Unterwegs

Wandern mit der Apple Watch (2)

08.04.2017
Von Halyna Kubiv
Der Frühling kommt und mit ihm die Lust auf Berge, Sonne und Natur. Kann die Apple Watch (2) dabei helfen?

Auf der Keynote im September 2016 hatte Apple den Nachfolger seiner smarten Uhr vorgestellt – die Apple Watch Series 2. Die neue Uhr hat einen besseren Akku, dazu einen zusätzlichen GPS-Sensor, sie kann also quasi selbständig den Nutzer durch die Welt lotsen. Insbesondere für Wanderer würde sich die smarte Uhr als Begleiter lohnen, auf der Bühne in San Francisco hat vor einem halben Jahr der britische App-Entwickler Viewranger eine App dafür vorgestellt.

Apple Watch auf Reisen
Apple Watch auf Reisen

Doch danach gingen mehrere Monate ins Land, bis Viewranger sein Wort hielt und die App in den App Store brachte. Wir haben die Apple Watch 2 auf Herz und Nieren getestet und sind sogar damit geschwommen (Ende September in einem See!) Nur ein Aspekt, nämlich Wandern, blieb nicht berücksichtigt, mangels Apps. Doch Ende Dezember, schon in den Weihnachtsferien, hat der Entwickler von Viewranger die Kurve gekriegt und sein Versprechen "Coming 2016" knapp erfüllt – die Apple Watch App war im Store.

Bedienung auf dem iPhone und auf der Apple Watch

Angefangen an der App zu verzweifeln, haben wir demnach bereits Anfang des Jahres. Bei einer kurzen Winterwanderung wollten wir die App auf der Apple Watch ausprobieren, doch gleich beim ersten Schritt sind wir gescheitert. ViewRanger bietet sicherlich eine breite Auswahl an unterschiedlichen Touren auch in Bayern an, wenn man aber die Touren selber erstellen will, bietet die App wenig Hilfe. Wie jede Wander-App bietet ViewRanger detaillierte Umgebungskarten, kostenlos sind beispielsweise OpenCycleMap, SkiMap und ViewRanger Landscape Map.

Will man jedoch eine Tour auf Basis dieser Karte erstellen, beginnt die endlose Fummelei mit dem Bildschirm. Beim Versuch von Aus- bzw. Einzoomen in die Karte wird sofort ein Wegepunkt gesetzt, auch berücksichtigt die App die bereits vorhandenen, ebenfalls in der Karte verzeichneten Wanderwege nicht und zeichnet so Luftlinien, was in der Praxis wenig nützt.

Ihre Meinung ist gefragt!

Im Vergleich dazu ist die deutsche Konkurrenz von Outdooractive blitzschnell: Bei den einfachen Routen reichen der Ausgangspunkt und das Ziel, um den Weg zu finden. Die App sucht die auf der Karte vorhandenen Pfade ab und wählt den kürzesten. Nach Wunsch kann der Nutzer noch einen zusätzlichen Punkt hinzufügen, die Route wird dementsprechend angepasst. Unsere in ViewRanger erstellte Route glich dem tatsächlichen Weg in etwa so, wie die Kinderzeichnungen aus den Malen-Nach-Zahlen-Büchern die wirklichen Objekte wiedergeben.

Auf Umwegen in die App

Die erste Winterwanderung war vorbei, die nächste nahte, immer noch hatten wir keine Methode gefunden, wie man eine eigene genaue Route in die App bringt. Ein Zufall hat jedoch geholfen: Ein Wanderfreud hat die bereits erstellte Tour per Mail geschickt, diese Mail hatten wir auf dem Redaktions-iPhone aufgemacht. Plötzlich leuchtete der mitgeschickte Anhang mit dem ViewRanger-Logo, sollte heißen, die Tour lies sich auch mit der App öffnen.

Hier müssen wir ein wenig abschweifen, denn anders als bei Textdateien, bei denen es unterschiedliche proprietäre und offene Formate gibt, hat sich bei den Kartendateien bei sehr vielen Anwendungen das GPS Exchange Formatdurchgesetzt, solche Dateien haben die Endung GPX und bieten die Infos zu allen möglichen GPS-Daten wie Wegepunkten, Routen und Tracks. Das Format wird selbst von den größeren Anwendungen wie Google Earth genutzt, man kann getrost davon ausgehen, dass die Mehrzahl der mobilen Apps die GPX-Dateien auch versteht.

