Virtualisierungstools

VMware versus Virtual Server und Xen

01.12.2005
Von Frank Kohler

Auch Xen bietet seit der Version 2.0 die Möglichkeit, VMs zwischen Knoten zu verschieben. Allerdings ist nach Angaben aus dem Projekt die Lastverteilung zwischen den einzelnen CPUs noch nicht optimal gelöst und soll in der nächsten Version verbessert werden. Das Produkt bedient aus technischen Gründen aktuell nur Linux- und BSD-Betriebssysteme. Gastsysteme müssen gepatcht werden, was beispielsweise im Falle von Windows als Closed-Source-Software schwer realisierbar ist. Der Virtual Server 2005 und der GSX-Server können mit diesem Feature nicht aufwarten. Sie müssen zum Verschieben zwischen einzelnen Hardwarebasen heruntergefahren werden und sind in dieser Zeit nicht verfügbar.

Im Leistungsvergleich zwischen dem Virtual Server 2005 und dem GSX-Server lassen sich nur kleine Unterschiede feststellen. Beide Produkte können hier einer einzigen VM bis zu 100 Prozent der CPU zuteilen und arbeiten mit Systemen von bis zu 32 Prozessoren, wobei je VM maximal eine CPU ansprechbar ist. Insgesamt werden 64 GB RAM auf dem Host-Rechner unterstützt und je VM auf 3,6 GB zugegriffen. Hier zeigen sich bereits die Einschränkungen dieser beiden Produkte bei arbeitsspeicherintensiven Anwendungen. Xen ist ebenfalls multiprozessorfähig und bringt es auf 128 VMs, während der ESX-Server mit 16 Prozessoren arbeitet, bis zu 64 GB Host-Speicher sowie 256 TB Gesamtspeicher adressieren kann und einen Parallelbetrieb von 80 VMs ermöglicht.

Ressourcenzuweisung

Kernstück jeder Virtualisierung ist jedoch die Verwaltung der Systeme. Dort werden die einzelnen VMs ein- und ausgeschaltet, der Systemstatus abgefragt oder entsprechende Ressourcen zugewiesen. Anwendungen kann eine Priorität und damit auch Prozessorleistung sowie Bandbreite zugeteilt werden.

Mögliche Fallstricke

Beim Aufbau einer virtuellen Infrastruktur sind einige wichtige Aspekte zu beachten:

  • Alle Dateien einer VM müssen genau wie ein physikalischer Server geschützt werden.

  • Aus Performance-Gründen empfiehlt Microsoft, für virtuelle Server die Hyperthreading-Funktion generell zu deaktivieren und besser mit einem Dual-Core-System zu arbeiten.

  • Wichtig bei der Dimensionierung der Hardware sind der Arbeitsspeicher und die Festplatten. Das Host-System kann an seine Gastsysteme nur so viel Arbeitsspeicher verteilen, wie physikalisch tatsächlich vorhanden ist.

  • Der ESX-Server bietet die Möglichkeit des RAM-Sharing und kann den Anwendungen virtuell mehr Hauptspeicher zur Verfügung stellen (Memory-over-Commitment).

  • Eine ausreichende Anzahl von Festplattenspindeln verhindert Engpässe bei I/O-intensiven Anwendungen.

  • In einer virtuellen Umgebung sind physikalische Anschlüsse immer schneller als virtuelle.

  • Der Prozessor selbst ist bei der Dimensionierung das unkritischste Bauteil.

  • Nicht jede Anwendung lässt sich virtualisieren. Ungeeignet sind zum Beispiel Programme, die einen Hardware-Dongle erfordern.

  • Unternehmen sollten im Vorfeld klären, ob eine Virtualisierung ihrer Systeme funktionieren kann.

Microsoft wählt für den Zugriff auf die Konsole per Remote Client ein Web-Interface. Auf dem Host-Betriebssystem läuft ein einzelner Dienst, der Virtual Server (VS) Service, in dem mehrere Threads erzeugt und in denen die virtuellen Maschinen abgebildet werden. Der Virtual Server selbst wird über DCOM verwaltet, das Management-Interface ist der Internet Explorer. Alternativ kann auch mit einem VMRC-Client (Active-X-Plug-in) gearbeitet werden, der direkt auf den VS-Service zugreift, allerdings nur unter Windows.

Sollen mit dem Server zusätzlich die I/Os für Festplatten oder die Bandbreite für das Netzwerkumfeld verwaltet werden, ist der Einsatz des ESX-Servers anstatt eines GSX-Servers erforderlich. (kk/fn)

Fazit

  • Die Leistungsfähigkeit bei kleinen Systemen (Microsoft Virtual Server und VMware GSX) ist etwa gleich gut.

  • VMs von Microsoft und VMware unterstützen jeweils nur einen einzigen Prozessor, unabhängig davon, wie viele Prozessoren tatsächlich vorhanden sind.

  • Ist eine Nutzung mehrerer Prozessoren wünschenswert, muss der ESX-Server von VMware eingesetzt werden.

  • Xen ist eine Alternative nach der GNU-Lizenzierung und basiert auf dem ESX-Server ähnlichen Funktionen.

  • Allerdings erreicht Xen in der aktuellen Version aufgrund der dafür notwendigen Änderungen im Linux-Betriebssystem noch nicht die Leistungsfähigkeit des ESX-Servers, und bietet auch nicht die von einem kommerziellen Produkt gewohnte Unterstützung.

Inhalt dieses Artikels