Evonik-CIO

Von der agilen IT zum agilen Unternehmen

04.08.2021
Von Wolfgang Herrmann

S/4 HANA-Migration geschafft

Für die zahlreichen Herausforderungen in der IT sieht sich Uhlich damit gut gerüstet. Eines der größten Projekte hat sie erst kürzlich gestemmt. Am 24. Mai migrierte Evonik konzernweit auf das neue SAP-Kernsystem S/4 HANA. Der Schritt betraf etwa 15.000 Benutzer in rund 140 legalen Entitäten weltweit. Das Vorhaben unterteilte die CIO in drei Phasen: Vorbereitung, Migration und New Opportunities.

Eines der größten IT-Projekte hat CIO Bettina Uhlich erst kürzlich gestemmt. Am 24. Mai 2021 migrierte Evonik konzernweit auf das neue SAP-Kernsystem S/4 HANA.
Eines der größten IT-Projekte hat CIO Bettina Uhlich erst kürzlich gestemmt. Am 24. Mai 2021 migrierte Evonik konzernweit auf das neue SAP-Kernsystem S/4 HANA.
Foto: Evonik

In der Vorbereitungsphase ging es beispielsweise darum, Prozesse zu harmonisieren und die "Readiness" sicherzustellen. Nach der Devise "Back to Standard" beschäftigte sich das Team insbesondere mit dem Rückbau eigenentwickelter Ergänzungen des bisherigen SAP-Systems. Zur Vorbereitung gehörte zudem der Aufbau eines Netzwerks aus fast 400 "Change Agents" für den Tag X, also die Umstellung. Externe Hilfe für das S/4-HANA-Projekt holte sich Evonik beim Dienstleister Accenture, der vor allem Projekt- und Prozessberatung einbrachte.

Nach der eigentlichen Migration im Mai 2021 befinde man sich nun im "Value Driven-Modus", sagt Uhlich. Es gehe darum, neue Möglichkeiten auszuloten, die SAP mit dem Umstieg auf S/4 HANA verspricht, beispielweise in den Bereichen Embedded Analytics und Machine Learning. Auch das Einrichten eines integrierten Controlling-Systems im Bereich Accounting gehöre zu den Chancen, die Evonik nutzen wolle. Es gehe dabei nicht nur um die Nutzung neuer technischer Möglichkeiten, sondern um das Erreichen von Business-Value für den Konzern. Die Migration selbst sei eine Ersatzinvestition für das auslaufende SAP-Kernsystem. Nun gelte es, den Nutzen daraus zu heben.

Über neue SAP-Projekte entscheidet ein Gremium, in dem auch die IT-Chefin sitzt. Bei größeren Vorhaben spricht zudem Group CFO Ute Wolf mit, an die Uhlich berichtet. Eingereichte Projekte seien für alle Mitarbeiter transparent über ein Dashboard einsehbar, betont sie. Für jedes einzelne Vorhaben sei dort ein "Scoring" hinterlegt, das aus verschiedenen Bewertungskriterien ermittelt werde.

Agiles Arbeiten wird zum Normalfall

Wo liegen die größten Hürden in der agilen Transformation? "Das Management-Team muss sich erstmal selbst mit agilen Methoden vertraut machen", sagt Uhlich und erinnert sich, wie sie zunächst ihre "Direct Reports" von den agilen Prinzipien überzeugen und an Arbeitsweisen wie Sprints mit vielen Iterationen gewöhnen musste. Besonders wichtig ist ihr das "Need-to-Share"-Prinzip: "Am Ende geht es für jeden Einzelnen auch darum, Entscheidungskompetenzen zu teilen."

Uhlich ist überzeugt, dass sich agile Methoden nicht nur in der IT auf breiter Front durchsetzen werden. "In fünf Jahren spricht keiner mehr über agiles Arbeiten, weil es selbstverständlich geworden ist und einfach passiert", prognostiziert sie im neuen CIO Jahrbuch 2022, das im Herbst erscheint: "Die Wette gewinne ich!"