Deutsche Bank und Google Cloud

Vorstand Leukert räumt die IT auf

15.03.2021
Von 
Wolfgang Herrmann ist Editorial Manager CIO Magazin bei IDG Business Media. Zuvor war er unter anderem Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO und Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel.
Technikvorstand Bernd Leukert muss die komplexe IT der Deutschen Bank modernisieren und standardisieren. Die strategische Partnerschaft mit Google Cloud spielt dabei eine Schlüsselrolle.
Bernd Leukert, Technikvorstand der Deutschen Bank: "Wenn es keine regula­torischen Gründe gibt, sehe ich in eigenen Rechenzentren für die Deutsche Bank keinen Mehrwert."
Bernd Leukert, Technikvorstand der Deutschen Bank: "Wenn es keine regula­torischen Gründe gibt, sehe ich in eigenen Rechenzentren für die Deutsche Bank keinen Mehrwert."
Foto: Deutsche Bank

"Wir haben eine Organisation für die Themen Technologie, Daten und Innovation für die gesamte Bank, in der alle Einheiten nach den gleichen Standards arbeiten und Technologien gemeinsam nutzen." So beschreibt Leukert sein "Concept of One", das zentrale Projekt seit seinem Amtsantritt im September 2019. Dahinter steckt nicht weniger als eine vollständige Transformation der in der Vergangenheit arg in die Kritik geratenen IT der Deutschen Bank.

Zentralisieren, standardisieren und modernisieren von Systemen und Anwendungen stehen auf Leukerts Prioritätenliste ganz oben. "Künftig wird es nur noch eine Art geben, wie sich ein Kunde bei uns legitimiert", erläutert er. "Das ist entscheidend, um Heterogenität und Kom­plexität aus der IT-Landschaft herauszunehmen." Unternehmensweite Standards sind für ihn die Voraus­setzung für Erfolg: "Standardisierung bedeutet Vereinfachung, und das reduziert am Ende auch die Kosten."

IT als Kern der Wertschöpfung

25 Jahre lang hatte Leukert für SAP gearbeitet. Als Technikvorstand trieb er unter anderem die Entwicklung von Kernprodukten wie HANA und S/4HANA voran. Jetzt soll er die IT des größten deutschen Finanzdienstleisters auf Vordermann bringen und die Grundlagen für Innovationen schaffen. "Den klassischen IT-Vorstand gibt es so nicht mehr", sagt er zu seiner neuen Rolle. Vielmehr verantworte er im Führungsgremium der Bank die Bereiche Technologie, Daten und Innovation.

"Die IT wurde früher nur als Kostenstelle im Unternehmen gesehen. Heute ist klar, dass Technologie Kernbestandteil der Wertschöpfung ist", erklärt er die Entstehung des 2019 eingeführten Vorstandsressorts. Technologie soll insbesondere kundenorientierte Innovationen ermöglichen und der Bank damit neue Wachstumsfelder eröffnen.

Dazu braucht es nicht nur technische Veränderungen. Die Initiative Concept of One hat deshalb mehrere Dimensionen:

Organisation: Die Deutsche Bank schuf einen zentralen Bereich für die Themen Technologie, Daten und Innovationen, geführt von Leukert. Die IT-Einheiten der diversen Geschäftsbereiche sind diesem organisatorisch und disziplinarisch zugeordnet.

Systeme und Daten: Hier geht es vor allem um die Konsolidierung der unterschiedlichen Datentöpfe im Konzern. Das Ziel ist eine unternehmensweit einheitliche Datenbasis.

Technologie und Standards: Sowohl in den Geschäftsbereichen - also Privatkundenbank, Unternehmensbank und Investmentbank - als auch in Zentralfunktionen wie Personal und Finanzen nutzt die Deutsche Bank sehr heterogene Technologien und Plattformen. Im Grunde arbeite jeder Geschäftsbereich mit einem dedizierten Bankensystem; die Summe aller Systeme stelle die IT-Infrastruktur der Deutschen Bank dar, beschreibt Leukert die Ausgangslage: "Das wollen wir hinter uns lassen."