Computerworld.