Change bei BWI

"Vom Hierarchiedenken müssen wir uns verabschieden"

20.10.2020
Von 
Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
Auf die neue CRO der IT-Tochter der Bundeswehr, Katrin Hahn, warten herausfordernde Aufgaben. Die BWI setzt alles daran, um ein modernes IT-Systemhaus zu werden.
Katrin Hahn ist seit April 2020 Chief Resources Officer (CRO) und Mitglied der Geschäftsführung der BWI.
Katrin Hahn ist seit April 2020 Chief Resources Officer (CRO) und Mitglied der Geschäftsführung der BWI.

So hatte sich die engagierte Personalerin - 2009 die erste Preisträgerin des HR Next Generation Award - ihren Start beim neuen Arbeitgeber, der BWI GmbH, nicht vorgestellt. Als sie am 1. April ihren Job als Chief Resources Officer bei der Bundeswehr-Tochter antrat, musste sie gleich zu Hause bleiben - so, wie das jetzt in Corona-Zeiten eben üblich ist. Für einen kommunikativen HR-Profi wie Hahn die Höchststrafe - hatte sie sich doch fest vorgenommen, den direkten Kontakt zu den künftigen Mitarbeitern zu suchen.

"Die BWI muss agiler reagieren können"

Mit Katrin Hahn begannen noch rund 200 weitere neue Mitarbeiter bei BWI, so dass sie gleich zu Beginn gefordert war, gemeinsam mit ihren KollegInnen das Einstellen und Einarbeiten der Neuen zu organisieren. Wobei, das erwähnt sie dann noch in einem Nebensatz, für ihr Unternehmen besondere Sicherheitsvorkehrungen gelten, so dass in puncto Security der Start erst recht sehr sorgfältig ablaufen muss.

Nachdem die BWI gut zehn Jahre lang als Projektgesellschaft zur Umsetzung des Herkules-Projektes (Bundeswehr-Vorhaben zur IT-Modernisierung) diente, will es sich nun als modernes IT-Systemhaus etablieren und als Digitalisierungspartner der Bundeswehr agieren. "Die BWI muss agiler auf sich verändernde Anforderungen reagieren können", lautet Hahns Wunsch.

Um dieses Ziel zu erreichen, müsse sich das Unternehmen unter anderem verstärkt seinen Führungskräften widmen. Verständlicherweise habe eine Organisation wie die Bundeswehr oder die früheren Eigner der BWI, Siemens und IBM, sehr stark in Laufbahnmodellen gedacht, und hierarchisches Denken spielte eine viel stärkere Rolle als in heute modern organisierten Unternehmen. "Vom Hierarchiedenken müssen wir uns verabschieden", lautet die Forderung der neuen Arbeitsdirektorin.

Man sei dabei, die Firmenkultur in Richtung mehr Eigenverantwortung auszurichten, Fachkarrieren stärker zu fördern. Damit liege man auf der Linie der neuen Bewerbergeneration, die weniger an Hierarchiedünkel interessiert sei, sondern an fordernden Aufgaben und interessanten Projekten. In einem ersten Projekt werden Führungskräfte zu "Transformation Coaches" ausgebildet, um "das Netzwerk der Multiplikatoren und Unterstützer für den Wandel zu erweitern", so Hahn. Angesichts der ständigen und schnellen Veränderungen möchte Hahn das Thema Weiterbildung noch stärker als bisher als Teil der Unternehmenskultur etablieren. "Lernen muss Teil des Arbeitsalltages und selbstverständlicher werden", sagt die HR-Managerin.

BWI sucht IT-Experten

Trotz der besonderen Herausforderungen durch Corona ist die BWI nach wie vor fleißig dabei, neue Mitarbeiter einzustellen. Gesucht wird die ganze Bandbreite an IT-Fachleuten von Mitarbeitern in der Netzadministration über Berater bis hin zu IT-Architekten. In der Muttergesellschaft Bundeswehr wird die Arbeit so schnell nicht ausgehen, ist die Digitalisierung doch eines ihrer Megathemen.

Im Gegenteil, die Digitalisierung der Abläufe und Prozesse einer so großen Organisation erfordert noch auf Jahre hinaus viele Ressourcen jedweder Art. Und Katrin Hahn ist zuversichtlich, dass sich genug Kandidaten bei der BWI bewerben. "Unser Gesamtpaket stimmt", sagt sie, und beginnt mit dem ersten großen Plus, das in diesen Tagen besonderes Gewicht hat: "Wir bieten einen sicheren Arbeitsplatz, das Arbeiten in innovativen IT-Projekten, gute Entwicklungsperspektiven und eine preisgekrönte Altersvorsorge."

Stärker etabliert habe sich seit Corona auch flexibles Arbeiten. Homeoffice sei viel selbstverständlicher geworden als früher und sie geht davon aus, dass nach der Pandemie sogar etwa ein Drittel der Mitarbeiter dauerhaft im Homeoffice bleiben wird.