Und so war es nur die Frage von zwei, drei Taps, und die vorbereitete Route landete in der Viewranger-App. Ab hier galt nur noch den Rucksack packen und die Apple Watch vorbereiten.

Um eine Tour via ViewRanger auf die Apple Watch zu bekommen, braucht es das GPS Exchange Format.
Um eine Tour via ViewRanger auf die Apple Watch zu bekommen, braucht es das GPS Exchange Format.

Endlich wandern mit der Apple Watch

Was auf der Keynote als ein Kinderspiel aussah, hat sich bei uns in der Praxis als eine langwierige Suche nach passender Lösung heraus. Bevor unser Track auf die App darf, muss er in die Route konvertiert werden. Diese unterscheiden sich im Geodatei-Sprech insofern, als die Route ein geplanter Weg ist, der Track aber ein bereits abgegangener.

Die Konvertierung in der App funktioniert diesmal ohne Probleme: In den Einstellungen zu dem importierten Track findet sich gleich eine Option "Aus diesem Track eine Route erstellen". Diese gilt jetzt auf die Apple Watch zu bringen. Ganz wichtig ist, nicht zu vergessen, die Apple Watch App zunächst mal starten und erst dann die Synchronisation beginnen, sonst meldet die iPhone-App einen Fehler und kann die Route nicht übertragen. Hat alles geklappt, beginnt die Übertragung der Karte und anderen Daten auf die Apple Watch.

Auf dem iPhone erscheint in der Liste mit den verfügbaren Routen ein Uhr-Zeichen, wenn die Synchronisierung geklappt hat. Ab dann geht es tatsächlich so schnell wie auf der Keynote vorgezeigt: Die Route auf der Uhr angetippt und gestartet, zeigt die App die zusammengefassten Infos, wie Strecke, Zeit und die aktuellen Höhenmeter über dem Meeresspiegel.

Auch die kleine Umgebungskarte ist dabei, doch die ist so klein, dass eine Orientierung vor Ort damit nicht möglich ist. Diese dient eher als allgemeiner Überblick über die bereits begangene oder verbleibende Strecke. Wären nur diese Funktionen mit dabei, hätten wir die App als eine Spielerei abgetan, denn diese und weitere Infos liefert die App auf dem iPhone ohnehin. Dazu ist die Karte auf dem großen Bildschirm deutlich nützlicher, wenn man sich orientieren will, ob die genommene Abzweigung richtig ist.

Was die Daseinsberechtigung der App auf der Uhr liefert, ist die Warnfunktion über das haptische Feedback. Registriert die App, dass der Wanderer sich nicht mehr auf der gefolgten Route befindet, erscheint auf der Uhr eine Warnmeldung "Sie sind scheinbar auf Abwegen." Die Entwickler von ViewRanger versprechen, diese Warnung bereits nach zwanzig Metern Abweichung auszugeben. So in etwa haben wir auf unserer Probe-Wanderung die Meldung bekommen. Zwar war es nicht möglich, die genaue Meterzahl der Abweichung nachzumessen, die Uhr begann nach rund Dutzend Schritte am Armgelenk zu vibrieren, wenn man falsch abgebogen ist.

Registriert die App, dass der Wanderer sich nicht mehr auf der gefolgten Route befindet, erscheint auf der Uhr eine Warnmeldung "Sie sind scheinbar auf Abwegen."
Registriert die App, dass der Wanderer sich nicht mehr auf der gefolgten Route befindet, erscheint auf der Uhr eine Warnmeldung "Sie sind scheinbar auf Abwegen."

Fazit

Wandern mit der Apple Watch und sich warnen lassen, wenn man falsch abbiegt, ist eine nette Idee und sicherlich sehr nützlich, wäre hier nicht ein großes Aber. Zu umständlich und fummelig ist die App auf dem iPhone gestaltet, zu kompliziert ist der Weg einer Route von der Planung auf die Apple Watch. Schließlich soll die App nicht der Zweck, sondern ein Mittel zu einer schönen Wanderung sein. Muss man aber dabei ständig mit dem iPhone und mit der Apple Watch hantieren, bleibt keine Zeit für die Natur und die Landschaften, daher lassen wir ViewRanger bei der nächsten Wanderung bleiben. (Macwelt)