Von CryptoKit zu Cryptowallet

Warum Apple Kryptowährung einführen will

11.09.2019
Von Lucas Mearian (Computerworld) und


Florian beschäftigt sich mit vielen Themen rund um Technologie und Management. Daneben betätigt er sich auch in sozialen Netzen.
Die Ankündigung von CryptoKit war ein erstes Vorzeichen, nun ist es offiziell: Auch Apple erwägt die Einführung einer eigenen Kryptowährung.

Vor einigen Monaten kündigte Apple CryptoKit für iOS 13 an. Das Tool soll Software-Entwickler befähigen, schnell und einfach Hash-Werte für digitale Signaturen sowie öffentliche und private Keys zu erzeugen, die dann in Apples "Secure Enclave" abgespeichert und gemanagt werden können. Diese Keys könnten auch für Kryptowährungs-Zwecke verwendet und von iPhone-Nutzern per App als Zahlungsmittel genutzt werden.

Auch Apple will künftig im Kryptowährungs-Business mitmischen. Wir sagen Ihnen, was Sie zum Thema wissen müssen.
Auch Apple will künftig im Kryptowährungs-Business mitmischen. Wir sagen Ihnen, was Sie zum Thema wissen müssen.
Foto: Boxyray - shutterstock.com

Eine offizielle Stellungnahme seitens des iPhone-Konzerns zum Thema Kryptowährung ließ trotz der Ankündigung von CryptoKit für iOS13 bislang jedoch auf sich warten. Jennifer Bailey, ihres Zeichens Vice President der Apple-Pay-Sparte, sprach nun in einem Interview mit CNN Business Klartext: "Wir beobachten das Feld der Kryptowährungen und halten es für sehr interessant. Wir sind davon überzeugt, dass dieser Bereich erhebliches Potenzial aufweist."

Wann kommt Apples Cryptowallet?

Wenn Apple künftig tatsächlich auf Kryptowährungen setzt, würde der Konzern damit seinen Smartphone-Konkurrenten HTC und Samsung folgen. Beide haben angekündigt, native Cryptowallets für ihre Geräte zu entwickeln: HTC kündigte bereits im letzten Jahr das Smartphone Exodus 1 an, das wahlweise Bitcoin oder Ether abspeichern soll. Samsung will das gleiche Feature für sein 2020 erscheinendes Flaggschiff Galaxy 10 realisieren.

Jack Gold, Chef-Analyst von J. Gold Associates, rechnet dennoch nicht damit, dass Apple sobald auf Kryptowährungen setzt. Er geht vielmehr davon aus, dass der Konzern erst einmal die reibungslose Funktion von Apple Pay sicherstellen und Marktanteile gewinnen will. Auf eine Payment-Technologie zu setzen, die möglicherweise noch von Regulatoren in den USA oder Europa "kassiert" wird, dürfte ein zu riskanter Move sein, wie der Experte erklärt: "Ich gehe davon aus, dass Apple die Kryptowährungs-Ambitionen der anderen Player analysieren und dann erst einmal evaluieren möchte, wie die Erfolgschancen für die Technologie stehen und welche Probleme dabei in der Praxis auftreten."

Apple sei bekanntermaßen ziemlich gut darin, technologische Probleme zu lösen und das Ergebnis den Endkonsumenten zu präsentieren, so Gold weiter. Dabei favorisiere der Konzern aber in der Regel keine Vorreiterrolle, sondern steige lieber in bereits etablierte Marktsegmente ein.

Kryptowährungen - weiterhin im Trend

Eine aktuelle Studie von Juniper Research kommt zu dem Schluss, dass die Zahl der Nutzer von digitalen Wallets für alle Arten von Kryptowährungen bis zum Jahr 2024 auf vier Milliarden ansteigen wird (2019: 2,3 Milliarden Nutzer). Das wiederum soll dem Gesamtvolumen der Cryptowallet-Transaktionen einen Schub verleihen: Es soll um 80 Prozent auf circa neun Billionen Dollar pro Jahr anwachsen. Laut den Analysten von Juniper wird dieses Wachstum insbesondere dem steigenden Transaktionswert geschuldet sein, der wiederum durch "stored credentials" in Cryptowallets getrieben werde.

Einige der bekanntesten Unternehmen im Bereich Finanzdienstleistungen und Social Media setzen inzwischen auf Kryptowährungen als Zahlungsmittel für Services oder Produkte:

JP Morgan Chase beispielsweise hat als erste große Bank vor kurzem angekündigt, eine eigene Kryptowährung auf Basis des US-Dollars einführen zu wollen. Dieser Schachzug könnte die Blockchain endgültig als Vehikel für Kryptowährungen etablieren.

Der Social-Media-Gigant Facebook kündigte im Juni 2019 - nach Monaten der Spekulation - ebenfalls offiziell an, eine eigene Kryptowährung namens Libra inklusive zugehöriger Wallet an den Start zu bringen. Nicht wenige Experten werten das als Kriegserklärung an den Bankensektor: Wenn die Finanzinstitute die Blockchain-Technologie weiterhin mit der Kneifzange anfassen und nicht endlich anfangen, die neuen Möglichkeiten zu evaluieren, könnten sie von den Tech-Giganten kurzerhand verschlungen werden.

Nach Meinung von Clifford Rossi, Wirtschaftsprofessor an der Universität von Maryland, führt Facebooks Angriff zu zusätzlichem Druck auf die Branche. In einer Zeit, in der sich die ohnehin angeschlagenen Finanzinstitute bereits schwer tun, nicht den Anschluss an die agileren, technologisch firmen Fintechs zu verlieren.

Kryptowährungs-Offensive mit Security-Fokus?

Apples mobile Zahlungsplattform Apple Pay existiert bereits seit 2014 und verarbeitet inzwischen monatlich knapp eine Milliarde Transaktionen. Mit der Einführung der Apple Card hat der Konzern zudem erste Fühler in Richtung Fintech-Markt ausgestreckt.

Für Gartner Chef-Analystin Annette Zimmermann kommt ein Kryptowährungs-Feature da genau zur rechten Zeit: "So kann Apple die Nutzer im eigenen Ökosystem halten und den Aspekt Datenschutz als USP vermarkten. Es wäre nicht das erste Mal, dass Apple versucht, sich von der Konkurrenz durch Funktionen abzuheben, die den Schutz der Privatsphäre der Nutzer in den Fokus rücken."

Dieser Beitrag basiert auf einem Artikel unserer US-Schwesterpublikation Computerworld.